Von der Bausünde zur Vision

Offenbach -  An Visionen mangelt es Oberbürgermeister Horst Schneider nicht. Eine ist angelehnt an das Ideal einer „Sportstadt Offenbach“. Für die wünscht sich der Verwaltungschef drei Sportzentren: auf der Rosenhöhe, am  Wiener Ring und in Bürgel. Von Martin Kuhn

Letzteres baut mit Hilfe öffentlicher Gelder und Zuschüsse die TSG Bürgel. Fürs ehrgeizige Projekt (3,5 Millionen Euro) will der Magistrat eine Erweiterung des Bebauungsplans 131 erreichen.

Kernpunkte: Die bestehende TSG-Tennishalle wird um ein Feld verkleinert, ein Anbau nimmt auf diesem Platz Kegelbahn und Flächen für Gesundheits- und Tanzsport auf. An der Südseite schließt sich anstelle eines Fußballplatzes eine Drei-Felder-Turnhalle mit ausziehbarer Tribüne an. Verbunden werden beide Hallen durch einen zentralen Eingangsbereich inklusive Geschäftsstelle, Restaurant und Sports-Bar. Die 125 Parkplätze werden über den zu bauenden Mainzer Ring und den Pfaffenpfad angedient.

Das „ambitionierte Konzept“ hat überzeugt, lobt der Oberbürgermeister. Das Lob fällt vielleicht auch deshalb etwas dicker aus, weil die TSG als Bauherr auftritt, andere Zuschuss-Töpfe anzapfen kann als die Kommune. So wird aus der maroden, städtischen Sporthalle an der Jahnstraße (Schneider: „Eine Bausünde der 70er Jahre“), ein modernes, vereinseigenes Sportzentrum an der Rumpenheimer Straße.

Die Finanzierung der „am Markt realisierbaren Baukosten“ von 3,5 Millionen Euro: 1 Million Zuschuss der Stadt, 1 Million aus dem Konjunkturprogramm II, 200 000 Euro erwartete Zuschüsse des Landes. Die restlichen 1,3 Millionen muss der Verein als Kredit aufnehmen. Eine Refinanzierung soll die Vermietung der neuen Halle für den lokalen Schulsport bringen.

Die etwas vereinfachte Rechnung: Das Geld, das die Stadt in der energetischen Beton-Sünde Jahnhalle Jahr für Jahr verheizt, wird künftig als Mietzins an die TSG überwiesen. Die Zahl, die Sportbürochef Jürgen Weil aufruft, dürfte allenfalls den heutigen Energielieferanten froh stimmen: zirka 120 000 Euro.

Das Projekt soll den Bürgeler Verein fit für die Zukunft machen und die gut 1200 (davon mehr als 600 Jugendliche) Mitglieder einen. Vorsitzender Rolf-Dieter Elsässer: „Derzeit sind wir eher beschränkt in unseren Möglichkeiten. Die TSG-Sportler sind über alle Offenbacher Schulsporthallen verteilt.“ So will er gleichzeitig einer Neid-Debatte vorbeugen: „Diese Trainingszeiten werden für andere Vereine frei.“

Mit dem Neubau sind wohl an der Jahnstraße die Tage der Sporthalle ebenso gezählt wie die der Kegelbahn. Beides wird abgerissen. Mit dem angrenzenden Hartplatz besitzt die Stadt 10 000 Quadratmeter Fläche in guter Wohnlage. Über die Zukunft des städtischen Areal schweigt sich Horst Schneider aus. Noch. „Da gibt es verschiedene Ideen“, lässt er sich von Journalisten gestern entlocken. Und als Zusatz: Falls das Gelände geräumt ist, werde das Interesse von Bauträgern sicher wachsen. „Ringsum gibt’s eine sehr attraktive Wohnbebauung.“ Da wird es auch nicht stören, dass die heutige Halle auf einer alten Lehmgrube steht, die nach und nach mit Hausmüll und Schutt verfüllt wurde. Altlasten? Bauamtsleiterin Susanne Schöllkopf: „Bislang gibt es dort keine Auffälligkeiten.“

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