Besser als die Super-Nanny

Offenbach/Dietzenbach - Verwundert es noch jemanden, dass der Bedarf an Büchern mit Erziehungstipps so stark gestiegen ist und weshalb ein Showformat wie „Die Super-Nanny“ ein Quotenrenner beim TV-Sender RTL werden konnte? Immer mehr Eltern fühlen sich mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert und suchen tatkräftige Unterstützung. Von Peter Schulte-Holtey

Die Beratungsstellen in der Region bekommen den Trend zu spüren; die Zahl der Hilfesuchenden wächst weiter. „Die größte Herausforderung für Eltern in der Erziehung besteht meines Erachtens darin, ihren Kindern ein standhaftes, verlässliches, liebevolles, konfliktfähiges, Grenzen setzendes und vertrauensvolles Gegenüber zu sein“, sagt Diethelm Sannwald von der Erziehungsberatungsstelledes Diakonischen Werks in Dietzenbach. Das sei nicht wenig und oft auch nicht einfach. Und der Erziehungsexperte sieht auch die große Versuchung, sich aus dieser Rolle - und sei es unbewusst - herauszuschleichen. Dann bestehe die Gefahr, dass Eltern die Erziehung ihrer Kinder an elektronischen Medien, pädagogische Fachkräfte oder in der Pubertät die ,peer-group’ abtreten, „um den Preis, dass eine stabile, vertrauensvolle Beziehung so nicht wachsen kann“.

Die Fachleute betonen es immer wieder: Erziehung braucht vor allem den langen Atem. So wird auch von Sannwald die Nachhaltigkeit der von der „Fernseh-Super-Nanny“ eingeleiteten Veränderungen angezweifelt. „Sie macht sozusagen eine massive und intensive Kurzzeitintervention in das Familiensystem, welche auch ihre Wirkung hat. Aber Veränderungsprozesse in Familien, Beziehungen und Individuen brauchen auch Zeit. Und selbst wenn man weiß, was man anders machen sollte, ist man noch lange nicht in der Lage, dies auch eigenständig umzusetzen“, so der Dietzenbacher Erziehungsberater.

In Zusammenarbeit mit Beratungsstellen im Kreis Offenbach beginnt unsere Zeitung heute mit einer Serie rund ums Thema Erziehung; fachkundige Berater kommen jede Woche zu Wort.

Das Beratungszentrum-Mitte in Trägerschaft des Diakonischen Werkes ist eine von drei Einrichtungen dieser Art im Kreis Offenbach. Finanziert wird es überwiegend aus Mitteln des Kreises Offenbach, sowie in Teilen aus Mitteln der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Beratung von Eltern, Kindern und Jugendlichen aus Dietzenbach, Heusenstamm, Obertshausen und Mühlheim. Bei allen Fragen rund um die Erziehung, die Entwicklung der Kinder und die Beziehungen innerhalb der Familie stehen die Berater und Beraterinnen erst einmal als persönliche Ansprechpartner zur Verfügung. Im vertraulichen Gespräch können Schwierigkeiten, Problemlagen und die damit verbundenen Gefühle aller Beteiligten benannt werden, bevor nach einem gangbaren Lösungsweg gesucht wird. „Wichtig ist uns dabei immer, die Kräfte und Fähigkeiten der einzelnen Familienmitglieder zu stärken, um Lösungen zu finden, die von allen mitgetragen werden“, so Sannwald. Das Beratungszentrum-Mitte arbeitet eng mit anderen Diensten der Jugend- und Familienhilfe zusammen. Die Beratungsgespräche sind kostenfrei. Die Mitarbeiter unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht.

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