Bestrickendes Lädchen

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Karin Gasch inmitten ihrer kunterbunten Ware mit ganz vielen Wollfädchen: Zum Geschäftsjubiläum gibt’s Rabatte und heute für die Kunden auch Kaffee und Kuchen.

Offenbach - Die Auswahl an Wolle und Garnen scheint endlos zu sein. In den Regalen liegen Filzsteine neben „Franzy“, „Palma uni“, „Boucleone“ und Sockengarn. Von Christina Schäfer

Alleine 400 Farben an Sticktwist sind in dem kleinen Paradies für Handarbeitsliebhaber in der Domstraße 84 zu finden: alles rund ums Stricken, Sticken und Häkeln. Am 2. Mai feierte Geschäftsinhaberin Karin Gasch mit ihrem „Wollfädchen“ 25-jähriges Bestehen. Wer in ihren Laden kommt, fühlt sich sofort geborgen, die gefüllten Regale im „Tante-Emma-Laden für Wolle“ strahlen eine urige Gemütlichkeit aus. „Früher war die Bezeichnung eine Beleidigung, heute ist ‚Tante-Emma-Laden' eine Liebkosung“, sagt Karin Gasch mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Wenn die heute 66-Jährige in ihrem Laden ist, dann geht es ihr gut.

Auch wenn der Start vor 25 Jahren kein leichter war: Aufgrund langer Krankheit im Job sowie einer Bandscheibenoperation verlor sie ihren Arbeitsplatz. Tapfer nahm Karin Gasch ihr Schicksal an. Eines wusste sie immer: Nur zuhause rumsitzen, das könnte sie nicht. Zwar musste die gelernte Einzelhandelskauffrau ihre Arbeit als Sekretärin endgültig an den Nagel hängen, aber was folgte, erfüllt sie bis heute, so dass sie auch mit ihren 66 Jahren und der 60-prozentigen Behinderung noch lange nicht ans Aufhören denkt. „Sieht es hier so aus, als ob ich vorhabe, den Laden zu schließen“, fragt sie und lässt ihre Blicke über die gefüllten Regale schweifen. Auch als sie vor acht Jahren nach zwei Knieoperationen dazu gezwungen hatten, für knapp ein Jahr das Geschäft zu schließen, dachte sie nicht ans Aufgeben. „Heute habe ich keinen Druck mehr. Ich muss ja eigentlich nicht arbeiten, aber ich habe Spaß dabei.“

Die Idee, ein Fachgeschäft für Wolle zu eröffnen, hatte einst ihr Mann Dieter, der auch den Namen „das Wollfädchen“ beisteuerte. Zwei Jahre lang hatte Karin Gasch an der Geleitsstraße ihr Domizil, seit Rosenmontag 1986 ist sie mit ihrem Laden an der Domstraße ansässig. Ihr geht es nicht nur ums reine Verkaufen von Wolle und Garnen. Die Liebe zum Stricken, Sticken und Häkeln teilt Karin Gasch mit ihren Kundinnen. Ihr „Wollfädchen“ ist ein Treffpunkt für individuelle Beratung, Modell- und Anleitungsausrechnung sowie Strick- und Häkelhilfe. Wenn jemand Hilfe oder Ideen braucht, dann ist sie da. Zudem beflügelt der Austausch mit ihren Kundinnen auch ihre eigene Kreativität. Stricken nach dem Muster aus der Zeitschrift ist Gasch zu langweilig. Lieber entwickelt sie neue Muster und notiert sie akribisch für ihre Kundinnen in „einer Sprache, die jeder versteht“. „Ich mag das gewisse Etwas an den Sachen.“ Und so entsteht aus einem offenen Maschenschlauch schnell ein Ärmelschal.

Gerade erlebt das Hobby Handarbeit eine Renaissance. „Seit vergangenem Jahr kommen auch wieder viele junge Frauen, weil die Schauspielerinnen in den USA angefangen haben zu stricken“, erklärt Gasch. Auch sie selbst hat in jungen Jahren die Leidenschaft zur „angestaubten“ Freizeitbeschäftigung entdeckt. Ihre Mutter hat immer genäht, ihre Oma gestrickt und dennoch fand sie selbst diese Beschäftigung immer nur langweilig. Doch eines Tages brachte sie eine Nachbarin zur Wolle. Inzwischen hat sie schon alles gestrickt, was man stricken kann - auch Krawatten, wie es einst Mode war. Doch sie bedauert, dass in der Mode nichts Neues kommt. Verkürzte Reihen und Flechtmuster wie sie in den 70er und 80er Jahren modern waren, seien wieder angesagt. Die Kunden schätzen ihre Fachkenntnis und lassen sie oft wissen, dass sie froh sind, solch „eine Goldgrube gefunden zu haben“.

Geöffnet hat „das Wollfädchen“ montags bis freitags von 9.30 bis 13 Uhr und von 15 bis 18.30 Uhr. Ab heute gibt es auf ausgewählte Wollgarne bis zu 25 Prozent Rabatt - außerdem heute noch Kaffee und Kuchen.

Einmal in der Woche lädt Karin Gasch im gegenüberliegenden Irish-Pub zum Strickabend ein. Männer gibt es in der 18-köpfigen Gruppe derzeit nicht. Gemeinsam stricken die Damen dann auch zahlreiche Babysöckchen die dann im „Wollfädchen“ zu Gunsten der Aids-Hilfe Offenbach verkauft werden. „Wir dürfen nicht nur an uns denken“, sagt Karin Gasch.

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