Bekömmliche Resteküche

Discounter-Filialen gegen Lebensmittelverschwendung

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Mittels Magnettafel geben die Landfrauen Sigrid Grotemeyer (rechts) und Christel Leo (links) Kundinnen Tipps.

Es ist Mittagszeit. Im Penny-Markt an der Kaiserstraße mischen sich Berufstätige, die schnell ein paar Besorgungen erledigen wollen, unter die Hausfrauen, Rentner und Schüler. Von Harald H. Richter

Die meisten haben es eilig, manche aber bleiben stehen und lassen sich auf ein Gespräch mit Sigrid Grotemeyer, eine ausgebildete Ernährungsfachfrau, und Christel Leo ein. Die beiden Landfrauen sind ganz im Sinne ihrer „Mission Einkaufsberatung“ nach Offenbach gekommen. Sie stellen sich die ganze Woche über in den Dienst der guten Sache, suchen gleich am Markteingang das Gespräch. „Den Käse bewahren sie am besten im oberen Fach des Kühlschranks auf, ebenso wie die Yoghurtprodukte“, klärt Sigrid Grotemeyer gerade eine Kundin auf. Die Bezirksgeschäftsführerin des Landfrauenverbandes Gelnhausen erläutert vor einer Informationstafel, wo sich Lebensmittel am geeignetsten lagern lassen, damit sie ihre Frische möglichst lange behalten und nicht so rasch verderben. Einige sollten gekühlt werden, andere werden sinnvollerweise im Küchenschrank oder im Vorratsregal aufbewahrt.

Im Zuge eines Pilotprojekts, das der Discounter zusammen mit dem Bundesernährungsministerium und dem Deutschen Landfrauenverband initiiert hat, möchten die beiden Botschafterinnen bei der Kundschaft um mehr Wertschätzung für Lebensmittel werben. Denn viel zu oft wird viel zu viel eingekauft, so dass manches davon am Ende in die Mülltonne wandert. 82 Kilogramm kommen so pro Person im Jahr zusammen, haben schlaue Köpfe errechnet. Das bedeutet, dass jeder Bundesbürger rund 235 Euro im Jahr buchstäblich wegwirft.

Vorschläge für bekömmliche Resteküche

Jeder kennt es: Der makellose Apfel wird gegessen, jener mit kleinen bräunlichen Stellen kurzerhand in die Abfalltonne entsorgt. „Das muss nicht sein“, sagt Landfrau Christel Leo. „Aus solchen Früchten lässt sich ein prima Obstsalat zaubern, aus Bananen ein leckerer Milchshake mixen.“ Sie und ihre Kollegin haben einige Vorschläge für eine bekömmliche Resteküche und verteilen zum Thema gleich ein paar Broschüren mit Tipps und Rezepten.

Und sie räumen mit mancher Unwissenheit auf. „Viele Verbraucher kennen den Unterschied nicht zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum, wie es meist auf verpackten Fleisch- und Wurstwaren angegeben ist“, sagt Sigrid Grotemeyer. Letztere sollten bis zu dem vermerkten Zeitpunkt verarbeitet werden, während Produkte mit Mindesthaltbarkeitsdatum gut und gerne auch Tage danach noch genießbar sind – vorausgesetzt, sie bleiben vorschriftsmäßig gelagert.

Zur Belohnung ein Kühlschrankmagnet

Auch eine Gruppe Vorschulkinder betrachtet die Schautafel. Die Mädchen und Jungen überlegen, welches Magnetmotiv sie wohin schieben sollen und ernten Lob über jede richtige Zuordnung. Noch größer ist ihre Freude darüber, dass zur Belohnung jeder einen Kühlschrankmagnet geschenkt bekommt.

Der Discounter selbst setzt ebenfalls Akzente. „Unsere Penny-Märkte verkaufen im Jahresdurchschnitt rund 99 Prozent ihrer Lebensmittel“, sagt Andreas Krämer, der bei der Rewe-Group zuständig für Unternehmenskommunikation ist. „Fast alles, was übrig bleibt, stellen wir kostenlos den mehr als 900 bundesweit tätigen Tafel-Initiativen zur Verfügung“, so der Pressesprecher.

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