„Bembelboot“ nun auch in Offenbach

Äppler an der Reling

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Ein Altsachsenhäuser Original schenkt jetzt in Offenbach aus: Kilt-Träger Schurig vor seinem „Bembelboot“.

Offenbach - Man fühlt sich an einen hessischen Asterix-Comic erinnert: Hibbe und Dribbe – eine Gewissensentscheidung. Von Frankfurt verschmäht, ankert ein „Bembelboot“ eben in Offenbach. Von Eva-Maria Lill 

Im Jahr’ Zwaadausendverzeh habbe die Ämter schon des ganze Frankfurt uffgemischt. . . . Des ganze Frankfurt? Naa! E klaa Bembelbootsche hört net uff, sich mit denen Babbsäck zu bummbe.

„Frankfurt ist Cäsar, ich bin das kleine gallische Dorf“, schmunzelt Käpt’n und Gastronom Jörg Schurig. Der 49-jährige ist ein Altsachsenhäuser Original mit rauem Rebellencharme. Dass er sich vom Frankfurter Grünflächenamt nicht entmutigen lässt und in bester Asterix-Manier weiter kämpft, ist eine Selbstverständlichkeit: „Wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe, dann mach ich das auch.“ Sein Zaubertrank gegen das Aufgeben: Äppler. Seine Wildschweine: Handkäs, Grie Soß und Bratworscht.

Ursprünglich sollte sein Bembelboot in der Weseler Werft in der Nähe der Europäischen Zentralbank in Frankfurt ankern. Das Grünflächenamt aber versagte Schurig das Betreiben des Gastronomie-Schiffchens. Es bestehe die Gefahr, dass Jogger mit seinen Gästen kollidierten, zudem gebe es Probleme mit der Wartung der Schiffspoller im Anlegebereich. Für Schurig ist das bloße Schikane und kein Grund, die Segel zu streichen. Der Vollblutfrankfurter hat beim Verwaltungsgericht Klage gegen die nicht erteilte Genehmigung eingelegt. Schließlich hat er zu diesem Zeitpunkt bereits eine Menge Schweiß und den nicht unerheblichen Betrag von 35.000 Euro in sein Projekt gesteckt.

Ämter waren äußerst hilfreich

Die Zeit bis zum Beschluss lässt Schurig nicht ungenutzt verstreichen: Nun ankert er am Offenbacher Mainufer in der Nähe der Doppelhelix: „Eine Toplage!“ Im Schatten einer Trauerweide stehen Liegestühle, Gäste aller Altersklassen faulenzen auf der Wiese oder genießen Stöffche auf Festgarnituren. Auch ein großzügiger Parkplatz ist nicht weit. „Noch einmal großen Dank an die Offenbacher Ämter“, schwärmt Schurig, „Sie waren äußerst hilfsbereit. Auch das Klientel ist hier sehr angenehm, man hat uns mit offenen Armen empfangen.“ Stammgäste hat er schon, auch welche, die übers Wasser kommen. Die kriegen Äppler und Cocktails von Reling zu Reling serviert.

Der richtige Bembel darf nicht fehlen: Die traditionellen Steinzeugkannen gibt es gegen Pfand und mit einer Flasche Wasser, die aufs Haus geht. Für das passende Brasilienfieber zur kommenden Fußballweltmeisterschaft sorgen Caipirinha und Mojito nach einem schmackhaften Geheimrezept. Für die Kinder gibt es „Blubberlutsch“ - Fruchtsirup mit Mineralwasser. Auch für Unterhaltung ist gesorgt: Schurig plant die Übertragung der wichtigsten WM-Spiele. Für die Zukunft schweben ihm ein Sängerwettstreit und mittelalterliche Spektakel vor.

Die Idee fürs Bembelboot entstand in bester Stammtischlaune vor mehr als drei Jahren. „In Frankfurt gibt es das Döner-Boot, wieso dann nicht ein Schiffchen mit hessischen Spezialitäten?“, berichtet Schurig. Die gastronomische Erfahrung kann der gelernte Metzger vorweisen, viele Jahre lang entführte er im Sachsenhäuser Gasthof „Zum Alde Germane“ Gäste kulinarisch ins Mittelalter. Das Boot ist für ihn ein erfüllter Traum, den er sich mit der Hilfe von vielen Freunden verwirklichen konnte. So restaurierte er auch das Schiffchen in Eigenregie – den charakteristischen Bembel-Anstrich inklusive.

Der größte Bembel der Welt

Der größte Bembel der Welt

Von Hibbe nach Dribbe – die Reise des Bembelboot von Frankfurt nach Offenbach schlägt hohe Wellen, das Interesse ist groß. Aber wehe dem, der hinter Schurigs Begeisterung für Offenbach Böses vermutet: „Ich verstehe mich auch ein Stück weit als Völkervermittler“, verrät er lachend, „Nur weil ich Frankfurter bin, muss es nicht heißen, dass ich keine Offenbacher mag.“

„Bembeln verbindet“, sagt er, und so das Offenbacher Mainufer ist um eine Attraktion reicher. Sollte Schurig mit seiner Klage Erfolg haben, wird das Bembelboot für den Rest des Sommers eben zwischen beiden Städten pendeln. Die gerippte Gemeinschaft ist eine Kuriosität – in mehr als einer Hinsicht. Das Apfelweinwasserfahrzeug liegt täglich von etwa 14 bis 22 Uhr in Höhe der Mainstraße 119 vor Anker. Bei schlechtem Wetter bleibt es jedoch im heimischen Hafen.

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