„Bersch“ ein Bauwerk der Zeitgeschichte ?

Offenbach - Thomas Kalt hält daran fest: „Ich lese seit Jahren keine Internet-Foren“. Folglich hat der Vizepräsident des Fußball-Drittligisten auch nicht den Beitrag in der OFC-Community registriert. Von Martin Kuhn

Dem Landesamt für Denkmalpflege liegt der Antrag eines Offenbacher Bürgers vor, den Bieberer Berg unter Denkmalschutz zu stellen“, heißt’s da. Versucht da etwa einer dem ehrgeizigen Stadion-Neubau am Bieberer Berg historische Steine in den Weg zu legen? „Da ist nichts dran; die übliche Gerüchteküche“, heißt es im Rathaus.

Obwohl... So weit hergeholt scheint das nicht. Seitdem die Stadt öffentlich gemacht hat, für etwa 25 Millionen Euro den Kickers eine neue Spielstätte zu bauen, mehren sich Stimmen, die ihre Kultstätte Bieberer Berg erhalten wollen. Ein Argument: „Schließlich ist der Bersch ein Bauwerk von echter Offenbacher Zeitgeschichte. Und das über mehrere Jahrzehnte.“

In dem genannten Internet-Forum wird das ausgeführt: „Wenn man weiß, dass selbst das zum „Niederknien schöne“ *hüstel* Offenbacher Rathaus unter Denkmalschutz steht, wäre eine Unterschutzstellung des Bieberer Bergs im Bereich des Möglichen (...) Ich bin sehr gespannt, wie die Denkmalbehörden abwägen werden.“

Jeder kann einen Antrag beim Landesamt für Denkmalpflege stellen

Fakt ist, dass jeder beim Landesamt für Denkmalpflege einen Antrag stellen kann. „Es liegt kein Antrag vor; und die Stadt als Untere Denkmalbehörde wird gegebenenfalls immer informiert“, sagt Gordon Hadler, persönlicher Referent von Oberbürgermeister Horst Schneider. Generell ist die Stadt verwundert über ein solches Ansinnen: „Bislang rief niemand nach dem Denkmalschutz, wenn am Stadion etwas gemacht wurde...“ Das Resumee der lokalen Behörde: „Da gibt es nichts, was im entferntesten unter Schutz gestellt werden könnte oder stilbildend für seine Zeit ist.“ Falls doch, wurde das durch unzählige Umbauten bis zur Unkenntlichkeit verändert.

Das ist nicht zu widerlegen. Bei der Eröffnung (da gibt es unterschiedliche Daten: 21. oder 29. Mai 1921) fasste eine Haupttribüne aus Holz die Fans, zogen sich Zuschauerterrassen ums Spielfeld. 1952 entstand gegenüber der Haupttribüne die erste überdachte Stehtribüne Deutschlands („Block 2“). Eine Flutlichtanlage mit vier Masten wurde 1956 eingeweiht und bereits 1959 wieder demontiert. Die Haupttribüne entstand 1960 neu, die Südost-Tribüne wurde 1973 gebaut.

Und nun folgt die Komplett-Lösung, die die Kickers als unabdingbar für die weitere Zukunft des Profifußballs in Offenbach erachten. In der Saison 2011/2012 soll der OFC in der neuen Arena auflaufen. Mit dem Neubau könnte bereits im Sommer 2010 begonnen werden.

Das neue Stadion soll von einer Stadionbetreibergesellschaft errichtet werden, Tochter der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH). Das so genannte Ein-Rang-Stadion soll 18 000 Plätze haben, darunter etwa 8 000 Stehplätze. Zudem kann das Stadion um 3 000 Plätze erweitert werden.

Das ehrgeizige Projekt hat also offenbar den Segen des Denkmalschutzes. Der besagte Antrag ist offenbar doch nicht mehr als Gerücht. Immerhin gibt der Autor nach vielen Zeilen zu: „Von dem Antrag hab’ ich an der Kasse im Penny-Markt in Wiesbaden-Biebrich erfahren. Meine sicherste Quelle!“

Rubriklistenbild: © op-online

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