Mit Beharrlichkeit zum Ziel

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Auf Besichtigungstour durch die frisch sanierte Bücherei (v. links): Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß, Schulleiter Ulrich Schmidt und Oberbürgermeister Horst Schneider. Von den circa 35 Millionen Euro, die den drei städtischen Offenbacher Gymnasien zufließen, erhält die Albert-Schweitzer-Schule mehr als elf Millionen Euro.

Offenbach ‐  Vor dem Eingang herrscht bereits Hektik: Die Musiker der Mittel- und Oberstufe springen mit ihren Instrumenten hastig beiseite, als die Schüler der Klasse 5b mit hoch erhobenen Tüchern zu ihrer Vorstellung in die Sporthalle rennen. Die Sportstätte ist allerdings nicht die, die es zu feiern gilt: Der erste Bauabschnitt der Albert-Schweizer-Schule (ASS) ist nach mehr als zwei Jahren fertig. 11,1 Millionen Euro bescheren dem Gymnasium moderne EDV-Arbeitsplätze, neue Möbel und vieles mehr. Zur Einweihung mit buntem Musikprogramm und Buffet überbrachten gestern an der Waldstraße zahlreiche Gäste ihre Glückwünsche. Von Sebastian Faerber

Im Zuge der G8-Reform, der Verkürzung des gymnasialen Bildungsganges von neun auf acht Jahre, hat die Stadt die drei Gymnasien zu Ganztagsschulen umgebaut. Was nach sich zieht, dass auch die Räume an die neuen Herausforderung angepasst werden sollen. An der ASS hatte hierfür das Amt für Stadtplanung und Baumanagement die Projektleitung inne, treuhänderisch durch die Gesellschaft „Entwicklung Erschließung Gebäudemanagement“ (EEG) in die Tat umgesetzt.

Dabei gingen die Arbeiter an einem durchaus historischen Gebäude zu Werke: Der Hauptbau ragte bereits 1909 gen Himmel, als „Großherzogliche Oberrealschule“. So steht das Gebäude heute auch unter Denkmalschutz. Bereits in den 70er Jahren folgten erste Anbauten, wie etwa Tiefgarage und Räume für die naturwissenschaftlichen Fächer – die Architektur ist geprägt von den Hessischen Schlossanlagen der Renaissance.

Die neuen Teilabschnitte haben die Schüler seit Ende letzten Jahres nach und nach bezogen. Das neue freistehende Fachklassengebäude brachte 1 500 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche. Darin moderne Unterrichtsmaterialien wie digitale Tafeln, sogenannte Whitboards.

„Es ist niemals fertig“, sagte Oberbürgermeister Schneider bei seiner Ansprache. Was das zu bedeuten hat, lässt sich am Anbau aus den 70er Jahren verdeutlichen, in dem nun Lehrer nicht mehr Schüler mit Knallgasexperimenten erschrecken oder Mitochondrien unters Mikroskop nehmen: Eine Cafeteria mit Küche und Kiosk stillt die hungrigen Mägen der Schüler. Und in einem Freizeitbereich können Schüler während Freistunden ihre Hausaufgaben erledigen – von der Schule „Begegnungsbereich“ genannt. Mit dem dritten Teilabschnitt kann sich die Schule nun über einen neuen Lehrerbereich, einen Musiksaal und eine Mediothek im Dachgeschoss freuen.

Neue Räume und Kosmetik an Innenausstattung und Fassaden, das ist die eine Seite. Die Energieeffizienz zu verbessern, das ist die andere: Eine Solarthermie unterstützt die Warmwasserbereitung, die Lüftungsanlage arbeitet nach dem Prinzip der Wärmerückgewinnung und ein Erdwärmekollektor geht der Lüftungsanlage zur Hand: Zwei Meter unter dem Gebäude liegt ein Leitungssystem, das die angesaugte Frischluft im Winter erwärmt und im Sommer kühlt.

Damit nicht genug: Es gibt eine optimierte Beleuchtungstechnik, bessere Nutzung des Tageslichts, effizienter isolierte Fenster und eine bessere Dämmung. 130 000 kWh an Primärenergie könne die Schule so pro Jahr einsparen: „Ein kleiner Baustein, den wir beitragen, damit die Welt nicht ins Verderben läuft“, so OB Horst Schneider über das ressourcensparende Konzept.

Zum zweiten Bauabschnitt laufen dann wieder ab 2013 die Maschinen warm. Dann wird auch das Hauptgebäude auf Energiediät gesetzt – natürlich unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Gesichtspunkte. Geplant sind ein neues Gewand für die Fassade, eine Teilerneuerung des Dachs und den Lärm durch Akustikdecken deutlich zu reduzieren. Außerdem werden die Besucher zur Einweihungsfeier in einigen Jahren ihr Schwätzchen auf neuen Fußböden halten können.

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