Das Bestmögliche fürs Kind

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Neugierige Viertklässler beim Experimentieren mit chemischen Substanzen beim Tag der offenen Tür an der Albert-Schweitzer-Schule. Herumexperimentieren wollen die meisten Eltern indes nicht bei der Wahl der weiterführenden Schulen. Sie wollen möglichst eine klare, schnelle Entscheidung.

Offenbach - Bis zum 5. März müssen Eltern die Entscheidung treffen, ob ihr Kind nach den Sommerferien das Gymnasium, die Integrierte Gesamtschule (IGS) oder die Haupt- und Realschule mit Förderstufe besuchen soll. Von Sabrina Kristen

Einen ersten Informationsabend, um die Eltern frühzeitig über den Übergang in die Sekundarstufe I aufzuklären, gab es bereits im vergangenem Jahr. Dort hatte jeweils ein Vertreter seine Schulform vorgestellt. „Bei uns stand dementsprechend ein Abgesandter aus der Leibniz-, Bach- und Schillerschule Rede und Antwort“, berichtet Gabriele Schranz. Die 58-Jährige ist seit zwei Jahren Leiterin der Goetheschule – der größten Grundschule in Offenbach. Mit rund 150 Viertklässlern läuft derzeit die heiße Phase der Beratungsgespräche.

Hierfür treffen sich die Eltern mit dem jeweiligen Klassenlehrer und entscheiden über die schulische Zukunft des Kindes. Aufgrund von sprachlichen Barrieren gestalten sich die Gespräche manchmal schwierig. „Viele Eltern haben das deutsche System einfach noch nicht durchschaut“, so Schranz. Deshalb versuchten die Klassenlehrer, die Information so anschaulich wie nur möglich zu vermitteln.

Im Beratungsgespräch geben sie eine Empfehlung darüber ab, welchen weiteren Werdegang sie für das jeweilige Kind sinnvoll erachten. Meistens stimme dieser Ratschlag auch mit dem Wunsch der Eltern überein. Einige Härtefälle gibt es dennoch. „Jeder will das Bestmögliche für sein Kind. Aber manchmal stimmen der Hang nach Höherem mit der Realität nicht überein.“ So kommt es vor, dass Eltern darauf bestehen, ihr Kind aufs Gymnasium zu schicken, obwohl es an einer anderen Schule besser aufgehoben wäre. Besonders in Deutsch und Mathematik sollte der Viertklässler über die Note „sehr gut“ oder „gut“ verfügen, wird von den Gymnasien stets betont.

Gymnasium unbeliebter seit G8

„Man tut dem eigenen Kind nicht unbedingt einen Gefallen, wenn die Empfehlung der Klassenlehrerin vollkommen unbeachtet bleibt“, betont Renate Müller. Die 59-Jährige ist bereits seit 1978 Lehrerin an der Humboldtschule und koordiniert den Übergang von der 4. zur 5. Klasse. Dort stehen insgesamt 80 Kinder kurz vor dem baldigen Wechsel. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung rät Renate Müller, „Wackelkandidaten“ lieber erstmal auf die Integrierte Gesamtschule zu schicken, anstatt auf das Gymnasium als Schulform zu pochen. „Es besteht doch jederzeit die Möglichkeit zu wechseln und dann Abitur zu machen“, erklärt die Grundschullehrerin.

Ihr ist umgekehrt aber auch aufgefallen, dass manche Eltern zögern, ihr Kind auf das Gymnasium zu schicken, seit G8 eingeführt wurde. „Unabhängig davon sollte der Übergang nicht unterschätzt werden. Das bedeutet in jedem Fall eine große Umstellung für die Kinder“, so Müller. Häufig komme es vor, dass die Viertklässler sich dem Entschluss ihrer Freunde anschließen wollten. Auch die Nähe zum Wohnort spiele eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die meisten Eltern würden sich aber gerne beraten lassen, wie Gabriele Schranz von der Goetheschule betont. „Wir konnten die Kinder schließlich vier Jahre lang begleiten und sie so sehr gut kennenlernen.“

Die weiterführenden Schulen im Überblick

Weiterführende Schulen in Offenbach

Selbst wenn der Klassenlehrer und die Eltern sich einvernehmlich für die künftige Schulform entschieden, könne es dennoch zu kleineren Komplikationen kommen. „Die Eltern haben zwar das Recht auf eine bestimmte Schulform für ihr Kind, können aber laut dem hessischen Schulgesetz nicht alleine festlegen, in welche Schule es tatsächlich gehen wird“, so Müller. So ist es etwa offen, welches der drei Offenbacher Gymnasien das Kind letztendlich besuchen wird. Erst auf der Verteilerkonferenz des Schulamtes wird festgestellt, wie viele Anfragen es bei den jeweiligen Schulen gibt und wie viele Plätze diesen letztlich zur Verfügung stehen. Schließlich müssen die Schüler halbwegs gleichmäßig verteilt werden. Im Mai flattert dann die Nachricht in den Briefkasten, ist der Entscheidungsprozess endlich abgehakt.

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