Beste Verbindung nach Europa

Offenbach ‐  Wie sperrig der Begriff Hochleistungsrechenzentrum ist, lässt sich daran erkennen, dass er nicht einmal in eine Zeitungszeile passt. Der Begriff Hochleistungsrechenzentrum steht aber auch für Dynamik und Potenzial. Von Jörn Polzin

Im Fall des Frankfurter IT-Dienstleisters Wusys, dessen neues Rechenzentrum auf dem Gelände der Energieversorgung Offenbach (EVO) gestern vorgestellt wurde, muss die Aufzählung um ein Wörtchen ergänzt werden – Energie. „Der Campus bietet ideale Voraussetzungen für einen energieeffizienten Betrieb“, sagt Wusys-Geschäftsführer Oliver Menzel. Hilfreich ist ein modernes Kühlsystem – die Räume werden dabei klimatisiert, indem Außenluft umgewälzt wird.

Der Verzicht auf „stromfressende Kälteanlagen“ senkt sowohl den Energieverbrauch als auch den Ausstoß von Kohlendioxid und damit die Kosten. Ausreichend Strom gibt es aus dem benachbarten Kraftwerk. Hier kommt die EVO ins Spiel, die das Gebäude stellt und die benötigte Energie liefert.

Langzeit-Vertrag mit der Wusys sichert der EVO dauerhaft Mieteinnahmen

„IT-Dienstleister und Energieversorger, das ist eine Partnerschaft mit Zukunft“, ist Dr.Kurt Hunsänger, Technischer Vorstand der EVO, überzeugt. Ganz uneigennützig ist der Deal für den Energieversorger freilich nicht. Der Langzeit-Vertrag mit der Wusys sichert der EVO dauerhaft Mieteinnahmen.

Einen einstelligen Millionenbetrag hat Wusys in den Bau des Rechenzentrums investiert. Der Standort an der Andréstraße ist in erster Linie für mittelständische Unternehmen ausgelegt, die ihre Informationstechnik (IT) auslagern wollen, um hohe Einsparungspotenziale zu erreichen. Die Firmen mieten partielle Flächen des Gebäudes für ihre Computersysteme an, erhalten dafür unterbrechungsfreie Stromversorgung, Klimatisierung und so genanntes „web hosting“, also die Bereitstellung von Speicherplatz, zur Aufbewahrung von Daten im Netz.

„24-Stunden-Monitoring“

„Als Betreiber übernehmen wir auch die Wartung und auf Wunsch die Administration“, ergänzt Wenzel. Von den 60 Mitarbeitern des Frankfurter Unternehmens, sind bis zu zehn dem Offenbacher Standort zugeteilt. Per „24-Stunden-Monitoring“ stellen sie sicher, dass die Verbindung mit dem Server problemlos funktioniert.

Anfragen von interessierten Firmen aus der Region gibt es laut Wenzel zu Genüge. Konkrete Gespräche laufen derzeit mit sechs mittelständischen Unternehmen. Sie kommen aus der Reisebranche, dem Internetgewerbe, der Telekommunikation und dem Bankwesen. Eine Aschaffenburger Firma hat bereits auf dem 1.000 Quadratmeter großen Areal Quartier bezogen.

Das soll aber erst der Anfang sein. „Bei einem Ausbau haben wir Potenzial für insgesamt 15.000  Quadratmeter“, sagt Wenzel, der sein Unternehmen in Offenbach gut aufgestellt sieht. Nicht zuletzt wegen der städtischen Lage in unmittelbarer Nähe zum internationalen Glasfasernetz.

Für die nötige Sicherheit ist übrigens gesorgt – nicht nur gegen Hacker im Netz. Auch die Räumlichkeiten selbst bieten ausreichend Schutz vor Einbrechern. Genau genommen handelt es sich somit – sperrig hin oder her – um ein Hochsicherheitsleistungszentrum in Offenbach.

Rubriklistenbild: © Paul Georg Meister/ pixelio

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare