Areal Bahnhof-/Berliner Straße

Passt die Bebauung in die Umgebung?

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18 Millionen Euro will der Frankfurter Investor Reiner Elischer in 72 Wohnungen an der Berliner Straße verwandeln. Das 3300 Quadratmeter große Areal kauft er von der Stadt. Das bestehende Parkdeck muss weichen.

Offenbach - „Über Musik zu sprechen ist wie über Architektur zu tanzen.“ Das Zitat wird Steve Martin zugeschrieben. Heißt: Jeder fühlt sich berufen. Da hätte der amerikanische Schauspieler während einer Debatte in der Sitzung vor der Parlamentspause sicher Spaß gehabt. Von Thomas Kirstein und Martin Kuhn

Aktuell geht’s um das Areal Bahnhof-/Berliner Straße. Seit Jahrzehnten von einem Parkdeck dominiert, sollen dort mehr als 70 Wohnungen entstehen. Für den Magistrat und den obersten Stadtplaner Horst Schneider ist die vorgesehene Bebauung eine „weitere architektonische Aufwertung“ an problematischer Stelle.  „Damit verschwindet eine Endmoräne der autogerechten Stadt und macht Platz für innerstädtisches Wohnen“, schwärmte der Verwaltungschef bei der Vorstellung von Plänen des Investors Reiner Elischer.

Dem Projekt bläst christdemokratischer Gegenwind auf die Entwürfe. Nicht etwa der Verlust weiterer Autoabstellflächen treibt die Union um, sondern die Gestaltung der vier Baukörper. „Die geplante Architektur passt nicht zur Umgebung, sie ist ein völliger Fremdkörper“, urteilte der Stadtverordnete Dominik Mangelmann, „gerade an dieser zentralen Stelle sollte die Stadt höhere Ansprüche stellen und dies gegenüber dem Investor auch deutlich machen“.

„Wir lehnen das Projekt nicht grundsätzlich ab“

Noch sei ausreichend Zeit dazu, findet die CDU und will am Donnerstag zwei Magistratsvorlagen von der Tagesordnung nehmen. „Wir lehnen das Projekt nicht grundsätzlich ab“, so Fraktionschef Peter Freier. „Man muss jedoch mit dem Investor sprechen bezüglich anderer Lösungen.“ Dazu sei Zeit bis 2. Oktober, dem Tag der nächsten Stadtverordnetensitzung. Ähnlich sieht es für die FDP Oliver Stirböck: „Das gibt dem Investor die Möglichkeit nachzubessern.“ Ganz im Sinne ihres Oberbürgermeisters („Eine Absetzung wäre das Unmöglichste; es geht um Verlässlichkeiten.“) lehnt SPD-Stadtverordnete Ulla Peppler das oppositionelle Ansinnen ab, steigert in ihrer Wortwahl jedoch die angedachte zeitliche Verschiebung. „Es wäre absurd, einen Investor wegzuschicken, der ein kritisches Areal entwickeln möchte.“ In der Folge entwickelte sich eine Diskussion „wie aus dem Tollhaus“, resümierte später SPD-Mann Holger Hinkel.

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Während Bauingenieur Dominik Mangelmann von einer „08/15-CAD-Architektur“ sprach, mochte der Sozialdemokrat Harald Habermann das Projekt nicht an einer „ästhetischen Frage“ scheitern lassen. Retourkutsche von Peter Freier: „Wir bedanken uns für den Hinweis, dass die SPD keine ästhetischen Ansprüche hat.“ Und für die Grünen betonte Susanne Schmitt: „Wir treffen sachliche Entscheidungen, keine ästhetischen. Wir brauchen an dieser Stelle große Wohnungen für Familien.“ Mangelmann: „So macht man keine Stadtreparatur, sondern die Stadt kaputt!“

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Für die Fachleute der Stadt besteht indes wenig Korrekturbedarf, noch zu klären ist allenfalls die Gestaltung des künftigen Park-Parterres. „Ja, man kann immer versuchen sich an der Historie zu orientieren“, findet Planungsamtschef Markus Eichberger, erkennt im Geplanten aber im Gegensatz zur CDU eine zeitgemäße und auch zeitlose Architektursprache, die eine Antwort auf aktuelle Herausforderungen gebe. Wie sich durch Referenzobjekte zeige, seien sowohl Investor Elischer als auch Architekt Axel Krück in der Lage, Bauten mit hochwertigem Charakter zu schaffen.

So werde es auch an dieser Offenbacher Stelle der Fall sein, meint Eichberger und weist darauf hin, dass es gelingen werde, dort jegliche Monotonie zu vermeiden: Die vier Blöcke sind unterschiedlich, springen vor und zurück, die Flucht nimmt an einer Stelle die Form des Kreisels auf. Er ist überzeugt: Das 18-Millionen-Projekt beschert der Stadt nicht allein 72 neue Wohnungen und die Hälfte der bisherigen öffentlichen Parkplätze, sondern entlang ihrer Hauptachse auch einen Stadteingang mit gewisser Repräsentanz. „Ein städtebauliches Ausrufezeichen“, so Eichberger. Und das brachten am Donnerstag die Stadtverordneten mit mehrheitlicher Zustimmung letztlich auf den Weg. Zwar mit viel Tamtam, aber ohne Tanzeinlage...

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