Rotarische Berufsinformation in der IHK

Mut zu Umweg bei der Karriere

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Groß war der Andrang, trotz guter Organisation bildeten sich manche Warteschlangen.

Offenbach - Laura Neumann und Niklas Berger, beide 16, wollen Journalisten werden. „Der Beruf bietet viele Möglichkeiten, alle seine Facetten auszuleben“, glauben sie. Von Markus Terharn

Die Langener Gymnasiasten zählen zu den mehr als 500 Schülern der Oberstufe, die eine alljährlich wiederkehrende Chance nutzen: In der Industrie- und Handelskammer geben 103 Fachleute Auskunft in Sachen Karriere. Organisiert haben’s die Rotary-Clubs Dreieich-Neu-Isenburg, Offenbach-Stadt, Offenbach-Dreieich, Offenbach-Einhard und Rodgau sowie Rotaract Offenbach. Federführend: Dr. Volker Dorsch, der selbst aus seinem früheren Dasein als Lehrer und Schulleiter plaudert.

Unseren Redakteur Jochen Koch fragen Laura und Niklas auch nach dem Privatleben. Sein Hinweis auf Abendtermine und Wochenenddienste in der Tageszeitungsbranche kann sie nicht abschrecken. „Ich bin bereit, viel zu tun“, beteuert er, während sie betont: „Mir macht es Spaß, Geschichten zu schreiben.“ Was die beiden Dreieichschüler indes nicht daran hindert, sich anderweitig umzuhören, sie bei der Flugbegleiterin, er beim Psychologen.

Psychologie gefragt

Psychologie ist auch in der Kranken- und Kinderkrankenpflege gefragt, weiß Jörg Noll. Er leitet die Akademie am Sana-Klinikum, die auch OP-technische und Medizinisch-technische Assistenten ausbildet, als größter Anbieter in Stadt und Kreis. Oder vielmehr Assistentinnen; nur zehn bis 15 Prozent der Bewerber sind Männer.

„Die meisten kommen gezielt, haben sich vorbereitet und wollen wissen, was sie in der Praxis erwartet“, erzählt Noll. Er macht ihnen klar, dass sie sich Zeit nehmen müssen für die Probleme der Patienten. „Es ist ein kommunikativer Beruf.“ Der in fast allen Ländern ein Hochschulstudium voraussetzt. „Hier sind die Anforderungen aber auf ähnlichem Niveau.“ Abitur oder sehr guter Realschulabschluss seien vonnöten.

Ohne Studium lässt sich keine IHK führen

Ohne Studium lässt sich keine IHK führen. Deren Chef Markus Weinbrenner, Volkswirt, erklärt Neugierigen den Unterschied zwischen Volks- und Betriebswirtschaftslehre. Und verweist auf die Wichtigkeit von Praktika oder Auslandsaufenthalten in den Semesterferien: „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal!“

Die Binsenweisheit, dass Handwerk goldenen Boden habe, findet sich ebenfalls bestätigt. Coiffeur Peter Caligari berichtet von Kollegen im Rhein-Main-Gebiet, die 5000 bis 8000 Euro im Monat verdienen. „Leidenschaft und Freude“ nennt er als Voraussetzungen zum Erfolg. Der Flut von Billiganbietern zum Trotz sagt Caligari Probleme voraus: „Gute Friseure sind selten.“ Seine eigene Tochter besucht neben der Lehre eine private Schule, muss daher zur Prüfung nach Österreich, kann mit dem Gesellenbrief aber in Deutschland ihren Meister machen.

Top Ten der unbeliebten Berufe

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„Fast jede Karriere weist heute Brüche, Neuorientierungen und Weggabelungen auf“, so Koordinator Dorsch. „Die Gradlinigkeit einer Laufbahn ist eher die Ausnahme.“ Daher bestärken die Rotarier Schüler im Bemühen, Selbstvertrauen aufzubauen. Das größte Interesse ist übrigens an Medizin, Psychologie, Sprachen, Naturwissenschaft, Marketing sowie Luftfahrt zu verzeichnen.

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