Berufsschulische Begehrlichkeiten

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Glasbausteine weg, zukunftsfähige Ausstattung rein: Der Kreis lässt seine August-Bebel-Berufsschule in Offenbach, hier mit Verwaltungstrakt, für 8,4 Millionen Euro sanieren.

Offenbach ‐ Die Berufsschulen der Stadt warten seit Jahren auf ihre dringend notwendige Erweiterung und Sanierung; vergangene Woche erst klagten die Lehrer der Käthe-Kollwitz-Schule wieder einmal über drastische Raumnot. Von Stefan Mangold

Geduld ist weiter aufzubringen. Wenn die Stadt demnächst eine Entscheidung in Sachen Öffentlich-privater Partnerschaft trifft, kann es aber nach Einschätzung von Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß im Sommer 2010 losgehen. Der Kreis ist da weiter, und so werden die Stadt-Offenbacher Berufsschulgemeinden etwas neidisch in die Richard-Wagner-Straße blicken, wo der Kreis die August-Bebel-Berufsschule unterhält und derzeit sanieren und erweitern lässt.

Schon aus ästhetischen Gründen ist das eine Wohltat. Beispiel Glasbausteine. Die sind architektonisches Sinnbild der sechziger und siebziger Jahre; sowohl in privaten als auch in öffentlichen Gebäuden unterwarf sich ein Großteil der Bauherrn dieser Mode. Auch in der August-Bebel-Schule, Mitte der 60er erbaut, verdeckten vielfach Glasbausteine den Blick nach draußen. Bei der jetzigen Sanierung verschwinden sie. Niemand bedauert das. Auch energetisch „sind Glasbausteine ein Problem,“ benannte Lutz Bohne vom Baukonzern Hochtief einen weiteren Nachteil des Materials neben dem ästhetischen Aspekt. Bohne ist Oberbauleiter der 50 Baustellen an den Schulen, die Hochtief im Moment in der Region federführend saniert.

Strom-, Gas- und Internetleitungen von der Decke

Seit Juli befinden sich auf dem Gelände der Bebel-Schule Vertreter diverser Handwerksdisziplinen: Elektriker, Schreiner, Maler und andere arbeiten dort. „Es ist wichtig, die Bedürfnisse der Schule so weit es nur geht zu berücksichtigen,“ betonte Claudia Jäger, die Erste Kreisbeigeordnete. So „richten wir nach dem Hohenloher-System ein.“ Was bedeutet, dass in den Unterrichtsräumen für naturwissenschaftliche Fächer Strom-, Gas- und Internetleitungen nicht mehr aus dem Boden kommen, sondern von der Decke hängen. Dem System gibt eine auf Schulmobiliar spezialisierte Firma aus dem Hohenloher Land seinen Namen.

Ansonsten sei Hochtief „darum bemüht, möglichst an Unternehmen aus der Region Aufträge zu geben.“ Es käme es vor, „dass Berufsschüler der Bebel-Schule in der schulfreien Zeit“ als Lehrlinge dieser Firmen auf dem Gelände anzutreffen seien, erläuterte Raimund Kirschner, der kommissarische Schulleiter.

Insgesamt sind es 1850 Schüler, die hier zum Unterricht gehen. Von denen besuchen 265 eine spezielle Oberstufe mit dem Schwerpunkt Mediengestaltung. An deren Ende steht das Abitur. Die technische Ausstattung ist aufwändiger als an anderen Schulen. In der schon fertigen Sporthalle bedarf es zum Beispiel einiger Vorrichtungen, um Scheinwerfer nach professionellem Standard steuern zu können.

Verbrauchsdrosselung um etwa 30 Prozent

Ein wichtiges Anliegen sei es, „die Effizienz im Energieverbrauch zu erhöhen,“ betonte Claudia Jäger. Neue Fenster und wirkungsvolles Dämmmaterial „ermöglichen es, den Verbrauch um etwa dreißig Prozent zu drosseln.“ Für warme Klassenzimmer brennt weiterhin Gas. Eine Anlage mit regenerativen Energien „wäre finanziell nicht darstellbar.“

Nach Zeitplan soll die Schule Ende nächsten Jahres komplett saniert sein. Bauleiter Lutz Bohne zeigte sich zuversichtlich, dass das klappt. Im Moment sitzen die Schüler teilweise in den noch nicht renovierten Gebäuden, teilweise in Containern auf dem Schulhof. Ein logistischer Drahtseilakt, viel Platz gibt es dort nicht. Die Kosten belaufen sich auf 8,4 Millionen Euro, im gesamten Kreis sind es fast eine dreiviertel Milliarde.

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