Durchschnittliches Risiko

Keim-Bekämpfung: Sana-Klinikum im bundesweiten Mittel

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Am Sana-Klinikum wird der Bekämpfung von Keimen laut eigenen Angaben eine hohe Relevanz eingeräumt. Als Referenz nimmt das Krankenhaus den bundesweiten Durchschnitt. Ein erhöhtes Risiko gebe es nicht.

Offenbach - Sie sind mikroskopisch klein und können doch immensen Schaden anrichten: multiresistente Keime. Besonders in Krankenhäusern besteht ein erhöhtes Risiko, sich mit gesundheitsgefährdenden Erregern zu infizieren. Was tut das Sana-Klinikum, um Patienten und Besucher zu schützen? Von Steffen Müller

Wer das Sana-Klinikum betritt, kommt an Desinfektions-Angeboten nicht vorbei. Es ist beinahe unmöglich, die überall aufgestellten Spender zu übersehen. Und zur Zufriedenheit des Klinikums benutzen die meisten Besucher auch die Keime abtötende Seife. „Wir wurden sogar schon angesprochen, weil ein Mann den Spender übersehen hatte und dachte, dass wir keine haben“, erinnert sich Dr. Jörg Schulze, Chefarzt des Instituts für Krankenhaus-Hygiene und Labordiagnostik. In seiner Funktion kennt sich Schulze mit den Präventionsmaßnahmen am Klinikum gegen die Verbreitung von Keimen aus. Ein wichtiger Teil ist das regelmäßige Desinfizieren und auch Händewaschen. Das gilt sowohl für Klinikbesucher als auch für das Personal. So gilt der Verbrauch von Desinfektionsmittel als ein Indikator, wie stark in einem Krankenhaus Wert auf Hygiene gelegt wird. Da gibt es in Offenbach wohl noch Nachholbedarf: 68,3 Milliliter pro Patient und Tag liegen unter in Veröffentlichungen genannten Durchschnittswerten.

Dr. Jörg Schulze

Alleine der Verbrauch von Desinfektionsmitteln reicht allerdings nicht aus, um den Hygienezustand in einem Krankenhaus zu messen. Entscheidend ist die Gesundheit der Patienten und dass die Ausbreitung von multiresistenten Keimen verhindert wird. Und genau hier habe sich Sana strenge Kontrollen auferlegt, beteuert der Ärztlicher Direktor, Professor Norbert Rilinger: „Das Thema hat bei uns eine hohe Relevanz.“ Doch reichen die Präventionsvorgaben am Sana-Klinikum aus in einer Zeit, in der sich Nachrichten über die Ausbreitung von Keimen mehren und andere Krankenhäuser ihre Maßnahmen verstärken? In den Niederlanden wird beispielsweise jeder Patient auf den MRSA-Keim untersucht, der zu Lungenentzündungen oder Wundinfektionen führen kann. Auch das Marienkrankenhaus in Kassel hat dieses Verfahren eingeführt. Mit Erfolg: Rund zehn Prozent der MRSA-Träger wären vom Standardverfahren des Robert-Koch-Instituts, das auch das Sana-Klinikum anwendet, nicht erfasst worden.

Für Rilinger und Schulze ist es jedoch keine Alternative, alle Patienten zu überprüfen. Sie sehen Sana sehr gut aufgestellt. „Wir haben hier kein erhöhtes Risiko und orientieren uns am Bundesdurchschnitt“, sagt der Ärztliche Direktor. Im zweiten Halbjahr 2016 waren 0,65 Prozent aller Patienten am Sana-Klinikum mit dem MRSA-Keim infiziert. „Man muss auch immer aufpassen, dass man nicht überschießend reagiert“, sagt Rilinger. Deshalb gelte: „So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.“

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Maßgebend für Sana sind die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und des Gesundheitsamts. Diese sehen vor, sogenannte Risiko-Patienten sofort bei der Aufnahme auf gefährliche Keime zu untersuchen. Als riskant gelten beispielsweise Menschen aus Alten- und Pflegeheimen, sowie Patienten, die kürzlich verreist waren oder aus Ländern stammen, in denen bestimmte Keime häufiger vorkommen. Auch Frühchen auf der Neugeborenenstation werden regelmäßig gescreent.

Dazu kommen hausinterne Fortbildungen für das Personal und Krankenhaus-Hygieniker Schulze bietet regelmäßig Vorträge für Patienten und Interessierte zur richtigen Prävention an. In den Krankenhausfluren hängen Plakate, die das richtige Händewaschen erläutern, und auf jedem Zimmer gibt es Spender mit Desinfektionsmitteln. Außerdem wirbt Sana für einen gemäßigten Umgang mit Antibiotika. Denn je weniger solche stark wirkenden Medikamente verabreicht werden, umso weniger Keime werden resistent. „Man muss nicht bei jeder Angina gleich Antibiotika nehmen“, meint Schulze.

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Um zu gewährleisten, dass die von Sana auferlegten Standards auch eingehalten werden, gibt es regelmäßig Qualitätskontrollen. Gesundheitsamt und Robert-Koch-Institut schauen mehrmals im Jahr vorbei, auch Mitarbeiter aus anderen Sana-Kliniken in ganz Deutschland gucken, was die Partnerunternehmen an Hygienemaßnahmen getroffen haben. Um auf das Thema Hygiene aufmerksam zu machen und Patienten, Besucher und das Personal zu sensibilisieren, startet am morgigen Freitag in der Eingangshalle des Klinikums die Infokampagne samt Ausstellung „Keine Keime. Keine Chance für multiresistente Erreger“. Im Zentrum steht die Frage, wie das Ansteckungsrisiko mit multiresistenten Keimen minimiert werden kann. Die Aktion läuft bis 30. Mai. Dr. Jörg Schulze informiert am Dienstag, 9. Mai, 18 Uhr, über die Risiken von und den Umgang mit Keimen.

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