Senioren diskutieren mit Bundestagskandidaten

Besorgt um die Rente

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Vier Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis stellten sich den Fragen der Bürger.

Offenbach - Der Superwahltag rückt langsam, aber sicher näher, der Wahlkampf ist bereits in vollem Gange. Um bei einer wichtigen Wählerschicht, den Senioren, zu punkten, stellen sich vier Bundestagskandidaten aus dem hiesigen Wahlkreis im Else-Herrmann-Haus den Fragen der reifen Generation. Von Veronika Schade

Eingeladen zur Podiumsdiskussion hatte die Seniorenhilfe Offenbach. Sichere Rente, Zuwanderung und Fluglärm. Den rund 30 Menschen, die an den Hessenring gekommen sind, brennt vor ihrer Wahlentscheidung einiges auf den Nägeln. Antworten erhoffen sie sich seitens der auf dem Podium platzierten hiesigen Bundestagskandidaten von vier Parteien: Peter Wichtel (CDU), Dirk Gene Hagelstein (SPD), Paul-Gerhard Weiß (FDP), Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn (Grüne).

Altersarmut ist das Thema, das vom Publikum als erstes aufgeworfen wird. Welche Konzepte dagegen haben die Parteien? Eine Garantierente, die mit 850 Euro leicht über dem Sozialhilfeniveau liegt, ist die Lösung der Grünen. „Unser Ziel ist eine Gesellschaft ohne Armut“, sagt Strengmann-Kuhn und erntet teilweise Kopfschütteln. „Das geht doch nicht“, raunt eine Dame ihrem Nachbarn zu.

Konzept der „Solidarrente“

SPD-Kandidat Hagelstein berichtet vom Konzept der „Solidarrente“, die eng mit der Einführung eines Mindestlohns zusammenhängt. „7,5 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten im Niedriglohnsektor, davon sind fünf Millionen Frauen.“ Es sei daher zwingend, Erziehungszeiten fair anzurechnen und Mütterrenten über Steuern zu bezahlen. Auch für die Pflegeversicherung sei es aufgrund der alternden Gesellschaft notwendig, künftig mehr Steuern zu entrichten.

Zurückhaltend zeigen sich die FDP- und CDU-Kandidat. Sie setzen auf die Lebensleistungsrente. „Ein Patenrezept ist noch nicht gefunden, die FDP steht hinter dem Konzept der Grundsicherung“, sagt Weiß. Wichtel meint: „Wir möchten uns ungern vom jetzigen Konzept verabschieden. Mehr Arbeit bedeutet höhere Rente. Der Christdemokrat sieht im Thema noch viel Potenzial für einen „heißen Streit“.

Dies bestätigt sich gleich. „Ich habe 45 Jahre gearbeitet, meine Rente reicht aber von Jahr zu Jahr weniger“, moniert ein Mann. „Über 0,25 Prozent mehr wie jetzt kann ich nur lachen.“ Wichtel hat eine einfache Erklärung: „Die Rente sinkt, weil die Lebenskosten steigen.“

Zuwanderung von Menschen aus Rumänen und Bulgaren

Auch die Zuwanderung von Menschen aus Rumänen und Bulgaren nach Offenbach steigt und beschäftigt die Senioren. „Es war ein Fehler von der EU, in diesem Stadium die Türen zu öffnen“, sagt Weiß und erntet zustimmendes Gemurmel. Alle vier betonen jedoch, dass nicht die Menschen selbst das Problem seien, sondern die Unfähigkeit des Systems, sich richtig auf sie einzustellen. Vor allem in Schulen müsse viel mehr gefördert werden, was hohe finanzielle und menschliche Mittel erfordere. „Wir brauchen ein Bundesprogramm, das vor allem Bildungsaufgaben stärker bezuschusst“, fordert der Ex- Schuldezernent Weiß.

Als die eigentlich anberaumte Diskussionszeit fast erreicht ist, kommt sie doch noch, die Frage nach dem Fluglärm. Und setzt nochmal Emotionen frei beim Publikum und auf dem Podium. Ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr fordern Hagelstein und Strengmann-Kuhn. „Die Preis-Stellschrauben sollten außerdem so angepasst werden, dass es für Gesellschaften mit alten, lauten Flugzeugen unattraktiv wird, in Frankfurt zu landen“, so der Grünen-Politiker. Weiß betont, dass es bis aufs Nachtflugverbot bisher keine rechtlichen Mittel gebe, Flugbewegungen zu deckeln.

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Wichtel, der selbst viele Jahre bei der Fraport gearbeitet hat, hält die geplanten Maßnahmen für aktiven und passiven Lärmschutz für ausreichend und eine Ausweitung des Nachtflugverbots für gefährlich: „Frankfurt verliert dann seine Position als Drehkreuz.“ Das löst heftigen Protest bei Zuhörerin Ingrid Borretti (einst grüne Sozialdezernentin Offenbachs) aus. „Sie machen es sich viel zu einfach. Wenn die Politiker ehrlich wären, würden sie sagen, dass sich am Lärm nichts ändert.“

Moderatorin Sigrid Isser versprach am Ende der zweieinhalbstündigen Diskussion, bei der nächsten Runde mit Landtagskandidaten am 16. September mit dem Thema Fluglärm zu beginnen.

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