Besser als Fernsehen

Bürgel ‐ Sie sind wieder da, die kleinen Hexen, die kuscheligen Häschen mit den falschen Ohren, die rosa Prinzessinnen mit Glitzer-Krönchen, die Samurai-Kämpfer und die Feuerwehrmänner im Miniformat, die mit allerlei Gaudi die Geister des Winters vertreiben wollen. Von Katharina Skalli

Auch der Nachwuchs feiert Fastnacht. Mit dabei ist die Ranzengarde (Raga) aus Bürgel. Am vergangenen Sonntag bat sie in den Gemeindesaal von St. Pankratius zur Jugendsitzung. Von der Decke hängen bunte Kugeln aus Papier, es duftet nach Puderzucker, Kreppel und Popcorn und zwischen den Tischreihen wimmelt es nur so von kleinen verkleideten Faschingsprinzen. Bevor es los geht, erklärt Sitzungspräsident Wolfgang Zühlke dem Nachwuchs das Reglement. „Es heißt Halau und nicht Helau!“ sagt er und übt dann noch das laute „Gut-Stuss-Ahoi!“, das noch unzählige Male im Saal erklingen wird. Schließlich ist Fastnacht eine ernst zunehmende Sache in Bürgel. Für die Begleitmusik sorgt Friedrich Sehrbrock an seinem Keyboard. „Der Friedrich ist schon länger hier, als es Jugendsitzungen gibt“, sagt Zühlke und schmunzelt unter seiner weißen Karnevalskappe. Auch Lucas Schmidt trägt heute ähnlichen Kopfschmuck. Er ist in diesem Jahr Elferpräsident und führt souverän durch das Programm.

Mehr Bilder von der Jugendsitzung

Kleine TV-Stars bei der Ranzengarde

Schnell ist die Bühne nach dem Einmarsch des Hofstaates voll. Nicht nur das Kinderprinzenpaar begrüßt samt Gefolge die Gäste, auch die Großen, das Offenbacher Prinzenpaar, ist gekommen. „Lieber bei der Ranzengard´ als ein Programm, das jeder hat!“, ruft Nachwuchs-Prinzessin Ann-Kathrin I. Und als die Erwachsenen aus dem Saal gezogen sind und Prinzessin Ann-Kathrin mit ihrem Prinzen Maximilian I. unter einem weißen Spitzenbaldachin Platz genommen haben, geht solches auch schon los.

Die Minis der Schautanzgruppe erobern als kleine Sonnenelfen die Bühne. In gelb-orangenen Feenkleidchen locken sie den Frühling nach Bürgel und verzaubern mit ihrem Tanz. Im Anschluss stürmt Familie Knaddel die Bühne: Amandus (Andre Röder) mit Ehefrau Agathe (Alicia Hof) und Sohn Karlchen (Maximilian Winter). Mit Schiebermütze, Karohemd und Hosenträgern steht Klein-Karl zwischen seinen Eltern und gibt einen Witz nach dem anderen zum Besten.

Kotletten sitzen und die bunten Röcke wirbeln

Mit bunten Petticoats und Elvis-Tolle stürmt die Schautanzgruppe auf die Bühne. Sie entführt die Gäste in die 70er Jahre und zeigt Auszüge aus dem Musical und dem Film „Grease“. Die schwarzen Kotletten sitzen und die bunten Röcke wirbeln. Chantal Pfannkuchen brilliert als Sandy. In Lederjacke und mit falschen Locken fehlt nicht viel zur Originalversion mit Olivia Newton-John.

Getanzt wird auch bei der Mini-Playback-Show. Ganz ohne Marijke Amado, der ehemaligen Moderatorin, dafür mit pinkfarbenen Regenschirmen und Ringel shirts zum Rihanna-Hit „Umbrella“. Der immer wiederkehrende Leitspruch „Gut-Stuss-Ahoi!“ geht den Gästen im Saal immer leichter von den Lippen. Auch die Jugendabteilung hat ihn für ihren Auftritt brav auswendig gelernt. Außerdem hat die elfköpfige Gruppe die besondere Darstellung einer Schulklasse einstudiert.

"Noch nie hat Fernsehen so viel Spaß gemacht“

Beim letzten Programmpunkt darf der ganze Saal mitsingen. Unter dem Motto „Raga-Kinder-TV“ stürmen die Mini-Röchler auf die Bühne. Als der kleine Wikinger Wickie, Biene Maja, Pumuckl, Bibi Blocksberg und Co. singt sich die Raga durch das Fernsehprogramm. Vanessa Kirchner steht als Maus, von der „Sendung mit der Maus“, in einem orangenen Anzug auf der Bühne und winkt tapfer ins Publikum. Sicher würde sie gerne mit ihren Augenlidern klimpern, doch auch so erkennt man die TV-Figur sofort.

Corinna Dorn als Pumuckl springt so wild auf und ab, dass ihr das feuerwehrrote Haar nur so vom kleinen Köpfchen fliegt. „Da habt Ihr Euch aber wieder was tolles ausgedacht, noch nie hat Fernsehen so viel Spaß gemacht!“, lobt der Sitzungspräsident. Mit den TV-Stars in Kindergröße geht die Jugendsitzung zu Ende. Langsam werden die kleinen Polizisten und Feen müde vom Klatschen, Trampeln und Lachen. Mit einer Handvoll Zuckerzeug geht es nach Hause zum Abschminken und Träumen.

Rubriklistenbild: © Georg

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare