Beeindruckendes (Kunst-) Projekt

120 Meter Vereinsgeschichte von Kickers Offenbach 

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Der Offenbacher Graffiti-Künstler Marcus Dörr hat ein Kunstwerk auf die Mauer hinter der Waldemar-Klein-Tribüne gesprayt.

Offenbach - Es ist vollbracht: 120 Meter Kickers-Geschichte schmücken nun die Waldemar-Klein-Tribüne. Das Fan-Projekt wird, nach sechs Jahren mit Höhen und Tiefen, heute (14 Uhr) vor dem Heimspiel gegen TSV Schott Mainz offiziell vorgestellt – mit Engagierten aus der Fanszene, Vertretern von OFC, SBB, Sparda-Bank und den Spendern. Sie allen helfen mit, das rund 35.000 Euro teure Wandbild zu finanzieren. Von Martin Kuhn 

Eines von vielen liebevollen Details: Zu erkennen sind markante Gebäude des Stadtbilds, geschmückt mit treuen OFC-Fans. Da darf das legendäre Gefährt der 1996 gegründeten Traktoren-Front auch mal über die Stahlröhren der Kaiserlei-Brücke tuckern.

Auf nahezu 500 Quadratmetern ist die überaus bewegte OFC-Geschichte künstlerisch umgesetzt.  Dass die offizielle Präsentation und der öffentliche Dank ausgerechnet am Elften Elften stattfindet, ist „reiner Zufall“, wie Volker Goll, Sprecher der Interessengemeinschaft Stadionbau, betont und wohl mit Blick auf den heutigen Gegner aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt schelmisch hinzufügt: „Wir sind doch kein Karnevalsverein...“ Die IGS ist maßgeblich an der Entstehung des Wandbildes beteiligt. Die Idee ist im Grunde aus dem Jahre 2011, als der Abriss des alten Kickers-Stadions begann. Dabei waren selbst in der Interessengemeinschaft nicht alle sofort Feuer und Flamme: „Es gab auch bei uns kritische Stimmen, weil wir zwei Mal das Geldsammeln abgeblasen hatten.“ Die Daten haben sich eingebrannt: 2013 und 2016 wegen der Insolvenz-Verfahren. „Da waren alle Anstrengungen auf die Rettung des Vereins fokussiert“, sagt Goll rückblickend, bekräftigt allerdings das einstimmige Votum fürs 120-Meter-Bild: „Ansonsten habe ich zumindest keine kritischen Stimmen dagegen gehört, dass wir unser Wohnzimmer verschönern.“

Das Projekt „Schöner Wohnen in Rot-Weiß“ startete vor gut zwei Jahren. Die IGS bat, Entwürfe einzureichen. Zuvor gab’s größere Treffen, bei denen diese Vorgehensweise besprochen wurde. Zudem war mit Stadiongesellschaft und OFC zu klären, ob es grünes Licht gibt. Ein Problem: die Werbung, die entsprechend höher zu hängen war, damit die Wand über den Blöcken 1-3 komplett frei wird.

Goll erzählt: „Es gab zahlreiche Entwürfe, und am Ende haben wir uns mit Marcus Dörr und seiner Agentur artmos4 für einen professionellen Sprayer entschieden, mit dem die Entwürfe diskutiert wurden. Gerade diese Phase war sehr intensiv. Bis zu 40 Fans aus verschiedenen Gruppen haben da mehrfach abendfüllend leidenschaftlich über Motive debattiert. Das war ein anstrengender aber schließlich großartiger Prozess, weil sich dabei herausstellte, was man gemeinsam eigentlich als Höhepunkte der Vereins-Historie empfindet.“

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Bis Marcus Dörr und sein Team loslegen konnten, waren (wieder einmal) die OFC-Anhänger gefragt, die Fahnen und Trikots mit Kärcher und Blaumann tauschten. An fünf Tagen haben gut 120 Fans die Wand gereinigt, grundiert und zwei Mal Rot und Weiß gestrichen. Für bundesweites Aufsehen sorgte das Werk, als Kickers Würzburg sein Pokalspiel gegen Werder Bremen auf dem Bieberer Berg austrug und die komplette Gegengerade für Fans gesperrt blieb – aus Angst vor Verunzierungen.

Goll rechtfertigt das etwas merkwürdige „Fernsehbild“, das bundesweit zu sehen war, nochmals: „Beim Pokalspiel war die Wand gerade frisch vorbereitet in Rot und Weiß. Nur ein paar Kritzeleien hätten das Projekt ziemlich zurückgeworfen. Inzwischen ist sie fertig, Schutzlack drauf und gut ist.“ Die Frage, ob künftig in ähnlicher Konstellation andere Fans auf die Waldemar-Klein-Tribüne dürfen, sei eher eine generelle der gesamten Fanszene. „Keine Fanszene schätzt es, wenn eine andere bei einem Spiel im eigenen Fanblock steht.“ Das betrifft den Fußball, andere Sportarten - wie etwa die anstehenden Rugby-Spiele - seien davon nicht berührt.

Mit dem Wandbild ist es für die IGS keineswegs getan. „Dinge, die uns nicht gefallen, wie etwa die Sektorentrennung, die wenigstens bei Nicht-Risiko-Spielen aufgehoben wurde, werden weiterhin kritisch von uns begleitet. Ein großes aktuelles Thema ist derzeit der Stress um Fanutensilien und die Auflagen der Behörden. Wir setzten uns natürlich auch für das freie Ausleben einer friedlichen Fankultur ein“, so Goll.

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