„Besser ohne Vorgabe“

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Matthias Schulze-Böing

Offenbach - Politiker und Gewerkschaftler schlagen eine Mindestquote für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer vor, um Renten-Kürzungen abzumildern.

Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey fragte bei Matthias Schulze-Böing vom Amt für Arbeitsförderung in Offenbach und Chef der Main-Arbeit nach:

Ist die Forderung nach einer Mindestquote für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer sinnvoll - haben Firmen tatsächlich Nachholbedarf?

Besser wäre, es gelingt ohne eine staatliche Vorgabe, den Anteil von Älteren an den Beschäftigten zu erhöhen. Hier gibt es in der Tat Nachholbedarf. Viele Unternehmen haben inzwischen zwar erkannt, dass der lange Zeit gepflegte Jugendwahn in die Sackgasse führt und dass Ältere ganz wesentlich zum Erfolg beitragen können. Leider kann man noch nicht sagen, dass diese Einsicht zum Allgemeingut geworden ist.

Kann mit einer Verpflichtung etwas erreicht werden - oder gibt es bessere Weg?

Eine Quote ist immer der zweitbeste Weg, den man nur gehen sollte, wenn es anders nicht geht. Die Erfahrungen in anderen Bereichen zeigen jedoch, dass staatliche Quotenvorgaben sehr wohl wirken. Besser wäre allerdings, die Wirtschaft findet gemeinsam mit den Partnern im Arbeitsmarkt zu verbindlichen Selbstverpflichtungen, die dann auch nachgehalten werden müssen.

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Was raten Sie Älteren, denen eine Entlassung droht und die - beim Blick auf ihre zu erwartende Rente - eine weitere Beschäftigung suchen? Sollten Sie denn auch an Qualifizierungsmaßnahmen denken?

Das kann immer nur im Einzelfall beurteilen. Deshalb sollte vor der Entscheidung eine gute Beratung mit einer fundierten Positionsbestimmung stehen. Qualifizierung ist auch für Ältere Jobsucher sehr oft sinnvoll und notwendig, um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Wichtig ist aber, dass Ältere sich schon in Beschäftigung intensiv an der Weiterbildung beteiligen. Dann ist man auch für den Fall des Jobverlustes besser gewappnet. Auch hier gibt es Nachholbedarf. Ältere dürfen bei der Qualifizierung in Unternehmen nicht links liegen gelassen werden.

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