Kapitale Welse müssen raus

Berufsfischer dokumentieren Bestand im Offenbacher Schultheisweiher

Im Boot bei der Arbeit: Berufsfischer dokumentieren den Bestand im Schultheisweiher.
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Im Boot bei der Arbeit: Berufsfischer dokumentieren den Bestand im Schultheisweiher.

Einige Fischarten sind gut für das fragile Ökosystem des Schultheisweihers, andere nicht. Um das Gleichgewicht zu bewahren, müssen Profis ran: „Hegebefischung“ heißt, was sie mit Netzen, Reusen und Strom erledigen. Bei der jüngsten Aktion musste auch ein kapitaler Wels das Gewässer verlassen.

Offenbach – Den Fischbestand im Schultheisweiher gezielt zu regulieren, ist Sache für einen Karlsruher Fachbetrieb. Das Offenbacher Umweltamt beauftragt die Fischereimeister Dr. Götz, Lars und Hannes Kuhn mit der sogenannten Hegebefischung. In diesem Mai waren die Badener wieder zur Bestandsaufnahme in Hessen. Solche Aktionen sind Teil der Restaurierung des Schultheisweihers im Naturschutzgebiet Rumpenheimer und Bürgeler Kiesgruben.

Bereits die Hegebefischung im vergangenen Jahr zeigte, dass sich vor allem Karpfen, Welse und Schleien erfolgreich im Schultheisweiher fortpflanzen. Die beiden Erstgenannten sind nun gar nicht willkommen, wie Umweltamtschefin Heike Hollerbach erläutert: „Alles, was am Schlamm lebt, muss eigentlich raus.“

Ziel ist ein Gewässer, in dem vornehmlich Schleien und Hechte leben. Und Aale: Die wurden eingesetzt, um einer anderen Plage zu begegnen. Erfolgreich, wie sich jetzt zeigt, denn der invasive Rote Amerikanische Flusskrebs, der für Schlagzeilen sorgte, scheint weitgehend verschwunden.

Ein kapitaler Kerl: Hannes Kuhn mit einem 1,80-Meter-Wels.

Ziel der diesjährigen Befischung war die Bestandsaufnahme sowie die Entnahme von Karpfen, Graskarpfen, einzelnen großen Welsen und – falls sie noch vorhanden gewesen wären – sich ausbreitenden Krebsarten. Für die Hegebefischung benutzt der Fischereibetrieb Kuhn Stellnetze, Krebsreusen und ein Elektrofanggerät. Die aktuellen Ergebnisse:

Es gibt einen starken Schleienbestand (etwa 110 Tiere von fünf bis 30 Zentimetern Größe, ein Tier mit acht Kilogramm ist dokumentiert). Die Wels-Population ist ziemlich groß. Deswegen wurden elf der schlammigen Grund bevorzugenden Räuber „entnommen“, wie es im Fachjargon heißt. Sie sind zwischen fünf und 38 Kilo schwer. Der kapitalste Fang hatte eine Länge von ungefähr 1,80 Meter.

Weitgehend dezimiert wurde der 2020 beobachtete starke Bestand junger heimischer Karpfen; nur ein Zwei-Kilo-Tier musste den Schultheis verlassen. Ein Schicksal, das ein Graskarpfen (18 Kilo) und ein Silberkarpfen (20 Kilo) teilen. Der Graskarpfen stammt ursprünglich aus Asien und ist nicht mit heimischen Arten verwandt. Für stehende Gewässer ist er problematisch, weil er Wasserpflanzen förmlich abgrast.

Eingewanderte Krebsarten konnten diesmal nicht nachgewiesen werden. Weitere dokumentierte Fischarten sind zwei 70 Zentimeter lange Aale und ein Hecht, der es auf 80 Zentimer bringt.

Das Umweltamt schätzt den ermittelten Fischbestand für das Gewässer als weitgehend unproblematisch ein. Langfristig sollen aber auch die verbliebenen Graskarpfen verbannt sein. (Von Thomas Kirstein)

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