Begeistert von Bigbands

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Einen der letzten Dual-Plattenspieler hat sich der Swingfan zugelegt. Heinz Rosenberger ist vom Vinyl überzeugt: „Der Klang ist einfach viel besser als von CD“, meint er.

Offenbach ‐ Hier lebt ein Musikliebhaber, das ist unschwer zu erkennen. Jedes freie Plätzchen im Wohnzimmer ist mit Fachliteratur, Schallplatten, Kassetten und dicken CD-Boxen bestückt. Auch in kleinen Nebenräumen hat sich Heinz Günter Rosenberger mit seiner Sammlung ausgebreitet. Von Simone Weil

Den Bigbands der Swing-Ära gilt sein Hauptaugenmerk. Namen wie Glenn Miller, Benny Goodman, Gene Krupa oder Woody Herman tauchen auf den Covers immer wieder auf. Der Offenbacher weiß noch ganz genau, wann seine Leidenschaft für die amerikanischen Klänge begann: 1944 hörte er im Alter von 14 Jahren im Soldatensender Atlantik zum ersten Mal „In The Mood“ von Glenn Miller. Er war sofort infiziert.

Nach dem Krieg wurde der amerikanische Rundfunksender AFN eine riesige Bereicherung für den Jazzfan. Mit Stolz zeigt der Senior, der an diesem Samstag, 30. Januar, 80 Jahre alt wird, ein historisches Glenn-Miller-Album von 1949. Es stammt von dem eng mit Offenbach verbundenen Lederwaren-Fachmann Fritz „Itzer“ Johl, der es seinem Freund aus New York geschickt hatte. Weil die Schelllack-Platten nicht heil in Deutschland ankamen, brachte Johls Gattin persönlich Ersatz mit.

Nicht nur der Swing verband Rosenberger mit dem vor drei Jahren verstorbenen Johl. Wie dieser stammt er aus einem Offenbacher Lederwaren-Unternehmen. An der Ludwigstraße 89 wurde über drei Generationen von 1892 bis 1988 aufwändig Leder geprägt. Weil es zeitweise schwierig gewesen sei, einwandfreies Material aufzutreiben, sei es mit einer Struktur versehen worden, um von kleinen Fehlern abzulenken, erzählt der Experte. Doch auch feine Verzierungen brachte der Familienbetrieb, der in seiner Blütezeit 27 Mitarbeiter hatte, auf Lederartikel wie Schreibtischunterlagen und Damenhandtaschen auf.

„Schon vergessen“, „Tante Emma's Musikladen“

Obwohl der Jubilar beim Vater den Beruf des Kaufmanns erlernt hatte, führte ihn sein Lebensweg weg vom Leder. Als junger Mann arbeitet er zwar noch mehrere Male im Lederbetrieb des Onkels in London, 1951 aber fängt er beim amerikanischen Soldatenversorger PX an und schafft sich bis zum Personalverantwortlichen hoch. Von 1972 bis zur Pensionierung im Jahr 1990 war der waschechte Offenbacher, der seit 50 Jahren Abonnent unserer Zeitung ist, in Frankfurt bei der Zusatzversorgungskasse beschäftigt.

Zeit seines Lebens aber hat ihn die Begeisterung für die Musik nicht losgelassen: Und so war es mehr als ein glücklicher Zufall, als ein Kontakt zum Hessischen Rundfunk entstand. Aus seinem riesigen Musikfundus stellte Rosenberger zwischen 1977 und 1985 etwa 1200 Radiosendungen mit Unterhaltungsmusik zusammen. Die sehr populären Formate hatten Namen wie „Schon vergessen“, „Tante Emma's Musikladen“, „Plattenspiele, ausgewähltes für Singfreunde“ (mit Fred Metzler als Moderator) oder „Jazz für junge Leute“. Die Sendung „Musik für mich“ auf hr1 durfte er sogar einmal komplett moderieren, lediglich die Einleitung steuerte Profi Hanns Verres bei. Das Datum liefert der nebenberufliche Radiomacher wie aus der Pistole geschossen: „Am 13. 10. 1980.“

Raritäten hört der Senior heute immer noch gerne

Damit nicht genug, hat der Swing-Freund zwischen 1978 und 1998 außerdem auch das Bordprogramm für die Lufthansa gestaltet. Raritäten hört der Senior heute immer noch gerne. Aber zur stattlichen Sammlung kommt nichts mehr dazu. „Gekauft wird nichts mehr“, hat er beschlossen.

Denn mit ein wenig Wehmut spricht er über den Mangel an Freunden oder Bekannten, die sein Hobby teilen: „Mit zunehmendem Alter werden es immer weniger. Mir geht es schon gut, aber mir fehlen die Gesprächspartner.“ Auch beim Mittwochs-Stammtisch in einem seiner Sachsenhäuser Lieblingsapfelweinlokale, im „Zu den 3 Steubern", finden sich immer weniger Zecher seiner Generation ein.

Weil er gerne in dem Frankfurter Stadtteil unterwegs ist, trauert der Stöffsche-Freund der Straßenbahnlinie 16 hinterher, die für ihn mit der Haltestelle am Ledermuseum wie gemacht schien.

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