Spätfolgen des Krieges

Beethovenschulhof: Stadt lässt alte Bomben suchen

+
Viel Grün nahe der Innenstadt, indes durch einen Zaun streng abgetrennt und derzeit nicht zu nutzen. Jetzt soll das Areal nach Weltkriegsbomben abgesucht und der Beethovenschule als Pausenfläche zur Verfügung gestellt werden.

Offenbach - Es sind Spätfolgen des Krieges. Und deren Beseitigung kommt die Stadt noch heute teuer zu stehen. Um die sogenannte Kampfmittelfreiheit auf einem aktuell abgetrennten Areal der Beethovenschule zu gewährleisten, werden bis zu 300.000 Euro fällig. Von Martin Kuhn 

Die gut 2000 Quadratmeter werden dem Beethovenschulhof zugeschlagen. Da genügt notfalls die einfachste Form. Das heißt, mit eingesätem Rasen. Eine in der Vergangenheit dezent angedachte Wohnbebauung im Musikantenviertel ist somit passé. Horst Schneider macht keinen Hehl daraus, dass er das Areal anfangs gern nahe der RP-Richtschnur zur Minimierung der kommunalen Schulden vermarktet hätte. Der parlamentarische Beschluss ging nach anhaltenden Protesten aus der Bevölkerung (inklusive Demo im Rathaus) allerdings in eine andere Richtung. Das Areal bleibt als „lokale grüne Lunge“ und Pausenfläche für die Grundaschule erhalten. „Wer findet das nicht schön?“, fragt der Verwaltungschef, lehnt sich zurück und sagt: „Freuen wir uns mit den Kindern.“

Dass im Offenbacher Süden eine Kampfmittelsuche unumgänglich ist, zeigte sich beim Neubau der Beethovenschule ab 2008. Mehrfach wurden während der Arbeiten Sprengkörper gefunden – unter anderem mit intaktem Zünder. Und: Einzelne Stabbrandbomben, die im Krieg von den Alliierten flächendeckend abgeworfen wurden, entzündeten sich nach dem Abtransport selbst. Dass auf der zu untersuchenden Fläche noch Munition liegt. ist nicht auszuschließen. „Zumal das Gelände mit Trümmerschutt verfüllt worden ist. Bis zu einem Meter tief“, so der Verwaltungschef.

Dieser Umstand erschwert die Detektion. Bildlich: Die Suchgeräte können nicht zwischen Bombe und Matratzenfeder unterscheiden. Da wird eine (kostenintensive) Handschachtung notwendig – vor allem im Wurzelbereich. Auf dem Gelände stehen Hainbuchen, Erlen und Mammutbäume. Ziel sei, alle 16 Bäume auf der Verdachtsfläche zu erhalten, sagt Anna Heep vom Bauamt. Das ist jedoch reines Wunschdenken. Daher hat das Amt drei mögliche Szenarien für den Projektbeschluss erarbeitet.

Bundeswehr birgt Weltkriegs-Panzer aus Ostsee-Villa

Im unwahrscheinlichen Fall, dass lediglich die oberen 20 Zentimeter des Erdreichs gegen unbelasteten Oberboden ausgetauscht werden und keine Bäume gefällt werden müssen, würde die Maßnahme mit 126.000 Euro zu Buche schlagen. Wahrscheinlicher sei jedoch, so Anna Heep, dass wesentlich mehr Aushub erforderlich sein wird und man mit bis zu acht Baumfällungen und entsprechenden Neupflanzungen rechnen müsse. In diesem Szenario würden die voraussichtlichen Kosten 226.000 Euro betragen.

Die mit 300.000 Euro teuerste Variante geht davon aus, dass sämtliche Auffüllungen entfernt und fachmännisch entsorgt sowie alle Bäume gefällt werden müssen. Welches Szenario am Ende eintritt, wird sich jedoch erst baubegleitend, also während der begonnenen Sondierung, herausstellen. Eine Voruntersuchung ergab lediglich, dass auf 800 Quadratmetern mit keinerlei bösen Überraschungen zu rechnen ist. Die Maßnahme soll vorbehaltlich des Projektbeschlusses der Stadtverordneten noch vor der nächsten Vogelbrutzeit stattfinden. Die Fläche wird aber erst Ende 2016 nutzbar sein.

China feiert Kriegsende mit riesiger Militärparade

Kommentare