Auf festem Fundament

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Bauzaun und Bauklötze? An der Beethovenschule zieht ein Zaun eine klare Linie zwischen Schulgebäude und Baufeld. Die Fundamentplatten nehmen später die Container auf, in denen die Buben und Mädchen gut eineinhalb Jahre lernen.

Offenbach ‐ Die stille Post funktioniert. Hin und wieder schleichen sich jedoch Übertragungsfehler ein. So auch in diesem Fall. „An der Beethovenschule gibt es einen Baustopp; Probleme mit dem Fundament“, heißt es aus der Elternschaft. Von Martin Kuhn

Das überrascht Stadtrat Paul-Gerhard Weiß und Baudienstleister Hochtief: „Es gibt keine Verzögerungen im Zeitplan. Alle Termine werden gehalten“, sagt Sprecher Andreas Steiner in der Essener Hochtief-Zentrale.

Ähnlich unaufgeregt reagiert Weiß,  der als Schuldezernent maßgeblich am 250-Millionen-Euro-Projekt Schulbau-Sanierung und -Erweiterung wirkt: „Da haben wir keinerlei Erkenntnisse; Hochtief ist vertraglich gebunden, zählt als zuverlässiger Partner.“ Vielleicht ein Grund für die Aufgeregtheit an der Grundschule im Offenbacher Süden: Über Sanierung, Neubau, Finanzierungsmodell, Pausenhofgröße oder Baumfällung gab’s in der Vergangenheit etliche Irritationen.

Vorbereitungen sind sichtbar

Fakt ist: Die Stadt muss das Gebäude aus den 1950er Jahren abreißen, weil die Sanierung der gravierenden Setzungsschäden wirtschaftlich nicht zu vertreten ist – und darauf wartet die Schulgemeinde seit gut 15 Jahren. Die Vorbereitungen sind sichtbar. Ein grauer Bauzaun trennt das Schulgebäude vom großen Pausenhof. Dort sind quadratische Fundamentplatten gegossen, auf denen die Container gestellt werden – Ausweichquartier für die Grundschüler während der Zeit von Abriss und Neubau. Paul-Gerhard Weiß vermutet: „Einzelne Fundamentplatten wurden noch einmal getauscht. Vielleicht erweckte das einen falschen Eindruck.“

Zum Zeitplan: Die Beethovenschule wird künftig fünfzügig mit rund 450 Schülern geführt. Laut Vertrag ist der Neubau inklusive Sporthalle bis zum Beginn des Schuljahrs 2012/2013 zu erstellen. Das mit dem Neubau beauftragte Unternehmen Hochtief PPP Solutions GmbH erwartet in den nächsten Tagen die Baugenehmigung. Das alte Schulgebäude soll voraussichtlich im Januar 2011 abgerissen werden.

Räumliche Zukunft also gesichert

Während der Bauarbeiten werden die Jungen und Mädchen in zwei dreigeschossigen Containeranlagen auf dem Gelände unterrichtet. Hochtief nutzte die Herbstferien, um die Fundamente der Aufbauten zu gießen und um die Schächte für die Versorgungsleitungen zu graben. Außerdem wurden Äste von Bäumen fachgerecht zurückgeschnitten und Büsche entfernt – in Abstimmung mit dem Umweltamt. Zur Vergrößerung des Interimsschulhofs wurde zudem der Zaun auf die Grundstücksgrenze an der Beethovenstraße versetzt.

Die räumliche Zukunft vor allem der nächsten Beethovenschüler ist also gesichert. Offen ist hingegen, was aus dem alten Baumbestand wird – der breite Unmut nach der Fällaktion am Wilhelmsplatz hat die politisch Verantwortlichen vorsichtig gemacht. Man hat sich darauf verständigt, zunächst die Axt im Geräteschuppen zu lassen. Im Rathaus heißt es: „Erst bauen wir die Container-Schule, danach die neue Grundschule. Und wenn alles fertig ist, diskutieren wir über Schulhof und Bäume.“ Und ganz zufällig sind bis zu diesem Zeitpunkt auch die nächsten Wahlen gelaufen – im Frühjahr 2011 die Kommunalwahl, im Herbst 2011 die Oberbürgermeisterwahl...

Voraussetzungen für Ganztagsbetreuung geschaffen

Es waren nicht zuletzt die Grünen,  aktuell Koalitionspartner von SPD und FDP, die öffentlich Duck im Rathausbündnis ausübten. So zeigte sich die Fraktion im Sommer verwundert, dass stets behauptet werde, der Regierungspräsident fordere den Verkauf eines Teil des Schulhofgeländes an der Beethovenstraße: „Richtig ist, dass zur Refinanzierung nicht explizit der Verkauf dieses Areals, sondern der Verkauf von Grundstücken aus dem Eigentum der Stadt vorgeschrieben ist“.

Fest steht: Einem Verkauf von Teilen des Beethovenareals – im Jahr 2012 – wollen die grünen Fraktionäre „auf keinen Fall zustimmen“; die Grünen sollen das in die Rohfassung ihres Programms für die Kommunalwahl aufgenommen haben: „Einen halbierten Schulhof für eine deutlich größere Zahl von Schülern als bisher, die auch noch zu einem großen Teil eine Ganztagsschule besuchen werden, machen wir Grüne nicht mit“, hieß es im Sommer. Zudem soll sich die Schule weiter öffnen, so Dezernent Paul-Gerhard Weiß: „Mit dem Neubau werden die baulichen Voraussetzungen für die Ganztagsbetreuung, pädagogisch gebotene Fördermaßnahmen und die Öffnung der Schule, etwa für Stadtteilarbeit, geschaffen.“

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