Bessere Beratung für Gründer als Ziel

Offenbach ‐ Mit einer neuen Initiative will die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach die Beratung für Gründer verbessern. Die Aktion „Gründerregion Offenbach“ sei gestartet worden, sagte IHK-Hauptgeschäftsführerin Eva Dude gestern. Von Marc Kuhn

„Die IHK möchte das Modell Gründerstadt Offenbach, in dem alle für Existenzgründer wichtige Institutionen vereint sind, auf den Kreis übertragen.“ Ein sogenanntes Gründungsbarometer, das auf einer Umfrage unter Experten basiere, habe gezeigt, dass mehr Transparenz und eine bessere Vernetzung wichtig seien, erklärte Markus Weinbrenner, IHK-Geschäftsführer für den Bereich Starthilfe. Schließlich habe die Untersuchung ergeben, dass kein Experte die Vernetzung der Beratungsstellen als sehr gut einstufte. 37 Prozent bezeichneten sie als gut, 32 Prozent als befriedigend und fünf Prozent gar als schlecht.

Die Kammer werde das Netzwerk „Gründerregion Offenbach“ koordinieren, sagte Weinbrenner. Zudem biete die IHK Wirtschaftsförderern, Beratungsinstitutionen, der Agentur für Arbeit, der Arbeitsgemeinschaft Mainarbeit in der Stadt, dem Jobcenter Proarbeit im Kreis, Netzwerken, Banken und Unternehmen eine gemeinsame Plattform, um sich zu präsentieren. Eine „erstes, wichtiges Projekt“ sei ein internetbasierter Leitfaden für Gründer, berichtete Weinbrenner weiter. Darüber hinaus sollten Flyer mit Angaben zu Beratungsstellen angeboten und Expertengemeinschaften gebildet werden. Und: Die IHK biete Beratung in den Kommunen vor Ort an, sagte der Geschäftsführer.

In der Region bestehe ein hohes Gründungspotenzial, erläuterte Dude. Zur Begründung sagte sie, in Stadt und Kreis gebe es eine junge, dynamische Bevölkerung - und ein großes Potenzial an Frauen. Gründer seien wichtig, weil sie Jobs schafften und zum Strukturwandel beitragen würden.

Oft würden sie „alleine gelassen“

Weinbrenner sagte, die meisten für die Untersuchung befragten Experten würden von einem Anstieg der Gründungszahlen um bis zu 25 Prozent ausgehen. Vor allem die Branchen Informations- und Kommunikationstechnologien sowie soziale Dienste, Gesundheitswesen, Umwelttechnik, Kreativwirtschaft und Handwerk bieten Interessierten Chancen, so ein Ergebnis der Studie. Probleme haben Gründer den Angaben zufolge vor allem bei der Finanzierung und der Suche nach den richtigen Ansprechpartnern.

Von ähnlichen Schwierigkeiten berichtete Thomas Bick, der mit einer japanischen Freundin im Juni das in Dreieich ansässige Handelsunternehmen Agrodirect gegründet hat. Bick verkauft exotische Früchte und die Wasabi-Wurzel unter anderem an japanische Restaurants. Die Resonanz sei gut, erklärte er. Es gebe eine Vielzahl von Informationen für Gründer, berichtete Bick weiter. Oft würden sie „alleine gelassen.“ Die IHK sei ein wichtiger Ansprechpartner.

Offenbach ist nach Angaben der Kammer seit dem Jahr 2006 Gründerhauptstadt in Deutschland. Das habe eine Erhebung des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn ergeben. Der Kreis Offenbach kommt auf Platz zehn. Die Zahl der Gewerbeanmeldungen in der Stadt sei 2009 um 10,7 Prozent auf 2 832 gestiegen, sagte Dude. Im Kreis seien 3 983 Gründungen registriert worden, ein Plus von 7,2 Prozent. Gleichzeitig seien in der Stadt 2 428 Gewerbe abgemeldet worden, erklärte die Hauptgeschäftsführerin weiter. Im Kreis seien es 3 567 Unternehmen gewesen. Unter dem Strich seien damit in Offenbach 404 Firmen übrig geblieben, im Kreis 416, berichtete Dude.

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