„Vorbereitung ist das A und O“

Offenbach - In diesem Jahr werden die besten Existenzgründer des Landes in Fulda ausgezeichnet. Aus Offenbach sind bei den Gründertagen Hessen Bernd Curtius, Geschäftsführer der Gründungsberatung KIZ GmbH, und Elisabeth Neumann vom Projektbüro Gründertage Hessen dabei. Von Achim Lederle

Unser Redakteur Achim Lederle sprach mit ihnen über neue Firmen und Gründerförderung.

Am 30. September endete die Bewerbungsfrist für den Hessischen Gründerpreis. Wie viele Firmen haben sich beworben?

Neumann: Wir haben in diesem Jahr 97 Bewerbungen vorliegen. Aus Stadt und Kreis Offenbach sind elf Bewerber dabei. Das Spektrum ist breit gefächert und reicht von einem Strandkorbunternehmen über eine Film- und Medienproduktion bis hin zu einer Firma, die außergewöhnliche Wände und Fassaden herstellt. Wir freuen uns über die Super-Resonanz.

Auf welche Art und Weise ist Offenbach in diesem Jahr bei der Gründerpreisvergabe involviert?

Curtius: Im vergangenen Jahr hatten wir ja ein „Heimspiel“, an dem praktisch alle Offenbacher Institutionen dabei waren, die mit Arbeit und Gründern zu tun haben. In diesem Jahr sind wir beide als Vertreter der Gründerstadt Offenbach dabei. Da der Gründerpreis diesmal in Fulda verliehen wird, sind natürlich vor allem die dortigen Kammern, Verbände und Gründereinrichtungen involviert.

Der Gründerpreis wird ja jedes Jahr in einer anderen hessischen Stadt verliehen, die dann für die Organisation zuständig ist. Halbfinale und Finale finden am 31. Oktober und am 19. November statt. Verliehen wird der Preis am Finalabend bei einer Festveranstaltung unter anderem vom Hessischen Wirtschaftsminister Florian Rentsch.

Bundesweit gehen die Zahlen der Existenzgründungen seit einiger Zeit zurück. Wie ist die Situation in Offenbach?

Neumann: Wir haben Zahlen vom Gewerbeamt zu den An- und Abmeldungen. Hier sind allerdings die Freiberufler nicht dabei. 2609 Gewerbeanmeldungen und 1523 Abmeldungen waren zum 31. August registriert, 2012 waren es im gleichen Zeitraum 2602 Anmeldungen und 1815 Abmeldungen. Aktiv sind derzeit in der Stadt Offenbach 15.250 angemeldete Gewerbe, davon 13.690 im Haupterwerb. Ende 2012 waren 14.145 Gewerbe angemeldet; wir haben also derzeit über 1000 Gewerbeanzeigen mehr.

Hat auch die IHK Offenbach Zuwächse bei Existenzgründungen registriert?

Neumann: 2012 ging die Zahl der Unternehmensneugründungen gegenüber dem Vorjahr im IHK-Bezirk zwar von 9034 auf 8673 zurück. Insgesamt wird jedoch ein positiver Saldo aus Gewerbean- und -abmeldungen für den IHK-Bezirk vermeldet: Den 8673 Anmeldungen stehen laut Statistischem Landesamt 7848 Abmeldungen gegenüber.

Also ist die Situation für Gründer in Offenbach gut?

Neumann: Nach unseren Zahlen wagen weiterhin in Offenbach viele den Sprung in die Selbstständigkeit. Wir unterstützen sie dabei mit unserem Netzwerk.

Curtius: Wir haben in Offenbach eine stärkere Gründungskultur als anderswo. Hier sind hervorragende Bedingungen für Gründer. Daher gehen bei uns die Gründungszahlen entgegen dem Bundestrend nicht zurück.

Dies überrascht, da ja einige Zuschüsse wegfielen oder gekürzt worden sind.

Neumann: Die Gründungsförderung für Arbeitslose wurde zurückgefahren. Bis Ende August wurden von der Agentur für Arbeit 105 Anträge auf Gründungszuschuss bewilligt. Dies ist deutlich weniger als in den Vorjahren, weil die Kriterien strenger sind. Der Gründungszuschuss ist heute eine Ermessensleistung der Arbeitsagentur, früher war es eine Pflichtleistung.

Den Zuschuss erhalten Bezieher von Arbeitslosengeld I, wenn sie durch Gründung ihre Arbeitslosigkeit beenden. Er läuft sechs Monate in Höhe des zuletzt bezogenen Erwerbslosengeldes, zusätzlich gibt es monatlich 300 Euro für die Sozialversicherung. Für weitere neun Monate kann zudem ein Zuschuss von monatlich 300 Euro gewährt werden. Den Gründungszuschuss gibt es weiterhin, aber eben nur für vergleichsweise weniger Gründer.

Curtius: Neustarter erhalten zudem über das KfW-Programm „Gründercoaching Deutschland“ einen Beratungskostenzuschuss. Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet, erhält 90 Prozent Zuschuss, alle anderen 50 Prozent. Ab dem nächsten Jahr soll, nach aktuellem Stand, nur noch die 50-Prozent-Förderung möglich sein. Das ist natürlich eine große Hürde für Gründer, die gerade am Anfang ihrer Geschäftstätigkeit jeden Cent umdrehen müssen.

Warum sind die Kriterien für Gründer jetzt strenger?

Curtius: Bei Politik und Interessenverbänden steht zur Zeit vor allem der Fachkräftemangel im Mittelpunkt der Diskussion. Aus diesem Grund ist die Gründerförderung bundesweit etwas in den Hintergrund geraten. Die Hürden in der Existenzgründungsförderung wurden auch aufgestellt, um Missbrauch der Förderung zu vermeiden. Allerdings gibt es empirisch keinen Nachweis, dass Fördergelder für andere Zwecke verwendet worden sind. In Offenbach werden Gründungen nach wie vor bestmöglich gefördert, wobei wir natürlich auch den bundesweiten Restriktionen unterliegen. Wichtig ist für uns Qualität: Das heißt, wir raten auch von Gründungen ab, wenn wir denken, das jemand nicht als Unternehmer geeignet ist oder das Konzept nicht funktioniert.

Welche Charaktereigenschaften und Attribute sind wichtig für erfolgreiche Gründungen?

Curtius: Die Motivation ist wichtig, auch Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit sind essentiell. Fehler können gemacht werden, man muss aber erkennen, was man nicht weiß und dafür Lösungen schaffen. Als sehr wichtig empfinden wir deshalb den Businessplan, den jeder potenzielle Gründer erstellen muss, der zu uns kommt. Die Vorbereitung ist das A und O für eine erfolgreiche Gründung.

Was bieten Sie Gründungs-Einsteigern an?

Neumann: Einmal die Woche findet am Donnerstag um 18 Uhr im Ostpol in der Hermann-Steinhäuser-Straße 43 ein kostenloser Infoabend statt, bei dem wir Gründungsinteressierte beraten. Dafür genügt eine kurze Anmeldung. Die Beratung kann der erste Schritt in die Selbstständigkeit sein.

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