Frauen bei der Berufsfeuerwehr

Fingernägel sind Nebensache

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Bei der Offenbacher Berufsfeuerwehr sind Frauen noch die Ausnahme. Das soll sich ändern. Birte Hess ist seit zwei Jahren dabei. Birte Hess ist seit zwei Jahren bei der Berufsfeuerwehr. Als Wachgruppenleiterin koordiniert sie Einsätze.

Offenbach - Marlene ist in der Jugendfeuerwehr und begeistert. Am liebsten möchte sie Feuerwehrfrau werden. „Mädel, schlag dir das aus dem Kopf“, bekommt sie zu hören. Von Peter Klein 

„Da musst du einen Aufnahmetest machen und 80 Kilogramm tragen, da hast du als Frau gar keine Chance“, wird ihr bei der Freiwilligen Feuerwehr gesagt. Michael Eiblmaier, verantwortlich fürs Personal bei der Berufsfeuerwehr, ist entsetzt, als er das hört. Ist doch gerade die Berufsfeuerwehr Offenbach bemüht, ihren Frauenanteil zu erhöhen, und arbeitet deshalb zusammen mit dem städtischen Projekt „Frauen stärken Offenbach“. Mit der betrieblichen Frauenbeauftragten der Stadt Ingrid Reichbauer und der Sporthochschule Köln wurde der sportliche Teil des Eignungstests überarbeitet.

Derzeit ist der Frauenanteil bei den Brandschützern verschwindend gering: Unter den 134 Feuerwehrleuten in Offenbach finden sich gerade einmal zwei Frauen. Zum 1. Februar kommt eine dritte hinzu. Eiblmaier wünscht sich mehr Bewerberinnen. Von 100 Bewerbungen kämen höchstens zehn bis 15 von Frauen, sagt er. Die Anforderungen sind hoch. Alle Bewerber müssen eine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringen und einen vierstufigen Test durchlaufen. Neben dem Sporttest gibt es einen schriftlichen Test zur Allgemeinbildung, vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern, einen handwerklichen und einen mit Feuerwehrübungen.

Birte Hess ist seit zwei Jahren bei der Berufsfeuerwehr Offenbach. Die 28-Jährige ist eher zierlich. Sie sei schon immer handwerklich begabt und sportbegeistert gewesen, erzählt sie. Für den Sporttest müsse man fit sein. Unter anderem stehen ein 3000-Meter-Lauf in 15 Minuten sowie 200 Meter Schwimmen unter sechs Minuten auf dem Programm. „Das schaffst du nicht, wenn du unsportlich bist und vor dem Test mal kurz joggen gehst“, so Birte Hess. Im sogenannten Berufstest muss eine 60 Kilogramm schwere Puppe über 66 Meter geschleift werden, und mit Atemschutzausrüstung ist ein Parcours zu bewältigen. Diesen Test müssen die Feuerwehrleute alle zwei Jahre wiederholen. Wer ihn nicht schafft, darf nicht mehr im Wachdienst eingesetzt werden. In der einsatzfreien Zeit halten sich die Feuerwehrleute in einem eigenen Fitnessraum bei Kondition.

Feuerwehr löscht zwei Brände

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Nähere Informationen für Frauen, die sich für den Beruf der Brandmeisterin interessieren, finden sich im Internet.

Das Bild vom rumsitzenden Feuerwehrmann, der mit dem Kaffee in der Hand auf den Einsatz wartet, führt Birte Hess bei einem Rundgang ad absurdum. Sämtliche Reparaturarbeiten an den Autos werden von den Feuerwehrleuten selbst ausgeführt. Theoretische Schulungen und Übungen prägen den Tagesablauf. „Ständig kommen Neuerungen und neue Gefahrenstoffe hinzu, über die du Bescheid wissen musst. Manche Gefahrenlagen entstehen vielleicht nur einmal im Jahr, aber dann muss jeder Handgriff sitzen, das geht nicht ohne ständige Übung“, sagt die Feuerwehrfrau. Dass sie in einer Männerdomäne arbeitet, ist der 28-Jährigen klar. Aber: „Es geht in erster Linie um Teamarbeit. Dass da auch mal Sprüche gemacht werden, ist klar. Da muss man einstecken, aber auch austeilen können. Wenn ich alles persönlich nehmen würde, wäre ich hier falsch. Es ist eine Typsache. Frauen, die weinen, weil ihnen der Fingernagel abgebrochen ist, sollten vielleicht besser in die Modebranche gehen.“

Übung der Feuerwehrfrauen

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