Ein Verfahren eingestellt

MAN Roland-Affäre: Beim Schmieren nur ein Gehilfe

Offenbach - In der gerichtlichen Aufarbeitung der Schmiergeldaffäre beim ehemaligen Druckmaschinenhersteller MAN Roland geht es langsam voran. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Der Termin für die Hauptverhandlung gegen sechs Vorstände und Abteilungsleiter, die im Mai wegen Erkrankung eines Richters ausgesetzt wurde, ist inzwischen auf den 7. März 2016 terminiert. Gestern wurde ein weiterer Nebenschauplatz abgearbeitet. Vor der 18. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt sollte die Beteiligung zwei Verantwortlicher der Schweizer Tochtergesellschaft Votra geklärt werden, Peter F. (66) und Rudi K. (70). Votra war 1995 von einem niederländischen Konzern als Vertriebstochter an MAN Roland verkauft worden und diente ab 2001 nur noch dem Zweck, Schmiergelder für Druckmaschinenkäufer freizusetzen.

Der Verteidiger von F. saß jedoch allein vor der Kammer, sein Mandant war nicht erschienen. Der Vorsitzende Richter Thomas Hanke trennte das Verfahren ab und ordnete Haftbefehl an. F. soll bei Votra einer der wichtigen Beihelfer zur Bestechung und Untreue gewesen sein.

Die Rolle des Vertriebsleiters und Prokuristen K. dagegen beschränkte sich auf das Signieren von Bankanforderungen und Quittungen. „Ich wusste nicht, dass den Berater-Rechnungen an MAN keine Leistungen zugrunde lagen. Ich habe lediglich unterschrieben“, erklärte der Pensionär mit unüberhörbarem Schweizer Akzent. Weil ihm das Gegenteil nicht zu beweisen und sein Schuldumfang eher gering war, stellte der Richter nach zweieinhalbstündiger Beweisaufnahme das Verfahren ein.

Archivbilder

Demonstration der „manroland“-Mitarbeiter

Um mehr Aufträge für den schwächelnden Druckmaschinenabsatz zu bekommen, soll MAN Roland zwischen 2001 und 2007 Abnehmer geschmiert haben. Die Geldtransaktionen liefen immer nach dem gleichen Schema ab: F. stellte Rechnungen für fiktive Beraterleistungen an die Muttergesellschaft in Offenbach. Rechnungsanforderung und jeweiliger Betrag waren vorher aus Deutschland gefaxt worden. MAN Roland zahlte die Rechnungen an die Schweizer UBS-Bank.

Der Ermittlungsführer vom Landeskriminalamt im Zeugenstand: „In Lausanne wurden die Beträge in 90 Prozent der Fälle in bar abgehoben, ein deutscher Vertriebsmitarbeiter traf sich mit einem oder zwei der Votra-Verantwortlichen zur Geldübergabe.“ Am Ende aber sei das System aus dem Ruder gelaufen, die Projektkosten seien nicht mehr aufgegangen. „Bei den Durchsuchungen wurden schließlich große Mengen Bargeld gefunden“, so der Ermittler.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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