Einfluss von Computer und Internet

Technik spielerisch erfahren

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Nostalgisch: Alte Computer lockten viele Besucher zum Festival. Künftig könnte das in Offenbach öfter passieren. Zwei Vereine suchen nach Räumen für ein entsprechendes Technikmuseum.

Offenbach - Mit Entwicklungen der Computertechnik und den sozialen Folgen des Internets beschäftigte sich das dreitägige „Bended Realities Festival“. Von Claus Wolfschlag

Veranstalter waren Georg Klein und Torsten Kauke, die einst an der Hochschule für Gestaltung studierten und seit einigen Jahren den Waggon am Kulturgleis betreiben.

Klein zeigte sich zufrieden mit dem Publikumszuspruch und dem größeren Rahmen der Veranstaltung. Erstmals fand sie nicht nur im kleinen Waggon, sondern zusätzlich in der Kapelle des Isenburger Schlosses statt. „Wir sind erst vor sieben Jahren intensiver in das Thema eingestiegen, aber kluge Leute dachten schon in den 80ern über die gesellschaftlichen Veränderungen durch Computer und Internet nach“, erklärte er zur Absicht des Festivals.

Diese Gedanken sollten in mehreren Vorträgen vertieft werden. Der Künstler Wolfie Christl war erstmals aus Wien ins Rhein-Main-Gebiet gekommen, um auf spielerische Weise für die Gefahren des Internets zu sensibilisieren. Hinter Facebook, Smartphone-Nutzung und Payback-Karten lauern nämlich oft Unternehmen, die Daten sammeln, um genaue Personenprofile zu erstellen. Die von Christl mitentwickelte Internetseite www.datadealer.com nimmt diese Durchlöcherung des Datenschutzes ironisch auf die Schippe, um das Lachen zugleich im Halse stecken zu lassen. Darin wird ermöglicht, nun selbst private Daten von Freunden und Nachbarn zu sammeln. Man kann darauf basierend Firmen gründen, Gewinnspiele, Partnerbörsen und Online-Psychotests entwickeln. Natürlich handelt es sich nur um ein Spiel ohne echte Daten. „Wir wollen auf diese Weise aufklären, das genaue Wissen über das Datensammeln ist in der Öffentlichkeit sehr gering“, so Christl.

Funktionen des PCs aus Pappe

In der Kapelle waren Kunstwerke und technische Geräte aufgebaut. So konnte man Ergebnisse eines HfG-Workshops von Niklas Roy sehen. Zahlreiche Einzelfunktionen eines Computers wurden dabei aus Pappe und Wäscheklammern nachgebaut, vom Schaltkreis bis zum Ordner für Fotos, durch den man blättern konnte. Die Grundprinzipien eines Computers sollten so sinnlich erfahrbar gemacht werden.

Alwin Weber aus Dresden alias „Störenfried“ hatte hingegen Anleitungen und Material zum Basteln kleiner technischer Tonanlagen ausgelegt. „Ich mache auch Workshops mit Sechsjährigen. Es geht darum, den Menschen die Angst vor der Technik zu nehmen, in dem man mit wenigen Mitteln viel selbst macht“, sagte er und präsentierte ein von ihm umgebautes, zwei Euro kostendes, altes Kinder-Keyboard. Die jungen Wiesbadener Kommunikationsdesigner Yuliyan und Melissa zeigten sich begeistert von diesem „Circuit Bending Workshop“ (www.circuitcircle.de): „Wir haben das erste Mal gelötet und gleich einfach einen Synthesizer gebaut.“ Schon seit längerem bewegte beide der Wunsch, auf kreative Weise Schaltkreise zu manipulieren.

Nicht nur Lötkolben, auch alte Computerspiele belebten den Raum der Schlosskapelle. Falk Heinzelmann und Michael Heßburg vom seit 2001 bestehenden „Ersten Hanauer Netzwerkclub“ (HNC) hatten alte, teils umgebaute Geräte aus ihrer Sammlung aufgestellt. Der Verein ist aus einer Lan-Party-Gemeinschaft hervorgegangen. Gemeinsam mit dem Flipper-Verein „For Amusement Only“ möchte der HNC ein Technikmuseum aufbauen. Beide Vereine umfassen je etwa 60 Mitglieder mit ausgedehnten Privatsammlungen. Ein HNC-Sammler besitzt derzeit rund 700 alte Computermodelle. Und die Flipperfreunde sind gerade dabei, von Hanau nach Seligenstadt in ein größeres Domizil umzuziehen, in dem dann zahlreiche Spielgeräte aufgebaut werden.

Ziel ist Aufbau eines Technikmuseums

Das eigentliche Ziel der beiden Vereine ist es aber, ein großes Technikmuseum, den „Digital Retro Park“, aufzubauen. Es soll ein didaktisches Museum werden, in dem die alten Rechner und Spielgeräte von den Besuchern praktisch ausprobiert werden können. Hierfür wird derzeit auch intensiv nach Räumlichkeiten in Offenbach gesucht, am liebsten bis 2000 Quadratmeter Größe. „Gespräche mit dem Hessischen Museumsverband haben wir schon geführt. Ausstattungszuschüsse sind möglich, aber die laufenden Betriebskosten sind bislang das Problem, da alle berufstätig sind“, erläutert der Kommunikationsdesigner Heinzelmann.

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