Beschämende Besser-Lebende

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Schirm, Schaufel, Müllgreifer, Gießkanne - ganz uneigennützig sind die Geschenke, die Stadtrat Paul-Gerhard Weiß, Koordinatorin Sabine Süßmann und Ehrenamts-Beauftragter Reinhard Knecht den Besser-leben-Paten machten, nicht.

Offenbach - (mcr) Offenbachs Ordnungsdezernent Paul-Gerhard Weiß gilt als eher ausgewogener Typ, als einer, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Wenn allerdings passende Worte für die Taten jener Zeitgenossen gefragt sind, die mit Ordnung so gar nichts am Hut haben, springt der Stadtrat auch mal über seinen Schatten und regt sich demonstrativ auf.

Bei der Verleihung von Anerkennungsurkunden an Ehrenamtliche, die die stadtkonzernweite Verschönerungsaktion „Besser leben in Offenbach“ als Paten beseelen, hatte Weiß beispielsweise alle im Visier, „die meinen, sie könnten hier öffentlichen Raum beschmutzen, besudeln, beschmieren“. Und weil die das das natürlich nicht nur können, sondern tagtäglich meist ungestraft tun, will Weiß sie wenigstens „beschämt“ wissen. Das klappt gut zwei Jahre nach dem Besser-leben-Startschuss ganz gut - dank der Paten, die die Verantwortung für kleine öffentliche Bereiche übernommen haben und anderen vormachen, wie das funktioniert mit dem bürgerschaftlichen Engagement.

Da sind Stefanie Cossalter, Werner Kraus, Matthias Schmidt und Ute Fritzel, die ein Auge auf verschönerte Grünstreifen in der Ludwigstraße haben, die wässern, zupfen und sich einfach darum kümmern, dass diese Fleckchen Nordend-Natur nicht wieder, wie Weiß sagt, „zum Hundeklo verkommen“. Da sind Michael und Claudia Bald, die nicht nur im Bereich Marienstraße/ Hohe Straße nach dem Rechten sehen, sondern auch mehrmals in der Woche den Parkplatz am Waldeck von den Hinterlassenschaften der Ausflügler befreien.

Da ist der Ruheständler Peter Hensel, der seinen Beruf als GOAB-Abteilungsleiter für Garten- und Landschaftsbau gegen die Berufung als Pate des neu gestalteten Spielplatzes am Hessenring getauscht hat. Da ist Stefan Gerhold, der den Schließdienst am Neuen Friedhof übernommen hat. Und da ist Gertrud Marx, die auf dem Alten Friedhof die „Kindergrabstätte Gertrude“ pflegt, weil sich sonst niemand für diese Ruhestätte mit dem einmalig schönen Jugendstil-Grabstein verantwortlich gefühlt hatte.

Und da könnten, sagen der Stadtrat Weiß, die Besser-leben-Koordinatorin Sabine Süßmann und der städtische Ehrenamtsbeauftragte Reinhard Knecht, problemlos noch viele weitere Paten mit ehrenvollen Aufgaben versorgt werden. Aber auch so seien durchaus Erfolge zu vermelden. In der östlichen Innenstadt - wo der Stadtkonzern seinen ersten Aktionsschwerpunkt gesetzt hatte, bevor die Verschönerungstrupps ins Zentrum und ins Nordend weiterzogen - „sieht es wesentlich besser aus als vor einem Jahr“, meint Weiß. Und das liege nicht alleine an neuen Grünpflanzen oder gestrichenen Stromkästen. Einen Erfolg bedeute vor allem die gestärkte Identifikation vieler Menschen für ihr Wohnquartier. Messbar werde das an der Zahl der Meldungen, die bei der städtischen Hotline illegale Müllhaufen melden. Die Zahl der Anrufe habe sich in nur zwei Jahren verdreifacht, die Gesamtzahl der Müllhaufen zum Glück nicht.

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