Beistand für die Hilflosen

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Will mehr Demokratie im Klassenzimmer und lernt schwedisch: Die 17-jährige Fiona Merfert ist neue Landesschulsprecherin.

Offenbach - Persönliche Glückwünsche, Anrufe, Interviews, Pressetermine: Fiona Merfert ist gefragt in diesen Tagen. Und sie bewältigt das alles mit dem Elan ihrer beneidenswerten 17 Jahre. Die Offenbacherin ist neue Landesschulsprecherin, Frontfrau in Wiesbaden sozusagen, wenn es um die Belange von Hessen Pennälern geht. Von Matthias Dahmer

Weil Schule im allgemeinen und das „spickmich- Urteil“ des Bundesgerichtshofs zur Lehrerbenotung via Internet im besonderen das Interesse der Medien wecken, kommt die Albert-Schweitzer-Schülerin nicht umhin, auch dazu ihren Standpunkt zu erläutern. Es ist ein wohltuend deutlicher: „Das Urteil ist richtig, weil es die Transparenz fördert. Aber das Internetportal ist die falsche Plattform.“ Der Dialog zwischen Schülern und Lehrern müsse direkt in der Schule geführt werden, sagt die selbstbewusste junge Frau. Letztlich, gibt sie zu bedenken, zeige „spickmich.de“ doch nur die Hilflosigkeit der Schüler.

Eines ihrer Ziele ist es, dieses Gefühl der Hilflosigkeit zu beseitigen, mehr Demokratie im Klassenzimmer zu wagen. „Die Schüler sind noch immer nicht in die wirklich wichtigen Entscheidungen der Schule eingebunden. Die meisten Beschlüsse sind doch schon gefasst, und wir als Schülervertreter müssen sie nur noch abnicken.“

Wie man dazu kommt, Landesschulsprecherin zu werden? „Ich mache das, weil ich Schule, so wie sie ist, nicht mag“, bekennt Fiona. Dabei begann ihr Engagement mit ganz viel Frust. Nämlich mit der bitteren Erkenntnis, dass selbst der heftigste Wunsch nicht immer erfüllt wird: „Ich wollte schon in der 1. Klasse Klassensprecherin werden. Bis zur 10. habe ich es jedes Jahr vergeblich versucht“, blickt sie lachend zurück.

Weil aufgeben nicht ihre Sache ist, trat sie einfach bei den Wahlen zum Stadtschülerrat an - der Grundstein für die steile Karriere war gelegt. Im November, wenn turnusgemäß Neuwahlen anstehen, wird Hessens „Erste Schülerin“, die bisher schon stellvertretende Landesschulsprecherin war, vermutlich in ihrem Amt bestätigt. Das umfasst die Organisation von Protesten wie die jüngsten Schülerstreiks ebenso wie Podiumsdiskussionen zum Thema Rechtsextremismus.

Viel Zeit für anderes lässt das alles nicht mehr. Das Lernen fällt ihr zum Glück leicht, wie sie sagt, trotz eher bescheidenen Pauk-Eifers hat sie einen Notendurchschnitt von 2,2. Doch ihre Hobbys musste Fiona nach und nach opfern. Zuerst das Volleyballspielen beim TVO, dann das Singen im Schulchor.

Ich bedaure das eigentlich immer nur dann, wenn es mir auffällt. Etwa wenn ich danach gefragt werde“, sagt sie. Der Satz steht wohl wie kein anderer des Gesprächs für die Einstellung der engagierten 17-Jährigen. Nach vorne schauen, viel vorhaben, ist ihre Devise.

Dazu gehört das Fernziel, beruflich entweder in der Politik oder in einer großen Organisation wie Greenpeace tätig zu sein. „Ich könnte mir auch vorstellen, die erste Bundeskanzlerin einer eher links gerichteten Partei zu sein“, so Fiona, die einer solchen indes nicht angehört.

Im Moment büffelt die Offenbacherin, die im nächsten Jahr Abi macht, schwedisch. In den Ferien soll es für zwei Wochen mit ihrem in Salzburg wohnenden Freund nach Stockholm gehen. Schweden ist so etwas wie das gesellschaftspolitische Land ihrer Träume. Ein Staat, in den sie durchaus auswandern würde, wie sie sagt.

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