Berufsfeuerwehr Offenbach

Fehlalarm in Kauf nehmen

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Bei diesem Feuer an der Austraße im Januar 2014 war der Notruf gerechtfertigt. Bei einigen anderen Einsätzen handelt es sich um Fehlalarme.

Offenbach - Zu den typischen Geräuschen in Offenbach gehört nicht nur der Fluglärm, sondern auch das Martinshorn. Immer wieder sind Sirenen in Kombination mit Blaulicht auf den Straßen zu vernehmen. Von Steffen Müller 

Allein die Berufsfeuerwehr Offenbach wurde 2014 zu 314 Brandbekämpfungen gerufen, bei denen 45 Menschenleben gerettet wurden. Wird die Feuerwehr über einen Brand informiert, setzt sich ein großer Löschzug in Bewegung. Die Ausrückordnung schreibt vor, dass bei einem Feuer in einer Wohnung mindestens eine Grundeinheit bestehend aus 16 Mann und fünf Fahrzeugen erforderlich ist. Sobald das Signal für einen Einsatz gegeben wird, ist die Feuerwehr in Alarmbereitschaft. Egal, ob es in einem Mehrfamilienhaus brennt oder eine Scheune in Flammen steht, bei einem Notruf wird keine Zeit verschwendet. Jede Sekunde zählt. Der Gedanke an einen möglichen Fehlalarm wird zurecht nicht in Betracht gezogen. So kann es vorkommen, dass die Feuerwehr zu einem Einsatz gerufen wird und kein Feuer (mehr) findet.

Von den 314 Ausrückungen im vergangenen Jahr waren 94 falscher Alarm. „Das kann zum Beispiel ein Kerzenflackern sein, das irrtümlich für ein Feuer gehalten wurde. Oder ein brennender Mülleimer, bei dem die Flammen von selbst ausgegangen sind oder bereits gelöscht wurden“, erklärt Offenbachs leitender Branddirektor Uwe Sauer. Die Kosten für den Einsatz bei solch sogenannten „blinden Alarmen“ muss zwar der Offenbacher Steuerzahler begleichen. Dennoch betont Amtsleiter Sauer, dass es wichtig sei, bei einem Verdacht auf einen Brand umgehend die Feuerwehr zu alarmieren. „Dafür soll niemand zur Verantwortung gezogen werden. Wir wollen aufmerksame Bürger.“

Ganz anders verhält es sich freilich bei böswilligen Fehlalarmen, wie etwa bei mit Absicht eingeschlagenen Brandmeldeanlagen. 19 dieser Meldungen gingen 2014 bei der Feuerwehr ein. In solchen Fällen wird nach dem Verursacher gefahndet – mit mäßigem Erfolg. „Ich bin seit 21 Jahren bei der Feuerwehr und habe noch nicht erlebt, dass ein Auslöser ausfindig gemacht werden konnte“, seufzt Sauer. Ein etwas komplizierterer Sachverhalt liegt bei Fehlnotrufen vor, die auf Rauchmelder in einer Wohnung zurückzuführen sind. „Es kann vorkommen, dass das Piepsen einer leeren Batterie als Alarm gewertet wird“, nennt Sauer einen möglichen Einsatzgrund.

Feuerwehr löscht zwei Brände

Feuerwehr löscht zwei Brände

In diesem Fall handelt es sich um einen blinden Alarm basierend auf einer Fehleinschätzung, bei dem keinerlei Konsequenzen für den Bürger zu befürchten sind. Sollten die Feuerwarnungen jedoch durch defekte Rauchmelder ausgelöst werden, kann der Betreiber zur Haftung gezogen werden. Da Rauchmelder für Mieter und Vermieter außer der Anschaffungsgebühren keinerlei Nachteile haben, empfiehlt Feuerwehrchef Sauer dringend, der Verpflichtung zur Montage dieser Geräte in Wohnungen nachzukommen. „Die Kosten sind sehr überschaubar, und im Ergebnis kann es das eigene und/oder das Leben von Angehörigen retten.“

Seit Beginn des Jahres schreibt die hessische Gesetzgebung den Einbau von Rauchmeldern in vermieteten Immobilien vor. Kommt ein Vermieter dieser Aufforderung nicht nach, drohen ihm – wie berichtet – allerdings keine rechtlichen Konsequenzen, solange kein Feuer ausbricht. Ein Fall aus Kassel könnte sture Vermieter jedoch zum Umdenken bewegen. Bei einem Wohnungsbrand Mitte Februar kam ein Kleinkind ums Leben. Der Vermieter hatte keine Rauchmelder installiert. Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob der Wohnungsbesitzer zur Rechenschaft gezogen werden kann. Ob durch die Rauchmelderpflicht mehr Menschenleben gerettet werden und die Zahl von Notrufen und Fehlalarmen, die bei der Feuerwehr eingehen, steigt, lässt sich bisher nicht sagen. „Dafür ist es zu noch zu früh“, meint Uwe Sauer. Dass sie aber ganz im Sinne der Brandbekämpfer ist, zeigt das Beispiel aus Kassel.

Katastrophenschutzübung in Offenbach

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