CDU-Arbeitskreis besucht Wiener Hof

„Befremdliche Pachterhöhung“

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Alles andere als einladend sind seit Jahren die Toiletten im Wiener Hof. Auch nebenan bei den Damen ist die Aufenthaltsqualität nicht besser. Enge Kabinen sowie Unannehmlichkeiten für Auge und Nase sollen jedoch bald der Vergangenheit angehören.

Bieber - Wiener-Hof-Chef Reinhard „Blacky“ Prekel hat seine Vermieterin jahrelang auf die unzumutbaren sanitären Einrichtungen aufmerksam gemacht. Von Thomas Kirstein 

Die Stadt, Eigentümerin der Immobilie, nahm das geduldig hin, verlieh dem Musiklokal den Kulturpreis 2014 und sieht jetzt außerdem Geld für die Klo-Renovierung vor. Zwischenzeitlich hat offenbar auch die CDU die Einrichtung entdeckt.

Als „haarsträubend für den Wirt und seine Gäste“ bezeichnet der CDU-Stadtverordnete Tobias Männche den Zustand der Toiletten im Wiener Hof. Regelmäßige Besucher der Gaststätte überrascht das nicht, sie hätten seit Langem unterschreiben können, was der christdemokratische Arbeitskreis Kultur, Schule und Sport bei seinem kürzlichen „Sommerbereisungs“-Besuch erkannte.

Männche will sich seine Empörung nicht nehmen lassen, obwohl inzwischen die Sanierung ansteht: „Dass der Magistrat der Stadt Offenbach diese Baufälligkeit über Jahre den Besuchern und dem Betreiber dieser beliebten Gaststätte mit Kulturveranstaltungen zugemutet hat, ist nicht zu begreifen.“ Der Arbeitskreis hatte den Termin im Wiener Hof ausgemacht, bevor die Entscheidung des Magistrats fiel.

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Neue Toiletten für Wiener Hof

Die CDU-Stadtverordneten mussten nach ihren Angaben aber einen neuen Wermutstropfen im Wiener-Hof-Glas von Reinhard Prekel registrieren: Die Stadt wolle künftig monatlich 400 Euro mehr Pacht für das Anwesen an der Langener Straße verlangen. „Für die Herstellung eines ordnungsgemäßen Zustands und das lange Hinhalten des Pächters durch den Magistrat ist das mehr als befremdlich“, findet Männche.

Natürlich hätten sich die Christdemokraten gefreut, als es konkret wurde, gesteht Männche ein, aber nach fünfjährigem Hinhalten habe zu einer „Jubelpressemitteilung“ kein Anlass bestanden. Immerhin war die Nachricht über die anstehende Toilettenerneuerung vom SPD-Stadtverordneten Lutz Plaueln verfasst worden. Und der hatte sich schon vorher öfter für den Wiener Hof stark gemacht.

Der CDU-Arbeitskreis hörte von Betreiber Prekel, dass die Vernachlässigung fast die Existenz des beliebten Ausflugsziels mit Musikbühne aufs Spiel gesetzt hätte. „Wegen der katastrophalen Toiletten gingen dem Wirt viele Familien- und Betriebsfeiern flöten“, übermittelt Tobias Männche.

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Vom Konzept zeigen sich die Besucher sehr angetan. „Nicht nur die urige Kneipe im Inneren und der gemütliche Garten strahlen Flair aus, sondern vor allem der Treppenaufgang und der große Saal für Musikveranstaltungen und private Feiern“, staunten Tobias Männche und seine Kolleginnen laut ihrer Pressemitteilung – als ob sie das erste Mal den Weg in den Wiener Hof gefunden hätten.

Dass Reinhard Prekel in den Herbst-, Winter- und Frühjahrsmonaten ungefähr 40 anspruchsvolle Konzerte auf eigenes Risiko organisiert und zum Teil selbst bestreitet, beeindruckte die Christdemokraten. Als „äußerst originell“ bezeichnen die Besucher den Kiosk im großen Saal, der mit seinem 60er-Jahre-Flair den Konzertbesuchern eine nostalgische Stimmung biete, manchmal passend zur Musik. Zum Ausklang des Besuchs genossen die Unionschristen den Biergarten, wobei es sich nicht vermeiden ließ, sich in der WC-Anlage von Auge und Nase die Notwendigkeit der Renovierung bestätigen zu lassen. Das habe immer wieder Befremden ausgelöst und Gesprächsstoff geliefert, berichtet Tobias Männche: „Aber damit dürfte es ja bald ein Ende haben.“

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