Offenbacher schuld am Flughafen-Desaster?

„Alle haben mich für einen Ingenieur gehalten“

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Der Flughafen Berlin: Immer noch eine große Baustelle.

Berlin/Offenbach - Um den neuen Hauptstadtflughafen BER ranken sich zwei weitere Affären - in einer geht es um den gebürtigen Offenbacher Alfredo di Mauro.

Der Mitplaner für die fehlerhafte Brandschutzanlage, wegen der die Eröffnung des Flughafens 2012 geplatzt war, gab sich nach eigenen Angaben zeitweise zu Unrecht als Ingenieur aus. Zudem lagen möglicherweise sensible Bauunterlagen frei zugänglich auf Abfallcontainern herum.

Di Mauro gab gestern zu, keinen Universitätsabschluss als Ingenieur zu haben. „Ich hatte Visitenkarten, wo das drauf stand. Das war ein Fehler“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Er sei eigentlich technischer Zeichner. Di Mauro, der mehrere Jahre als freier Mitarbeiter eines Planungsunternehmens am Flughafen arbeitete, bestätigte damit einen Bericht des „Stern“. „Die haben mich alle für einen Ingenieur gehalten. Ich habe da nicht widersprochen.“ Auch ein Sprecher des Flughafen-Architekten Meinhard von Gerkan sagte: „Er wurde uns damals als Ingenieur vorgestellt.“

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Di Mauro hob hervor, dass er faktisch Ingenieurleistungen erbracht, die Brandschutzanlage aber nicht allein geplant habe. Daran seien 40 bis 50 Fachleute beteiligt gewesen. Di Mauro und der Flughafen streiten seit Wochen über die Anlage. Der Betreiber spricht von Planungsfehlern und bezeichnet sie als nicht funktionsfähig. Di Mauro widerspricht dem. Der 52-Jährige wurde im Frühjahr von BER-Chef Hartmut Mehdorn gefeuert. Vor kurzem waren auch in Offenbach Vorwürfe gegen di Mauro laut geworden. Beim Bau eines Ärztezentrums soll sich wegen seiner Fehlplanung in der Tiefgarage ein See gebildet haben. Darüber hinaus soll er Aufzüge zu klein und Elektroinstallationen unzureichend geplant haben. Er bestritt die Vorwürfe. Vor Gericht gab es einen Vergleich.

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Der Betreiber des BER erstattete nach dem Fund zahlreicher Ordner Anzeige gegen Unbekannt. „Offensichtlich stammen die Akten aus einem Planungsbüro, das früher für die Flughafengesellschaft arbeitete“, sagte ein Flughafensprecher. Der Fundort liegt in der Nähe des früheren Standorts der JSK Architekten. Das Büro hatte in der Planungsgemeinschaft PG BBI gemeinsam mit dem Hamburger Büro des Architekten von Gerkan auf der Baustelle gearbeitet. Nach der geplatzten Eröffnung wurde die PG BBI entlassen, JSK meldete 2013 Insolvenz an. Nach Medieninformationen handelt es sich bei den Unterlagen um Planungs- und Kontrollberichte der Architektengemeinschaft. Sie enthielten demnach detaillierte Angaben etwa zu Fahrstühlen und Starkstromanlagen sowie Grundrisse des Fluggastterminals.

dpa/ad

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