Mit Korb zum Markt

Beschicker wollen Gebühr für Plastiktüte

Offenbach - Ab 1. April könnten Tüten auf dem Offenbacher Wochenmarkt etwas kosten. Der Beschickerverein diskutiert, wie sich eine entsprechende EU-Regelung umsetzen lässt. Das Ziel ist klar: Plastik soll eingespart werden. Doch was halten die Marktbesucher davon? Von Anna Bruder und Julia Radgen

„Der Plastiktüten-Verbrauch nimmt überhand“, sagt Eierverkäuferin Ulrike Buxmann.  

Wer zu Marktzeiten über den Wilhelmsplatz schlendert, sieht viele Kaufwillige mit Stoffbeuteln, Einkaufskörben oder Trolleys. In den mitgebrachten Transporthilfen sind Obst, Gemüse oder Brot separat in Tüten verpackt. „Bei spontanen Einkäufen lässt sich das nicht vermeiden“, sagt eine Kundin. Vielen Marktbesuchern scheint ihr Verbrauch unangenehm zu sein. „Normalerweise haben wir immer mehrere Taschen dabei, heute nicht“, bedauert ein Ehepaar. Und man hört Entschuldigendes: „Ich verwende Plastiktüten mehrfach, als Müllbehältnis oder wieder zum Einkaufen.“ Weil nicht jeder Bummler so gewissenhaft denkt, will der Verein der Marktbeschicker den unnötigen Verbrauch durch kostenpflichtige Plastiktüten senken. „Wir sind noch im Gespräch“, sagt deren Vorsitzende Petra Heckelmann. Details wie Preisangaben haben sie noch nicht vereinbart. Zwischen 20 und 50 Cent pro Tüte verlangen Einzelhändler, die sich an der freiwilligen Vereinbarung des Deutschen Handelsverbands nach der neuen EU-Richtlinie beteiligen. Die europäische Vorgabe tritt zum 1. April in Kraft.

Eine Dame mit Trolley glaubt nicht, dass die Kosten fruchten: „Die Leute würden die Tüten weiter kaufen und wegwerfen, genau wie Pfanddosen.“ Jedoch decke eine Gebühr zumindest partiell die Auslagen der Beschicker für ihre Plastiktüten, sagt Heckelmann. Damit die Einmal-Säcke nicht zu Hauf über den Tresen wandern, fragen die meisten Marktleute Kunden schon jetzt, ob die Ware noch in ihre Tasche passt. Das bestätigt Heckelmann, die am Stand der Gärtnerei ihres Mannes Bernhard arbeitet: „Zum Beispiel, wenn der Korb nur halb voll ist und sie bloß eine Primel kaufen.“

Auch sonst sind sich die Händler am Wilhelmsplatz bei diesem Thema einig. „Der Konsum nimmt überhand“, stellt Eierverkäuferin Ulrike Buxmann fest. „Einige Kunden kommen seit Jahrzehnten ohne eigene Tasche – das muss aufhören.“ Heinrich Mauß vom „Kartoffel Jäger“ bietet ohnehin nur ungern Plastiktüten an: „Wir fühlen uns dazu verpflichtet, sonst würden die Kunden keine Kartoffeln mitnehmen.“

Tschüss Tüte und To-go-Becher: Umweltfreundliche Verpackung

Petra Heckelmann schätzt den Anteil der Einkäufer mit eigenen Tüten und Körben aktuell auf 20 bis 30 Prozent. Sie erzählt, die Marktleute überlegten, Stofftaschen drucken zu lassen und diese zum Kauf anzubieten. So stünde auch unvorbereiteten Kunden eine nachhaltige Alternative zur Verfügung. Es herrsche aber noch keine Einigkeit zu Konzept und Finanzierung. „Es ist eine Kostenfrage für uns“, sagt Heckelmann. Dass die Nachfrage nach Wegwerf-Taschen ab dem 1. April sinke, davon ist die Vorsitzende des Beschickervereins überzeugt. „Wenn’s an den Geldbeutel der Kunden geht, verlangen sie weniger Tüten.“

Rubriklistenbild: © Georg

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