Anspruch auf U3-Betreuung

Bedarf mit Spannung erwartet

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Offenbach - Dass der Landesanteil an der 40 Millionen Euro teuren Kinderbetreuung in Offenbach mit knapp sechs Millionen eher bescheiden ausfällt, will der Sozialminister so nicht gelten lassen: Er könne die Klage zwar verstehen, aber Kinderbetreuung sei nun mal eine originäre kommunale Aufgabe, sagt Stefan Grüttner. Von Matthias Dahmer

Und weist darauf hin, dass das Land die Ausgaben für die Betreuung des Nachwuchses von 65 Millionen Euro 1999 auf 425 Millionen im nächsten Jahr steigern will.

Aber der kritische Blick ist gestern im Rathaus sowieso zweitrangig: Hat doch der hessische Familienminister und Offenbacher CDU-Chef einen Förderbescheid über knapp 1,4 Millionen Euro für die Betreuung von unter Dreijährigen (U3) im Gepäck. 130 neue U3-Plätze in sechs Einrichtungen freier Träger sowie zwölf bestehende in der Tagespflege können dadurch mitfinanziert werden. Insgesamt sind für die 130 Plätze 3,3 Millionen Euro aufzubringen, das heißt, 1,9 Millionen müssen die freien Träger selbst finanzieren. Durchnittlich kostet die Einrichtung eines neuen U3-Platzes in Offenbach etwa 28.000 Euro, das Land bezuschusst mit maximal 14.500 Euro.

Bund steuert 44,1 Millionen bei

Das frische Geld für die Offenbacher Kinderbetreuung stammt aus einem Landesinvestitionsprogramm für die Jahre 2013 und 2014. Es umfasst 100 Millionen Euro, wovon der Bund 44,1 Millionen beisteuert.

Vom 1. August an besteht für die Jüngsten der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Man nähere sich dem Datum mit Riesenschritten, sagt Grüttner. Offenbach lobt er angesichts der Anstrengungen zur Erfüllung des Rechtsanspruchs in den höchsten Tönen. Er bescheinigt der Stadt im hessenweiten Vergleich eine „beachtliche Leistung“, die durchaus auch in Wiesbaden honoriert werde.

Bürgermeister Peter Schneider und Claudia Kaufmann-Reis, stellvertretende Leiterin des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO), können mit Zahlen belegen, dass der ministerielle Lorbeer durchaus berechtigt ist: Ende des Jahres wird man in Offenbach für knapp 40 Prozent der 3 755 Anspruchsberechtigten einen Platz geschaffen haben. Die vom Stadtparlament festgezurrte Zielmarke eines Deckungsgrads von 45 Prozent hoffen Schneider und Kaufmann-Reis im nächsten Jahr zu erreichen. Dazu fehlen noch 224 Plätze.

Ob es mit den 45 Prozent getan ist, ob damit der Bedarf tatsächlich gedeckt werden kann, ist ungewiss. „Der 1. August ist ein Datum, auf das wir mit Spannung blicken“, meint denn auch Peter Schneider. „Wir sind gut aufgestellt, aber man kann es nicht genau wissen“, ergänzt Claudia Kaufmann-Reis.

Freie Träger schultern Hauptlast

Historisch gewachsen ist, dass in Offenbach die freien Träger die Hauptlast der U3-Betreuung schultern. Von den mehr als 1200 Plätzen bietet der EKO selbst nur 70 an, weitere 20 kommen demnächst hinzu. 426 Plätze deckt die von der Stadt koordinierte Tagespflege ab.

Die gewinne immer mehr an Bedeutung, betont Claudia Kaufmann-Reis, die zugleich dank der erforderlichen Qualifizierung eine gesellschaftliche Aufwertung des Jobs der Tagesmutter beobachtet hat. Deren Anteil an der U3-Betreuung sei in den vergangenen zwei Jahren um 200 Prozent gestiegen.

Sozialminister Grüttner kann den Offenbacher Trend fürs Land Hessen nur bestätigen: Sei man vor zwei Jahren noch von einem Bedarf von 9700 Tagespflege-Plätzen ausgegangen, so liege man derzeit bei zirka 11.000. „Das Werben um die Tagespflege zeigt Erfolge“, bilanziert Grüttner.

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