Dicker Fang für Offenbach

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So soll er aussehen, der neue Firmensitz des französischen Baustoff-Unternehmens Saint-Gobain Building Distribution Deutschland im Hafenviertel.

Offenbach - Stadtentwicklung, Unternehmensansiedlung, Gewerbesteuer. Schlagwörter, bei denen jedes Stadtoberhaupt leuchtende Augen bekommt. Von Veronika Schade

So auch Oberbürgermeister Horst Schneider, der sie bei der gestrigen Vorstellung der Pläne fürs erste Bürogebäude im neuen Hafenviertel gleich mehrfach in den Mund nehmen darf. Und eine gewisse Genugtuung gegenüber der großen Nachbarstadt kaum verbergen kann. Denn Offenbach hat einen dicken Fisch geangelt – und zwar Frankfurt vor der Nase weg. Das Baustoff-Unternehmen Saint-Gobain Building Distribution Deutschland (SGBDD) errichtet am Hafen seine Deutschland-Zentrale.

In direkter Wasserlage auf der Hafeninsel wird ein siebengeschossiges Bürogebäude mit 6500 Quadratmetern Nutzfläche exklusiv für die SGBDD gebaut, deren französischer Mutterkonzern Saint-Gobain zu den 100 größten Industriegruppen der Welt gehört. Bauträger für das Gebäude, in dem etwa 210 Arbeitsplätze entstehen, ist die Frankfurter Firma Groß und Partner GmbH. Im Herbst beginnt der Bau, Anfang 2015 soll er abgeschlossen sein.

Fortschreiten des Baus

An einem zügigen Fortschreiten des Baus ist den Beteiligten gelegen. „Es ist das erklärte Ziel der Hafenbebauung, dass nicht nur Wohnen, sondern auch Gewerbe angesiedelt wird“, betont Daniela Matha, Geschäftsführerin der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG).

Willkommensgeschenke aus Offenbach erteilten Oberbürgermeister Horst Schneider (Mitte) und OPG-Chefin Daniela Matha an Udo Brandt (links) und Dieter Babiel von Saint-Gobain Building Distribution Deutschland sowie an Investor Jürgen Groß, Geschäftsführer von Groß & Partner.

SGBDD pressiert’s: Derzeit befindet sich der Sitz an der Hanauer Landstraße in Frankfurt, Ende 2014 läuft der Mietvertrag aus. Dem Unternehmen blieb also nicht viel Zeit, etwas Neues zu suchen – bis es in Offenbach fündig wurde. „Es war von uns keine Entscheidung gegen Frankfurt oder für Offenbach“, sagt Dieter Babiel, Geschäftsführer Personal und Interne Dienstleistungen. Der Standort habe sich angeboten, befinde sich im Aufbau, habe eine gute Verkehrsanbindung. Den Mitarbeitern gefalle die Lage. „Es ist mittlerweile unerheblich, ob man am Kaiserlei nach rechts oder nach links abbiegt“, sagt Babiel und spricht damit Matha und dem OB aus der Seele.

„Unsere Stadt ist nicht nur im Wohnungsmarkt, sondern auch im umkämpften Gewerbemarkt angekommen“, strahlt dieser. Die Ansiedlung sei von immenser Bedeutung für das Image Offenbachs. Mit der SGBDD erbaut nach Hyundai ein weiteres weltweit agierendes Unternehmen seinen Deutschlandsitz in der Lederstadt.

Zusammenarbeit mit dem Bauträger

Die Zusammenarbeit mit dem Bauträger Groß & Partner sowie der Stadt Offenbach sei trotz des engen Zeitrahmens schnell und komplikationslos verlaufen, lobt Udo Brandt, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der SBGDD. „Wenn es jemals Vorurteile gegenüber städtischen Verwaltungen gegeben hat, sind diese in Schutt und Asche gelegt.“ Ihm sei bewusst, dass sein Unternehmen in der Öffentlichkeit eher unbekannt sei. „Wir treten nicht im Konsumentenmarkt auf, sondern arbeiten mit professionellen Kunden zusammen.“ Saint-Gobain bezeichnet sich als weltweit führenden Anbieter auf den Märkten des Wohnens und Arbeitens. Es vertreibt, entwickelt und produziert Baustoffe wie Rigipsplatten, Dämmmaterialien und Glas. Zudem: „Jede zweite Autoscheibe in Europa stammt von uns“, berichtet Brandt. Zu erkennen sind sie an der Aufschrift „Sekurit“. Das Unternehmen hat 193 000 Mitarbeiter in 64 Ländern und einen Umsatz von 43 Milliarden Euro.

Als erste ziehen ins Hanfenviertel im November die Mieter der Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG ein. Sie werden eine hohe Bautätigkeit beobachten können. „Der erste Bauabschnitt gewinnt nächstes Jahr an Fahrt“, schaut Matha voraus. Jürgen Groß, Geschäftsführer von Groß & Partner, Investor des ersten Bürogebäudes, lobt die Hafenpläne: „Es ist ein mutiges, vorausschauendes, herausragendes Projekt. Offenbach hat sich damit neu positioniert und es geschafft, ein solches namhaftes Unternehmen anzulocken.“ Dem, so hoffen alle, weitere folgen.

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