Bedeutend sauberer geworden

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Richtig: Werbung für die Fußball-Stadtmeisterschaft und den Neujahrsmarkt in Metallständern (rechts). Falsch oder genehmigte Ausnahme als schlechtes Vorbild: Werbung für eine Veranstaltung des Umweltamts auf Holz (links).

Offenbach ‐ Offenbachs dreieckige Plakatwerbezukunft soll metallen und von der Stadt geregelt sein. Holzkonstruktionen, wie sie vor Jahresfrist noch fast jeden Lampen- und Ampelmast einfassten, sind - ausgenommen die Wahlkampfzeiten - offiziell aus dem Stadtgebiet verbannt. Von Thomas Kirstein

Aber nur eigentlich: Am Dreieck-Ständer-Paradies nahe der Stadthalle wirbt ausgerechnet das städtische Umweltamt noch auf Holz. Es waren der ungezügelte Wildwuchs und der Anblick von aufgeweichten und zerfetzten Plakate, die im vergangenen Jahr eine Neufassung der städtischen „Sondernutzungssatzung“ anregten. In geordnete und für die Stadtgestaltung verträgliche Bahnen wollte man die Ständer-Werbung lenken.

Die Grundidee: Kommerzielle Anbieter wie Jeans-Geschäfte oder Autohäuser müssen künftig auf Flächen von Plakatwerbefirmen; Kulturveranstaltern, Vereinen und gemeinnützigen Institutionen stellt die stadteigene Servicegesellschaft OSG gegen Gebühr metallene Ständer zur Verfügung.

Richtlinien zur Plakatwerbung haben sich bewährt

Nach einer neunmonatigen Probephase wird das Projekt jetzt für dauerhaft gut befunden. Der Magistrat beschloss „Richtlinien über die Plakatwerbung für kulturelle Veranstaltungen oder gemeinnützige Zwecke im öffentlichen Raum“. Die neuen Bestimmungen hätten sich bewährt, die Werbung finde nahezu ausschließlich auf den offiziellen Metall-Ständern statt. Stadtsprecher und OSG-Geschäftsführer Matthias Müller zieht ein zufriedenes Fazit: „Die Stadt ist bedeutend sauberer geworden.“

Ein Konflikt wurde öffentlich: Plastinator Gunther von Hagens beschwerte sich, dass er nicht für seine Körperwelten-Ausstellung auf den offiziellen Ständern werben durfte. Stadtmitarbeiter Günter Doll, für die Zulassung verantwortlich, hatte befunden: Die Leichen-Schau sei keine Kultur und kommerziell.

Ständer erst aus Aluminium - jetzt aus Eisen

Örtlichen Privat-Veranstaltern begegnet geringere Strenge: Einrichtungen wie MTW, Robert Johnson oder der Wiener Hof dürfen werben. Wenn sie ein häufiges Problem lösen: Zugelassen sind nur Plakate der Größe DIN A1, Bands kommen aber meistens mit dem kleineren DIN A2 an.

150 Metallständer hat die OSG angeschafft, die ersten waren aus Aluminium, was sich als zu leicht erwiesen hat - Wind oder Passanten ließen sie schnell kippen. „Inzwischen steigen wir auf Eisen um“, sagt Matthias Müller, appelliert aber auch an Fußgänger, schief stehende Ständer wieder auf drei Beine zu stellen.

Gebühren bringen bares Geld in die Stadtkasse

Der Schwund halte sich übrigens in Grenzen, meint Müller. Bislang mussten 20 Ständer ersetzt werden, sieben wurden durch Vandalismus, 13 wegen Unfällen unbrauchbar.

Hatte der OSG-Chef anfänglich noch gedacht, dass die Kosten durch die Gebühren gerade so gedeckt werden, wird jetzt ein Zuschussgeschäft für die Stadt wahrscheinlicher. Bestückt und regelmäßig gewartet werden die Ständer durch ein Fremdunternehmen, das 24 000 Euro im Jahr erhält. Die Einnahmen betragen aber nur 15 000 Euro - Vereine zahlen 24 Cent pro Plakat und Tag, andere Veranstalter 30 Cent. „Für unsere Vereine legen wir aber gern drauf“, sagt Matthias Müller.  

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