Bomben unter Wurzelwerk

Offenbach - Einige im Musikantenviertel dürften gespaltene Gefühle haben. Überwiegt die Trauer ums verlorene Grün oder die Freude auf eine neue Grundschule? Von Martin Kuhn

 Eines ist sicher: Abriss, Neubau, Bombenfunde, Baumfällung – rund um die Beethovenschule ging’s emotionaler zu, als es die politisch Verantwortlichen mit Oberbürgermeister Horst Schneider an der Spitze geahnt haben. Auf ihn kapriziert sich die Kritik der Unionschristen.

Der CDU-Stadtverordnete Michael Weiland hakt bei der Kampfmittelräumung an der Grundschule nach: „Auf eine Parlamentsanfrage habe ich noch keine Antwort, lediglich eine Fristerstreckungsbitte des Magistrats bis zum 22. August liegt vor.“ Da der Termin ebenfalls verstrichen ist und der Verwaltungschef derzeit im Urlaub weilt, bekundet der Abgeordnete: „Falls er sich nicht mit kritischen Fragen auseinandersetzen will, stehen mir weitere parlamentarische Optionen offen.“ Er will unter anderem wissen, ob der Magistrat vor Beginn der Baumaßnahme berücksichtigt hat, dass die Beethovenschule in einem Bombenabwurfgebiet liegt.

Anwohner im Offenbacher Süden weiterhin skeptisch

Derweil sind Anwohner im Offenbacher Süden weiterhin skeptisch:  „Eine genauere Untersuchung nach Weltkriegs-Blindgängern habe ich nicht gesehen. Die Wurzeln wurden einfach rausgerissen“, formuliert einer. Bekanntlich wurden am Ende der Sommerferien weitere 20 Bäume gefällt, um eine „Kampfmittelfreiheit“ fürs neue Schulareal zu erklären.

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Alles für die Bäume

Wie genau diese Detektion erfolgt ist, vermag niemand in der Stadtverwaltung zu erklären: „Wir sind alle keine Bombenexperten oder -entschärfer.“ In diesem Fall vertrauen sie auf die Fachleute, die der Generalunternehmer Hochtief sowohl mit der Bombensuche als auch mit der Baumfällung beauftragt hat. Fest steht das Ergebnis, so Anna Heep von der Bauverwaltung: Gefunden wurden zwei Stabbrandbomben „im gewachsenen Boden“, also unter Bäumen – eine am Haupteingang, eine im Innenhof. Das brachial wirkende Vorgehen der Gärtner war daher angeraten: Statt die Wurzeln aus dem Erdreich zu fräsen, zogen sie diese aus dem Untergrund.

Weg frei für die Grundschüler

So ist der Weg frei für die Grundschüler. Ab Montag folgt die Abnahme des Neubaus, angesetzt sind dafür vier Tage mit Vertretern von Hochtief und Kommunalverwaltung. Gibt es keine Beanstandungen, ist die offizielle Übergabe am Freitagmorgen. Schon am selben Nachmittag beginnt der Umzug: Raus aus den Schulcontainern, rein in die Beethovenschule. Erster Schultag im Neubau: Dienstag, 11. September.

Der Abbau der Container und die Detektion des Untergrunds, der fortan als Pausenhof dient, folgen bis Mitte Oktober, zeigt Anna Heep den Zeitkorridor auf. Auch für diesen Teil des Areals gilt Horst Schneiders Zusage: Detaillierte Untersuchung, möglichst jeder Baum soll erhalten bleiben.

Verzögerungen in Kauf genommen

Für Mathias Trümner-Friese, persönlicher Referent des Oberbürgermeisters, ein Indiz, dass der Prozess rund um den Schulneubau „sehr transparent, unter Einbindung der Bürgerinitiative“ erfolgt sei. Dazu habe die Stadt Geld in die Hand und Verzögerungen in Kauf genommen.

Eine sechsseitige Daten- und Faktensammlung dazu macht die Stadt auf ihrer Internetseite für jeden zugänglich. „Wir wollen das politische Handeln transparent machen“, so Trümner-Friese. In der Chronologie heißt es unter anderem: „Bereits in den Voruntersuchungen zum Neubau der Beethovenschule in den Jahren 2007/2008 ging die Stadt Offenbach von einem möglichen Vorhandensein von Kampfmitteln aus.“ Weitere Details: bit.ly/beethovenschule-info.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Jutta Grashof

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