Bessere Hilfe und stärkere Kontrollen

+
Peter Freier diskutiert in seinem Forum mit den Offenbachern.

Offenbach Ein Mann hat geduldig zugehört und fragt Peter Freier jetzt einfach mal: „Und was willst du denn ganz konkret machen, wenn du als OB auch Chef der Verwaltung bist?“ Von Stefan Mangold

Zuvor hat Freier, Kandidat der CDU für die Direktwahl des Oberbürgermeisters am 4. September, Zahlen rausgehauen. Hat vorgerechnet, „dass es in Offenbach 8 800 Bedarfsgemeinschaften gibt“. Hat daraus umgerechnet, „dass 19 179 Personen in unserer Stadt Leistungen aus SGB 2 beziehen“. Hat erklärt, wie das Sozialgesetzbuch die „Grundsicherung für Arbeitsuchende“ regele. Und dass deren Zahl in Offenbach seit dem Ende der Finanzkrise sogar noch gestiegen sei, „obwohl die Arbeitslosigkeit ansonsten in Deutschland sank. “.

Es gehe darum, antwortet Peter Freier dem Fragensteller, „die Aktivierung der Empfänger zu verstärken, sie effektiv fit zu machen für den Arbeitsmarkt.“ Es müsse Ziel jedes Einzelnen sein, sich möglichst schnell wieder durch eigenen Verdienst zu versorgen. Besonders unter Offenbachern mit Migrationshintergrund sei der Anteil der Sozialhilfebezieher hoch: „Etwa jeder vierte Italiener ist betroffen.“

Damit streift Freier ein Thema, das während der Wahlkampfveranstaltung am Mittwoch im „Bürgerforum Peter Freier“ am Marktplatz andere zu Einwürfen inspiriert. Ein Bürger mit schlesischem Akzent nimmt die Ausführungen des Kandidaten zum Anlass für eigene. Es gebe Firmen, gibt er zu Protokoll, die nicht nach Offenbach wollten, weil sich ihre Mitarbeiter nicht auf die Straße trauten - „hier leben zu viele Kanaken“.

„Offenbacher Probleme liegen nicht an Migranten“

Eine türkischstämmige Freier-Sympathisantin kritisiert umgehend diese Wortwahl. Und Roland Walter, Unternehmer und CDU-Parlamentarier, erwidert, „die Offenbacher Probleme liegen nicht an Migranten, sondern an fehlender Qualifikation“. Auch ein ungelernter arbeitsloser Deutscher, sei „gesellschaftlich nicht voll integriert.“ Die Ausbildung laufe vielfach fehl. Problematisch seien auch „manche Schulleiter. Die mieden Kontakt zu Firmen und kümmerten sich nicht um Praktikumsplätze. Besonders für Hauptschüler sei das aber wichtig.

Da setzt Freier wieder ein. Es sei ein Unding, „dass jeder vierte Offenbacher Hauptschüler ohne Abschluss geht“. Würde er OB und Chef der Verwaltung, werde er die beteiligten Behörden stärker miteinander verzahnen, verspricht er. Und es müsse andere Konsequenzen als bisher haben, wenn die Polizei morgens Jugendliche aufsammele, „die lungern, statt in der Schule zu sitzen“. Jugendamt, Polizei und Schulbehörde müssten sich ständig austauschen. Ansonsten sei er, was den mutmaßlichen Missbrauch von Sozialhilfe betrifft, „für stärkere Kontrollen.“ Er habe von Leuten gehört, in dieser und jeder Wohnung seien zwölf Menschen gemeldet, „da müssen wir nachsehen, ob wirklich so viele auf vier Zimmern leben.“

Stadt gehe fahrlässig um mit bestimmten Zahlen

Auch Dr. Walter Suermann meldet sich zu Wort. Er war Offenbachs bisher einziger CDU-OB. Die Stadt gehe mit bestimmten Zahlen fahrlässig um, behauptet er. Sie lobe sich dafür, „dass die Bevölkerung wächst“, ohne zu berücksichtigen, in welcher sozialen Schicht die meisten Neugeborenen aufwachsen würden. Auch stehe Offenbach zwar seit Jahren an der Spitze bei den Firmengründungen, aber: „Jeder Rumäne kann sich für zwanzig Euro einen Gewerbeschein holen.“ Der zähle dann als Unternehmer.

Peter Freier tritt außerdem dafür ein, neue Baugebiete nacheinander zu erschließen. „Verläuft das parallel, machen die sich nur gegenseitig Konkurrenz.“

Kommentare