Ganz nah bei Branchenstars

Offenbach - Wenn sich die Berühmtheiten der Filmbranche bis Sonntag bei der 62. Berlinale in der Bundeshauptstadt treffen, sind auch junge Offenbacher Filmemacher dabei. Von Benedikt Müller

Drei Absolventen und ein Student der Hochschule für Gestaltung (HfG) haben sich gemeinsam mit Medienstudenten aus Darmstadt, Kassel und Wiesbaden auf den Weg nach Berlin gemacht. Dort stellt Hessens Filmnachwuchs heute Nachmittag einem Fachpublikum eigene Werke vor.

„Ich hoffe, dass sich daraus neue Kontakte und Möglichkeiten ergeben, die mich professionell weiterbringen“, sagt Eva Münnich. Produzenten, Verleiher und Festivalorganisatoren aus ganz Deutschland schauen sich heute einen Ausschnitt des Kurzfilms der 29-Jährigen an. Münnich studierte visuelle Kommunikation an der HfG. Ihr Science-Fiction-Film „Cats Lost in Space“ erzählt die Geschichte dreier Katzen, die seit 48 Jahren im Weltall unterwegs sind.

Katja Baumann, 27: „Am Filmemachen begeistert mich, dass viele Einzelbilder zu einem Ganzen verschmelzen. Andere Medien ermöglichen immer nur ein einziges, feststehendes Bild.“

„Die Offenbacher gehen in ihren Filmen immer an Grenzen und darüber hinaus“, erläutert Anja Henningsmeyer, Geschäftsführerin der hessischen Film- und Medienakademie (hFMA). Dieses Netzwerk haben hessische Hochschulen 2007 gegründet, um höhere Semester beim mitunter schwierigen Einstieg in die Medienbranche zu fördern. „Die hessische Filmausbildung ist nicht so zielgerichtet auf den Markt“, erklärt Henningsmeyer. Da Filmemacher in Hessen an Hochschulen ausgebildet werden, hätten ihre Werke einen experimentellen und freien Charakter.

Jos Diegel, 29:„Gute Kunst zeigt, wie sie hierher kam und warum sie nicht bleiben kann. Vielleicht sagt das etwas darüber, was mich als Künstler und Filmemacher beschäftigt.“

Umso mehr hatte sich die hFMA-Chefin auf den gestrigen Abend gefreut: Zum ersten Mal durfte sich Hessens Filmnachwuchs beim Empfang der Filmhochschulen in Berlin präsentieren. Inmitten namhafter Kaderschmieden wie Babelsberg und Ludwigsburg betreuten hessische Filmstudenten einen gemeinsamen Stand auf der Berlinale-Veranstaltung. „Wir wollen unter dem Label hFMA auf Bundesebene zeigen, wie leistungsfähig die hessische Film- und Medienausbildung ist“, erläutert Professor Bernd Kracke, Präsident der HfG.

Eva Münnich, 29:„Am Filmemachen begeistern mich die unendlichen Möglichkeiten. Ich mag es, neue Welten zu erschaffen, Figuren und Charaktere zu erfinden, die es in der Realität nicht gibt.“

Dass sich die Präsentation in der Bundeshauptstadt lohnen kann, weiß Jos Diegel aus eigener Erfahrung. Vor drei Jahren fuhr er als HfG-Student schon einmal zur Berlinale und lernte dort eine Produzentin kennen. Jetzt kommt der 29-Jährige als Alumni wieder. Im Gepäck hat er einen Trailer zu seinem einstündigen Film „Kein Heldentum und keine Experimente“, den er heute einem Fachpublikum vorführt. „Das ist natürlich spektakulär“, freut sich Diegel. In ganzer Länge geht sein Film demnächst auf Festivals.

Jonatan Schwenk, 24:„Früher habe ich vor allem gezeichnet und gemalt. Auch jetzt arbeite ich am liebsten so nah wie möglich am Bild selbst - nur dass es sich jetzt bewegt.“

„Ich freue mich sehr, dass mein Film auf einem so wichtigen Festival wie der Berlinale für ein Fachpublikum zu sehen sein wird“, sagt Jonatan Schwenk, „das motiviert für folgende Projekte.“ Der 24-Jährige ist der einzige noch Studierende, der von Offenbach nach Berlin mitgekommen ist. Dort wird heute sein vierminütiger Animationsfilm „Maison Sonore“ gezeigt. Dieses Genre gefällt ihm besonders gut. „Beim Spielfilm kann man vieles nicht beeinflussen“, sagt Schwenk, „wenn am Drehtag das Wetter nicht mitmacht, hat man oft einfach Pech. Beim Animationsfilm kann ich das Wetter selbst bestimmen, das macht Spaß.“

Interviews mit den Filmemachern:

Jos Diegel

Eva Münnich

Jonatan Schwenk

Katja Baumann hat in ihrem Kurzfilm „Taxis“ zunächst einen ganz realen Spaziergang gefilmt. Doch in der Postproduktion nutzte die 27-jährige HfG-Absolventin ebenfalls Animationstechniken. Plötzlich kann die Spaziergängerin Bäume umdrehen, Autos anhalten und wieder losfahren lassen. Aussage der witzigen Komposition: Die Realität lässt sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Baumann freut sich, dass ihr Film heute bei der Berlinale gezeigt wird. Sie hofft auf neue Kontakte: „Es ist eine tolle Chance, andere Filmemacher und Leute aus der Industrie zu treffen.“

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Reinhard Grimm

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