Beispiellose Überfallserie

Offenbach (tk) - Die Tränen und die Trauer des Vaters mögen den Offenbacher Richter Manfred Beck gerührt haben, am Urteil für den Sohn änderten sie nichts: Der 20-Jährige muss für dreieinhalb Jahre ins Jugendgefängnis.

Er hat ja auch einiges auf dem Kerbholz und eine Bewährung verwirkt. Die verhängte Haft könnte eine gewisse Genugtuung für all diejenigen darstellen, denen der junge Offenbacher türkischer Herkunft vor zwei Jahren Angst und Schrecken eingejagt hat.

Im Jahr 2009 legte er eine Überfallserie hin, die nach Einschätzung von Richter Beck ihresgleichen sucht. Mit Gas- oder Pfefferpistole oder Messer bewaffnet überfiel der junge Mann sechsmal Angestellte von Einzelhandelsmärkten und erbeutete einige tausend Euro.

Er wurde gefasst, wanderte in Untersuchungshaft und bekam zwei Jahre Jugendstrafe auf Bewährung mit der Auflage, sich eine legale Arbeit zu suchen. Dem kam er auf Druck seines Bewährungshelfers zwar nach, dann legte er es aber darauf an, dass er rausgeworfen wurde.

Das brachte ihm eine elektronische Fußfessel ein, die verhindern sollte, dass er nachts unkontrolliert die Wohnung seiner Eltern verließ. Die Fessel erwies sich jedoch nicht als echter Hemmschuh. Der damals 19-Jährige entfernte sie kurzerhand mit Gewalt, damit ihn das GPS-System bei der bereits geplanten nächsten Tat nicht verraten konnte. Und so setzte er sein altes Leben fort: Am 21. Januar dieses Jahres maskierte er sein Gesicht so, dass nur noch seine Augen zu sehen waren, nahm sich ein Küchenmesser mit einer 20 Zentimeter langen Klinge und wollte in Dietzenbach den Angestellten eines Lebensmittelmarkts auflauern. Sein Pech: Der Hinterausgang wird von einer Kamera überwacht; eine Angestellte sah den Maskierten und alarmierte die Polizei.

Die Beamten schlichen sich an und forderten ihn auf, das Messer wegzuwerfen und sich zu ergeben. Der in diesem Fall verhinderte Räuber sagte zu den Polizisten, er hätte eh keine Lust mehr auf den Stress mit dem Überfall gehabt.

Als er jetzt vor dem Jugendschöffengericht stand, wollte im Richter Beck dies nicht glauben, zumal der junge Mann nicht sofort aufgab, als er die Beamten erblickte, sondern erst, als diese ihm sagten, er solle das Messer wegwerfen.

Im Offenbacher Justizzentrum kam auch zur Sprache, wie der Jugendliche schon früh in die Kriminalität abrutschte. Seine Mutter habe schon vor dem aktuellen Urteil viele Tränen über ihren Sohn vergießen müssen, formuliert Richter Manfred Beck. Der 20-Jährige ist das älteste von vier Kindern des Ehepaars. Zunächst schien er gut zu geraten, erlangte einen Hauptschulabschluss und konnte auch eine Berufsfachschule besuchen. Die Eltern wussten jedoch nach Angaben des jungen Mannes nichts davon, dass er ab dem 16. Lebensjahr Haschisch rauchte und sich in seiner Freizeit in einem Kreis dubioser Jugendlicher aufhielt.

Die Kumpane schwärmten ihm von einem Leben in Luxus ohne Arbeit vor und wedelten mit Geldscheinen – alles finanziert aus Raubüberfällen und Erpressungen. Die Kunde vom schnellen Geld fiel beim Angeklagten auf fruchtbaren Boden. Die 2009er Überfallserie begann. Ob sich das alles gelohnt hat, kann er sich jetzt ein paar Jahre lang hinter Gittern überlegen.

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