„Hessen Talents“ bei Berlinale

Sechs junge Absolventen vor großem Publikum

In „Pieces of Venus“ erzählt Daniel Frerix in beeindruckenden Bildern die Geschichte von jungen Fabrikarbeitern in den Bergen.

Offenbach - Heute ist ihr großer Tag in Berlin: Sechs junge Absolventen der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) stellen einem Fachpublikum während der Filmfestspiele ihre Kurzfilme zur Bewertung vor. Von Bianca Beher

Die Beiträge sind Abschlussarbeiten und sollen den jungen Talenten als Sprungbrett in die Film- und Medienwelt dienen. Gefördert wurden die Arbeiten von der hessischen Film- und Medienakademie (hFMA), die sich zum Ziel gesetzt hat, den Filmstandort Hessen zu stärken. Junge Talente werden durch den Wettbewerb „Hessen Talents“ gezielt an die Branche herangeführt.

Daniel Frerix: Pieces of Venus  J Fotos: hFMA

Mit dabei ist Daniel Frerix. Er zeigt einen Trailer zu seinem nonverbalen Film „Pieces of Venus“. Der eigentliche Film ist 27 Minuten lang. Bei der Berlinale wird jedoch nur der Trailer gezeigt, da jede Hochschule insgesamt nur 30 Minuten Zeit zur Präsentation hat. „Ich versuche, alle Absolventen mit ihren Diplomfilmen vorzustellen, daher haben wir in diesem Jahr so viele Trailer dabei“, berichtet Professor Rotraut Pape, die an der HfG die Projekte der Absolventen betreut hat.

Sabrina Winter: Altes Haus friss mich auf

Nur zwei der Filme aus Offenbach werden vollständig gezeigt: Sabrina Winters Film „Altes Haus friss mich auf“, der von der kleinen Sarah handelt, die sich nachts in ihrem Elternhaus furchtbar gruselt, und Matthias Winckelmanns Werk „Am Ende vor dem Anfang“. Der Film des 29-Jährigen soll alles sein, nur nicht vorhersehbar: „Gesellschaftliche und physische Regeln kreieren in unserem Kopf einen Ablauf des Filmes, schon bevor dieser die Leinwand erreicht hat“, kommentiert er den Anspruch. In Winckelmanns Film soll der Zuschauer überrascht werden. So wie ein Kind die Welt sieht, soll der Zuschauer Winckelmanns Film sehen.

Matthias Winckelmann: Am Ende vor dem Anfang

An Kurzfilmen schätzen die Absolventen die Chance experimentieren zu können. Die Herausforderung liege darin, trotz der Kürze eine Geschichte glaubhaft zu erzählen. „Das Wichtigste an der Regie-Arbeit ist es, nie das Ganze zu vergessen“, sagt Daniel Frerix. In „Pieces of Venus“ erzählt er die Geschichte von jungen Fabrikarbeitern, die in den Bergen leben. Der Film lebt von beeindruckenden Landschaftsbildern, Nebel sorgt für düstere Stimmung. Inspiriert haben den gebürtigen Düsseldorfer die Bilder des Malers Caspar David Friedrich. Die Hauptfigur der Geschichte ist Moritz, der ein leidenschaftlicher Sammler roter Venussteinchen ist.

Daniel Jude: Wächter

So viel zum Ergebnis. Und wie entsteht ein Film? Wie Frerix berichtet, durchläuft die Produktion vier Phasen. „Zu Beginn schreiben wir ein Drehbuch, welches mit einer Kostenkalkulation an die Hessische Filmförderung geschickt wird.“ Danach folgt die Phase der Pre-Produktion. „Kostüme werden genäht, Kulissen gebaut, Hotels gebucht.“ Erst danach beginnt die eigentliche Produktionsphase. Für „Pieces of Venus“ drehte ein Team bestehend aus drei Hauptdarstellern, Kameramann, Tonmann sowie Daniel Frerix selbst zwei Wochen lang in Österreich. Außerdem wurde in Holland und im Neanderthal gefilmt.

Auf die Dreharbeiten folgt die Post-Produktion. „Hierbei muss der Filmmacher ein Gefühl für die Szenen entwickeln. Dazu hole ich mir verschiedene Meinungen ein: Eindrücke von Freunden, die keine Filmfreaks sind, sind mir die wichtigsten: Finden sie den Film gut, ist er das auch!“

André Kirchner: Mutter Natur

Für ihre Diplomfilme nutzten die Absolventen unterschiedliche Inspirationsquellen. So kam Frerix nach der Lektüre des Buchs „Wie haben sie das gemacht, Mr. Hitchcock“ auf die Idee, einen nonverbalen Film zu machen. „Hitchcock selbst war ja auch der Meinung, ein Film komme ohne Worte aus.“ Von diesem Konzept ist auch Frerix überzeugt: „Man kann auch ohne Sprache alles ausdrücken, was man will. Das hat mich gereizt.“ Sein Werk ist aber kein Stummfilm. Der Zuschauer sieht die Darsteller reden, Kamera und Ton sind aber so weit weg, dass man nicht hört, was sie sagen. Daniel Jude wiederum ließ sich von einer Szene aus Superman zu seinem Film „Wächter“ inspirieren. Darin schwebt Superman durchs All und kann dank seinem Supergehör Telefongesprächen auf der Erde lauschen. Jude wollte einen Film drehen, indem jemand von oben alles abhören kann. In „Wächter“ wird die Welt von Überwachungsstationen im All aus überwacht. Als der Kontakt zur Erde plötzlich abbricht, muss der Wächter sich entscheiden, ob er einsam, aber in Sicherheit auf der Weltraumstation leben möchte oder ob er den Weg zur Erde riskiert.

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André Kirchner drehte die schwarze Komödie „Mutter Natur“, in der mit einem übertriebenen Natur-Verständnis gebrochen werden soll. Hanna Bork entwickelte die Idee zum Dokumentarfilm „Fräulein Bork denkt über’s Sterben nach“, nachdem sie sich selbst auf der Intensivstation wiederfand.

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