Gedanken über Enteignung 

Besitzer lässt Bahnhof in Bieber verkommen

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Das Dach des Bahnhofs ist seit langem kaputt, und auch die provisorische Schutzfolie weist mittlerweile riesige Löcher auf.

BiEber - Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude in Bieber verkommt immer mehr zu einer Ruine. Schuld ist juristisches Gerangel zwischen Besitzer und der Stadt. Nun nimmt sich die CDU-Fraktion ein weiteres Mal des Schandflecks an. Von Sarah Neder

Grüner und schwarzer Schimmel plackt an den Wänden, riesige Löcher klaffen in der notdürftigen Dachfolie. Der alte Klinkerbau an der S-Bahn-Station Bieber wirkt mehr als baufällig. Marcus Müller, der das 1895 errichte Gebäude 2008 von einem Deutschen-Bahn-Ableger erwarb, hatte einmal Großes vor: Er wollte Biebers einstiges Tor zur Welt zum Hauptsitz seiner IT-Firma umbauen. Doch dann machte ihm die Stadt einen Strich durch die Rechnung. Die strengen Auflagen des Denkmalschutzes, unter dem der Bahnhof steht, machten Müllers Pläne – die will er schon vor dem Kauf seit 2005 mit dem Bauamt abgestimmt haben – aus Kostengründen für ihn nicht länger umsetzbar.

Vor zwei Jahren reicht der Bahnhofbesitzer gegen die für den Denkmalschutz zuständige Bauaufsicht der Stadt Klage ein. Doch die wird kurz darauf abgewiesen. Bis heute hat der Unternehmer keinen Cent in die Sanierung gesteckt. Und das Gebäude verfällt Tag für Tag mehr. Nun bringt die Offenbacher CDU das Gammel-Haus wieder in die Diskussion. Laut Fraktionsvize Roland Walter hat sich der Arbeitskreis „Umwelt-Planen-Bauen“ eingehend mit dem Zustand und der Zukunft des Bieberer Bahnhofs befasst. „Wir waren uns alle einig, dass es so nicht weitergehen kann und darf“, betont Walter die Unzufriedenheit mit der jetzigen Situation.

Deshalb stellt die CDU-Fraktion dem Magistrat einige Fragen zum Schandfleck, die auf das weitere Vorgehen in Sachen Restaurierung abzielen. Die Opposition möchte besonders wissen, welchen Einfluss der Magistrat in dieser Angelegenheit habe: Wäre vielleicht eine Enteignung möglich? Mit welchen Kosten wäre dieser Schritt verbunden? Die Christdemokraten kritisieren aber auch den Eigentümer. In den Augen von Arbeitskreis-Leiter Walter diene der Denkmalschutz „offenbar als Rechtfertigung, das Gebäude immer weiter vergammeln zu lassen“.

Beispiele aus dem neuen RMV-Preissystem

Marcus Müller macht indes keinen Hehl daraus, dass er inzwischen keinerlei Interesse mehr hat, den alten Bahnhof in Schuss zu bringen. „Für uns war klar, dass wir nicht mehr investieren“, sagt er. Früher habe er noch Herzblut in das Projekt gesteckt. Das endete, als ihm die Kosten bewusst wurden, die die Erfüllung der Auflagen mit sich gebracht hätte: „Das wäre immer teurer geworden wie die Elbphilharmonie in Hamburg. Ich habe rechtzeitig die Reißleine gezogen.“

Vor dem Kauf im Jahr 2008 hat Müller die Umbaukosten von einem Architekten berechnen lassen, viel Geld floss in etliche Gutachten. Ein neues Haus zu bauen, sagt er, wäre 100.000 Euro billiger gewesen.

Wieder verkaufen kann er den Bahnhof kaum.Beim heutigen Zustand käme auf einen Käufer ein wesentlich höherer Betrag zu. Müller hofft aber, dass irgendwann jemand in das Objekt investiert: „Es ist ein schönes Gebäude, und es hat viel Potential, besonders für eine gastronomische Nutzung. Die Lage ist auch nicht verkehrt.“ Auf ein Entgegenkommen der Stadt habe er jahrelang vergeblich gewartet. „Wenn man Interesse gehabt hätte, hätte man das Gespräch gesucht“, meint Müller.

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