Attraktion der Regionalparkroute

Bequem begehbare Landmarke

Offenbach - Er ist stahlblau, 26 Meter hoch und im Hafen eins der raren Relikte aus der industriellen Vergangenheit. Früher schaufelte er Kies von Schiffen in einen Behälter. Von Markus Terharn

Der „Kran der Künste“ von Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt

Künftig können Passanten und Bewohner des Hafenviertels den Kran besteigen und die Fernsicht über Offenbach und Frankfurt bis hinein in den Taunus genießen. „Wir sind froh, mal etwas im Rhein-Main-Gebiet realisieren zu dürfen“, sagt Wolfgang Winter, „noch dazu in Offenbach!“ Hier hat der in Dietesheim aufgewachsene Bildhauer, der mit seinem Partner Berthold Hörbelt in Frankfurt arbeitet, aber international erfolgreich ist, das Leibnizgymnasium besucht. Die skulpturale Anmutung des Krans wollen die Künstler nicht verändern, sondern für ihre Idee nutzbar machen. Die besteht darin, den Sockel in zwei Richtungen zu verbreitern, so dass eine Fläche von neun mal neun Metern entsteht. In einer Höhe von neun Metern soll eine gleich große Plattform entstehen, die über eine Treppe zu erreichen ist. Höher hinaus sollen die Besucher nicht gelangen: „Die obere Konstruktion ist wie bisher den Vögeln vorbehalten“, erklärt Winter. Der Auflieger, an dem noch die Baggerschaufel befestigt ist, soll allerdings steiler in den Himmel ragen als bisher.

Mit diesem Konzept überzeugten Winter und Hörbelt die aus sechs Experten für Kunst, Architektur und Stadtplanung bestehende Jury des Wettbewerbs, den die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft im Frühjahr ausgelobt hatte. OPG-Bereichsleiterin Bozica Niermann: „Mit der Umgestaltung des Krans zu einer öffentlich begehbaren Landmarke wollen wir einen neuen Identifikationspunkt nicht nur für das Viertel, sondern für die ganze Stadt schaffen.“ Dazu wird der Radweg entlang des Hafenbeckens um ihn herum statt unter ihm hindurch geführt. Und der Weg, der vom Nordend her durch den geplanten Gutschepark dorthin führt, soll Kranweg heißen.

Vier Künstlergruppen hatten am beschränkten Wettbewerb teilgenommen, den die Frankfurter Galeristin Heike Strelow kuratierte. 50.000 Euro standen dafür bereit. Den ersten Preis vergaben die Juroren einstimmig an Winter/Hörbelt, die 30.000 Euro einstreichen. Ihre unterlegenen Mitbewerber – Tamara Grcic aus Frankfurt, Observatorium aus Rotterdam sowie Ooze Architects aus Rotterdam mit Marjetica Potrc aus Ljubljana – erhalten Aufwandsentschädigungen. Gebaut wird im Lauf des nächsten Jahres. Die Kosten von maximal 250.000 Euro teilt sich die OPG mit der Regionalpark Ballungsraum Rhein-Main GmbH und dem Land Hessen: Soll der Kran doch Teil der Regionalparkroute werden, die dort am Main entlang verläuft. Gering sollen die Wartungs- sowie Pflegekosten sein – das war Bedingung.

Nach den Vorstellungen von Winter und Hörbelt sollen die Menschen den Kran nicht nur als Aussichtsplattform nutzen. Sie ließen sich von den in Offenbach recht zahlreichen Lusttempeln und Lesepavillons inspirieren. Vor ihrem geistigen Auge sehen die Künstler bereits Leute, die auf der stillgelegten Maschine der Lektüre von Zeitungen und Büchern frönen. Oder sich einfach nur ausruhen. Und ganz entspannt in die Gegend schauen.

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