Berjeler Frauenfastnacht

Glitter, Glanz und Gloria

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Ohne ein Wort kommt der Sketch aus, für den es sich Silvia Habermann und Silvia Geupel beim klassenlosen Reisen im Zugabteil bequem machen.

Offenbach - Wenn Bürgels Frauen Fastnacht feiern, bleibt den Männern eigentlich nur die Zuschauerrolle, denn zu melden haben sie nichts. Es sei denn, sie betätigen sich zupackend als Kulissenschieber oder sorgen sich um die musikalische Begleitung. Von Harald H. Richter 

Eine Ausnahme gestatten die Frauen von St. Pankratius allerdings doch: Ihr Pfarrer Andreas Puckel darf nicht nur in die Bütt, um – wie diesmal der Fall – als nach Berjel umgesiedelter Punk übers Stadtgeschehen herzuziehen und das Gemeindeleben bei „Sankt Pank“ aufzumischen. Dem katholischen Geistlichen wird obendrein die Gunst gewährt, im Verlauf des Abends inmitten tanzender, schunkelnder und Frohsinn verströmender Fraulichkeit häufiger Hahn im Korb zu sein.

Gleich fünf Mal präsentieren die Weibsleute in dieser Kampagne vor jeweils ausverkauften Reihen ihr Programm. Und das hat es in sich, denn Spaß und Ausgelassenheit werden in Bürgel schließlich seit Generationen gelebt. Schon seit 60 Jahren engagieren sich fastnachtsvernarrte Berjeler Frauenriegen im Sinne des frech-frivolen Spiels der verkehrten Welt und stellen die normalen Verhältnisse auf den Kopf. So sorgen sie dafür, dass mit Billigung der katholischen Kirche ein jeder Mann und vor allem jede Frau sich noch einmal so richtig austoben kann vor dem nach christlichem Verständnis Ernst der heiligen Fastenzeit.

Mit Herzblut und Humor

Das ist doch... Richtig! Pfarrer Andreas Puckel mischt als Punk mal richtig „Sankt Pank“ auf.

„Glitter, Glanz und Gloria“ lautet diesmal das Motto. Entsprechend bunt, schillernd und schrill kommen die 18 Protagonistinnen daher und glänzen mit Charme und Wortwitz in einem über fünfstündigen Programm. So feiern die jodelnden Urgesteine Maria und Margot Hellwig (Sandra Fuchs und Carmen Jöst) fröhliche Urständ, während das Samba tanzende Sardellen-Ballett das Publikum musikalisch zum Zuckerhut nach Rio entführt. Ohne ein einziges Wort kommt der Sketch aus, für den Silvia Habermann und Silvia Geupel es sich beim klassenlosen Reisen im Zugabteil bequem machen. Mimik und Gestik genügen um aufzuzeigen, was geschieht, wenn feine Dame auf Dorftrampel trifft. Als kecke Bad Girls entpuppen sich später die keineswegs an Langeweile verzweifelnden Hausfrauen Christiane Schwab und Sandra Fuchs und wirbeln in ihren mit Pailletten bestickten Kleidchen tanzend und groovend über die Bühne.

Noch vor der Pause schlägt die umtriebige Cheforganisatorin Gisela Wiegand-Best in ihrer Eigenschaft als Burgilla II. Hans-Peter Kloppenburg zum Ritter der Finanzen und würdigt damit dessen fördernde Begleitung der Berjeler Frauenfastnacht. Sie selbst ist mittlerweile seit einem halben Jahrhundert Aktivistin im besten Sinne und sorgt mit Herzblut und Humor dafür, dass die närrischen Gebräuche an nachfolgende Generationen weitergereicht werden. Bei einer Gesangsnummer mit Tochter Christiane Schwab auf der Bühne gibt sie dafür das beste Beispiel ab.

Alles ist hausgemacht bei den kreativen Fastnachtsfrauen und das ist wohl das Geheimnis ihres Erfolgs. Immer wieder schlüpfen die Miminnen in neue Rollen, Mechthild Kretschmer als Masseurin etwa oder Gisela Weigand-Best und Sandra Fuchs als frotzelnde Waschweiber, die auf den Bus warten. Buchstäblich erfrischend der Auftritt des Wasserballetts, bestehend aus fünf grazilen Nixen, denen der Herrgott zehn Extrabeine geschenkt hat, mit denen sie aus den Fluten auftauchen. Erstmals dabei ist ein närrisches Dreigestirn, bestehend aus Bauer (Petra Kohlhepp), Prinz (Petra Frey) und Jungfrau (Petra Bohne), zu dem sich noch das Berjeler Moorchen (Mechthild Kretzschmar) gesellt. Der derzeit schillerndste Paradiesvogel unter den Modezaren macht um Mitternacht seine Aufwartung im Gemeindesaal. Und so rauscht denn auch ein im Spotlight funkelnder Harald Glööckler (Petra Frey) im selbst kreierten Glitzeranzug herein.

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Doch damit nicht genug. Zum furiosen Finale sorgen ein paar mutige Männer der Fastnachtsfrauen als Pompon schwingende Go-Go-Tänzer für eine Überraschung und begleiten den Schlussauftritt ihrer ausgelassenen Gattinnen. Die scharen sich noch einmal um ihren vom Saturday Night Fever gepackten Pfarrer Andreas Puckel, der als Discokönig John Travolta glänzt, und lassen sich vom Publikum für ihre mitreißende Mitternachtsshow feiern – Elvis lebt und Baccara tanzen Boogie. Da möchte man so schnell noch nicht von Bord, und darum macht das Partyboot auch erst gegen ein Uhr nachts am Berjeler Schiffsanleger fest. Aber nicht für lange, denn schon am Freitag (21. Februar) steht die nächste Kreuzfahrt an.

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