Bausünde verhindert

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Gut festhalten: Beim Rennen mit und auf historischen Schubkarren im Schlosspark hatten alle Beteiligten ihren Spaß.

Rumpenheim - Die Bürgerinitiative Rumpenheim (BIR) wurde 40. Das wurde mit einer dreitägigen Geburtstagsfeier begangen. Vor dem Vergnügen bei Musik und Unterhaltungsangeboten wurde bei einer akademischen Feier im Garten des Vereinssitzes Bilanz gezogen. Von Claus Wolfschlag

Vereinsvorsitzender Uwe Becker erinnerte vor 60 Gästen an die schwierigen Anfänge. 1973 fanden sich die Gründer zusammen, um gegen einen wahnwitzigen städtischen Plan zu protestieren. Ein 23-stöckiger Hochhausblock sollte im Schlosspark entstehen, das ruinöse Schloss faktisch zum Abriss freigegeben werden. Es gründete sich eine der ersten Bürgerinitiativen der Republik, der es gelang, diese Verirrung des Zeitgeists zu verhindern.

„Manchmal hört man die provokative Frage, was denn so falsch an dem Hochhaus gewesen wäre. Es hätte doch einen tollen Blick von dort nach Frankfurt gegeben“, sagte Becker. „Darauf antworten wir, dass dies ein Blick für wenige Leute gewesen wäre, und einer von oben. Uns aber interessierte stets der Blick der Bürger, also der Blick vom Boden.“

Impuls der Gründung

Becker ehrte die Gründerväter der BIR und betonte: „Der Impuls der Gründung war, etwas verhindern zu wollen. Doch dabei konnte es nicht bleiben. Also entstanden daraus Ideen, auch etwas positiv zu gestalten.“ So engagierte sich die BIR bald beim schrittweisen Wiederaufbau des Rumpenheimer Schlosses. Seit mehr als zehn Jahren sei es wieder hergestellt, betonte Becker zufrieden. Er verschwieg nicht, dass dies letztlich in anderer Form geschehen ist als ursprünglich erhofft. Befindet sich heute eine private Wohnanlage in dem historischen Gemäuer, hatte die BIR eine für Bürger und Vereine zugängliche Lösung favorisiert, jedenfalls für Teile des Gebäudes. Becker erinnerte auch an den Baumsaal im Schlosspark, durch bürgerschaftliches Engagement der Rumpenheimer finanziert.

„Die Bürgerinitiative ist so stark wie die Ideen aus der Bevölkerung“, sagte Becker. Deshalb verkündete er mit Freude, dass durch den seit November amtierenden neuen Vorstand mit Bruno Persichilli als stellvertretendem Vorsitzenden eine personelle Verjüngung erreicht sei.

„Zu Gast bei Freunden“

Auch das gehörte zum Jubiläum: Heimatforscher Helmut Hill führte eine Schar Interessenten durch Rumpenheim.

Bürgermeister Peter Schneider gratulierte im Namen des Magistrats und des Oberbürgermeisters. Und er äußerte, als BI-Mitglied „zu Gast bei Freunden“ zu sein. Auch er betonte den Grundimpuls der Bürgerinitiative, nicht nur etwas verhindern zu wollen, sondern konkrete Pläne für den Aufbau des Schlosses und die Entwicklung Rumpenheims zu liefern. Die BIR sei demnach faktisch die „ständige Vertretung“ des Stadtteils.

Ausführlich schilderte Schneider, wie er vor Jahren im Protest gegen ein Golfplatz-Projekt auf den Rumpenheimer Äckern zur Bürgerinitiative stieß. Und wie der Einsatz mit einer Protest-Stellwand, durchwachten Stunden mit Nachtsichtgerät und Schreiben an Grundstücksbesitzer von Erfolg gekrönt wurde. Das Engagement sei quer durch die politischen Lager gegangen. „Links und rechts haben in der Bürgerinitiative keine Rolle gespielt. Nur die Belange Rumpenheims waren von Bedeutung. Das war stets viel angenehmer als im sonstigen politischen Geschäft“, so Schneider.

Heute stünden neue Aufgaben an. Er nannte die Planungen zur Sanierung des Rumpenheimer Maindamms, den Fluglärm und den Siedlungsdruck. „In Rumpenheim und im Mainbogen muss Schluss mit der Zersiedelung sein“, so Schneider.

Parkpflegewerk weiter ein großes Thema

Becker ergänzte, das Parkpflegewerk sei weiter ein großes Thema. Der Schlosspark sei in seiner Substanz angegriffen, auch wenn Laien das nicht sofort erkennen könnten. Stellenweise Aufforstungen müssten vorgenommen werden. Weiter wurden Maßnahmen für eine bessere Verkehrsinfrastruktur und die Rekonstruktion des Löwenwappens erwähnt.

Schneider und Reinhard Knecht vom Referat Ehrenamt übergaben eine finanzielle Aufmerksamkeit der Stadt. Die SKG Rumpenheim überreichte einen Umschlag. Der Verein Musik im Park spendete Glückwünsche. Dann labten sich die Besucher an Getränken und Häppchen oder betrachteten im Vereinshaus Hennig Hehners Rumpenheimer Ansichten. Bis die Berry Blue Band mit Jazz, Blues und Pop das Heft in die Hand nahm.

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