Beginn als Kolonne

Der Arbeiter-Samariter-Bund bietet ein breites, stets aktuelles Spektrum von Hilfen: Von Essen auf Rädern bis zum Hausnotruf, von der Erste-Hilfe-Ausbildung bis zum Rettungsdienst. Jetzt kommt der Blick zurück: Der ASB Offenbach wird 100 Jahre alt.

Offenbach - Eine dieser aktuellen Entwicklungen ist aus Wirtschaft und Sport bestens bekannt – die Bündelung der Kräfte. Das geht auch nicht am lokalen Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) vorbei, der 1995 seinen neuen einstöckigen Flachbau neben der Berufsfeuerwehr bezogen hat.

Im Mai 2009 folgt eine neue Strukturierung: Die drei Ortsverbände in Offenbach, Großkrotzenburg undMarburg sowie der Kreisverband Wetterau werden zum ASB-Regionalverband Mittelhessen zusammengeführt. Darüber wird oft vergessen, dass der Ortsverband bereits 1913 gegründet wurde. So ein 100-jähriges Bestehen wird naturgemäß etwas umfangreicher gefeiert – so auch beim ASB. Heute wird die Chronik Gästen offiziell vorgestellt. Alle Offenbacher sind hingegen am Sonntag, 23. Juni, willkommen, wenn die Samariter die Türen ihrer Rettungswache (Rhönstraße 12) öffnen.

Einst von Berliner Zimmerleuten im Jahr 1888 gegründet, um erste Hilfe bei Arbeitsunfällen zu leisten, ist der ASB heute als Hilfsorganisation und Wohlfahrtsverband mit 16 Landesverbänden und mehr als 200 Orts- und Kreisverbänden in ganz Deutschland tätig. Die Kolonne Offenbach war 1913 die erste ihrer Art in Mittelhessen. Bereits in den frühen 20er Jahren kamen Kolonnen in ganz Mittelhessen flächendeckend zum Einsatz. An insgesamt 59 Standorten hatten sich die ASBler niedergelassen. Die Blütezeit des ASB war in den 20er und 30er Jahren.

Dann wohl die schwärzesten Stunden in der Geschichte: 1933 wurde der ASB von den Nationalsozialisten aufgrund der engen Verbindung zur SPD verboten, viele Mitglieder wechselten zum Deutschen-Roten-Kreuz. Die Menschen, die beim ASB und in anderen Arbeiterorganisationen tätig waren und blieben, haben viel Leid erfahren. „Diese Menschen haben ihre Überzeugung für die Sache nie aufgegeben. Sie haben sich dem System mutig entgegen gestellt und verdienen unser aller Respekt“, heißt es in der Chronik.

100 Jahre ist eine lange Zeit

Um 1950 begannen die einzelnen ASB-Standorte sich wieder zu gründen. Aus den Kolonnen wurden Orts- und Kreisverbände. Heute zählt der ASB-Mittelhessen in seiner 2009 neugeschaffenen Organisationsstruktur gut 39000 Mitglieder und bildet den zweitgrößten ASB-Verband Deutschlands. 100 Jahre ist eine lange Zeit - die nicht spurlos an einem vorbei geht. Die Geschichte seit der Gründung im Jahr 1913 bis heute hat ein Historiker im Auftrag des ASB und mit Hilfe von Zeitzeugen und ASBlern zusammengefasst und eine Chronik erarbeitet.

Mittlerweile ist der ASB Mittelhessen ein moderner Sozialdienstleister und wie sein Name schon sagt, in ganz Mittelhessen vertreten. Mit der Neustrukturierung 2009 siedelte sich die Geschäftsstelle in Offenbach an. Die Standorte der damaligen Orts- und Kreisverbände Großkrotzenburg, Marburg und Wetterau existieren auch heute noch. Über die Jahre hin entwickelte sich der ASB Mittelhessen immer weiter.

Die Angebotspalette ist breit gefächert und verfügt über Leistungen für Jung und Alt. Dazu zählen die Ausbildung - Erste-Hilfe-Kurse, Kurse für Führerscheinanwärter und „Lebensrettende Sofortmaßnahmen am Unfallort“ -, der Rettungsdienst mit sechs Rettungswachen und zwei Notarzt-Standorten, der Katastrophenschutz (drei Sanitätszüge, zwei Betreuungszüge und eine Schnell-Einsatz-Gruppe), die Rettungshundestaffel mit derzeit vier flächengeprüfte Teams und acht Teams in der Ausbildung sowie fünf Helfern und dem Sanitätsdienst.

An sieben Standorten wir der Hausnotruf angeboten

Als Sozialdienstleister bietet der ASB an sieben Standorten Hausnotruf an. Weiterhin ist der Menü-Service unterwegs und beliefert die Kunden täglich mit heißen oder tiefkühlfrischen Menüs. Im Umkreis von Offenbach und Karben ist jeweils die Ambulanten Pflege für die Patienten tätig. Seit einigen Jahren gibt es ein Angebot für Demenzerkrankte und deren Angehörigen sowie den Ehrenamtlichen Besuchsdienst. Unterstützend für Senioren steht bei Fragen eine Fachberaterin Altenhilfe zur Verfügung. Im Seniorentreff Nordend können montags bis freitags vielseitige Freizeit- und Bildungsangebote für Seniorinnen und Senioren besucht und Kontakte zwischen älteren gepflegt werden.

Auch an die heranwachsenden Generationen ist gedacht. Angefangen vonzwei Kindertagesstättenund einem Hort, ist der ASB auch an 16 Schulen zur Betreuung und Hausaufgabenhilfe unterstützend tätig. Auch die Freizeit können Kinder- und Jugendliche beim ASB verbringen. Zu vereinbarten Terminen trifft sich die Arbeiter-Samariter-Jugend (ASJ).

Weiterhin ist in Marburg im Auftrag des Jugendamtes eine Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) unterwegs und hilft Familien, die ihren Erziehungsanforderungen ohne professionelle Hilfe nicht mehr nachkommen können. All diese Angebote kann der ASB nur durch die vielen haupt- und ehrenamtlichen Helfer leisten, „denen wir auch hier einen großen Dank aussprechen möchten“, heißt es. J mk

‹ www.asb-offenbach.de

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