Begehrter Kunstrasen

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Die vier städtischen Kunstrasenplätze der Stadt sind so begehrt wie rar: Die F-2 Jugend von Germania Bieber hat sich aufgelöst, weil kein akzeptables Wintertraining möglich sei. Beim Umbau des Stadions am Bieberer Berg im nächsten Jahr könnte sich die Situation noch verschlechtern.

Offenbach ‐ Es ist ein Streit, der sich so in fast jedem Offenbacher Fußballverein abspielen könnte: Eltern sind mächtig sauer auf die Vereinsführung, weil es für ihre Kinder keine Trainingsmöglichkeiten mehr gibt, die Club-Spitze bedauert und verweist auf fehlende Platzkapazitäten sowie das städtische Sportbüro, welches über die Vergabe der Sportfelder wacht. Von Matthias Dahmer

Der konkrete Fall sorgt derzeit für ziemlichen Unmut bei Germania Bieber. Dort hat sich die F2-Jugend aufgelöst und auch der Trainer hat das Handtuch geworfen. Als Grund führen Eltern und Übungsleiter an: Ein Wintertraining sei weder in der bislang zur Verfügung stehenden Turnhalle der Geschwister-Scholl-Schule, noch auf den Freiluftplätzen der Germania möglich. Die städtische Halle wird derzeit saniert, der Kunstrasenplatz in Bieber - einer von insgesamt vier in der Stadt - sei auch bei anderen Vereinen so begehrt, dass die jüngste Germania-Jugend nur zuschauen könne. „Unsere Jungs, die sieben oder acht Jahre alt sind, hätten sich mit vier anderen Mannschaften, darunter wesentlich älteren Jugendlichen den Platz teilen müssen“, sagt Heike Papendick, deren Söhne in der F 2 gespielt haben und die sich nun wie die anderen auch nach einem neuen Club umsehen.

Vereinsboss Horst Göltner und sein Vize Ralf Müller- Weisdorf sind sich der winterlichen Engpässe durchaus bewusst. Doch das Sagen bei der Belegung der Kunstrasenplätze, betonen sie, habe nun mal die Stadt. Dort sei entschieden worden, dass etwa zwei Nachwuchsteams des OFC und eines der SG Rosenhöhe auf dem Bieberer Kunstrasen trainieren dürfen. Zusätzlich nutzt auch Espanol Offenbach das Gelände. Und irgendwie haben sie sich bisher auch alle arrangiert, heißt es bei der Germania.

„Wir als Verein bieten den Jugendmannschaften im Winter zudem über Sponsoren finanzierte Trainigseinheiten im Soccers-Point in der Sprendlinger Landstraße an“, sagt Horst Göltner. Im Falle der F2-Jugend, kontert Heike Papendick, wäre das nur einmal im Monat gewesen. Das war für die meisten Eltern ebensowenig akzeptabel, wie das Angebot, die jungen Sportler zu einer Halle in Rumpenheim zu kutschieren.

Jürgen Weil, Leiter des städtischen Sportbüros, kann den Streit nicht so recht verstehen. Dass es im Winter zu Überschneidungen im Trainingsbetrieb kommt, sich mehrere Mannschaften ein Spielfeld teilen müssen, sei gang und gäbe. Laut dem ihm vorliegenden „absolut üblichen“ Trainingsplan müssten sich in dem Streitfall F1, F2 und C1 der Germania auf dem Platz arrangieren, wobei es zu einer nur halbstündigen Überschneidung mit der älteren C-Jugend komme. „Innerhalb des Vereins hätte das Problem doch lösbar sein müssen“, meint Jürgen Weil.

Der Sportbüro-Leiter weist grundsätzlich darauf hin: „Wer vor 17 Uhr trainieren kann, hat überhaupt kein Problem“. Das sei etwa der D3-Jugend der SG Rosenhöhe gelungen, die nun am Nachmittag auf dem dann ohnehin freien Germania-Kunstrasenplatz ihre Übungseinheiten absolviere.

Vermutungen, wonach höherklassige Nachwuchsteams bei der Vergabe der Kunstrasenplätze, die alle der Stadt gehören, bevorzugt behandelt würden, tritt Weil entgegen. So trainiere etwa die U 23 der Kickers auf den verschiedensten Feldern, unter anderem auch auf dem Hartplatz an der Mühlheimer Straße.

Die Befürchtung, dass sich die Platzsituation im nächsten Jahr mit Beginn des Stadionumbaus am Bieberer Berg noch verschärfen könnte, teilt Jürgen Weil nicht. Zwar würden der ohnehin schon wenig genutzte und marode Kunstrasen sowie der Hartplatz hinterm Stadion wegfallen. Dafür sei aber mehr als ausreichender Ersatz am Wiener Ring geschaffen worden.

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