Zweimal Iftar, zweimal anders

Zu Besuch beim islamischen Fastenbrechen

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Die Mevlana-Moschee hatte für Freitag zum Fastenbrechen auf den Marktplatz geladen.

Offenbach - Während des islamischen Fastenmonats Ramadan, dürfen Gläubige zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang keine Nahrung und Getränke zu sich nehmen, weder rauchen noch sexuell aktiv sein. Mit der Dunkelheit beginnt der Iftar, das gemeinschaftliche Fastenbrechen. Von Peter Klein 

Die Gläubigen essen gemeinsam und laden Fremde dazu ein. „Schon unser Prophet hat zum Iftar jeden Abend einen Fremden eingeladen“, erklärt Süleyman Kutsi-Sari. „Wir haben in kleinem Kreis eingeladen, weil wir uns näher kennenlernen wollen“, erklärt der 53-jährige Journalist, der bei der Offenbacher Bildungsakademie (OBA) arbeitet. Seine Frau verteilt Datteln, mit denen der Iftar traditionell eröffnet wird. Die Familie bekennt sich zu der Gülen-Bewegung, die für einen modernen Islam steht und von der türkischen Regierung unerwünscht ist.

Einen Abend später haben Mitglieder der Offenbacher Mevlana-Moschee auf dem Marktplatz 100 Bierbankgarnituren aufgebaut und rund 1000 Essen vorbereitet. Sie feiern ihren neunten Open-Air-Iftar. Sie möchten damit ganz Offenbach einladen. „Der Open-Air-Iftar steht für Integration, für ein friedliches und offenes Miteinander in dieser Stadt“, sagt Mevlana-Sprecher Muhsin Senol, während auch dort Datteln auf den Tischen verteilt werden. Die Mitglieder gelten als Anhänger des türkischen Präsidenten Erdogan. Dennoch wird Wert auf Eigenständigkeit gelegt, man sei kein verlängerter Arm der Regierungspartei AKP. So wurde Werbung für eine AKP-Kulturveranstaltung in der Moschee verboten, berichtet ein Mitglied.

Das Treffen bei Familie Kutsi-Sari beginnt um 20 Uhr. Zum Fastenbrechen ist das Ehepaar Aydin mit seinen Töchtern, die ehemalige Zaman-Journalistin Sevina Özarslan sowie der OBA-Mitarbeiter Dennis Dogan erschienen. Alle sind Anhänger des im amerikanischen Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen. Während die Gläubigen den Sonnenuntergang erwarten, wird geredet. Der Fastentag ist kurz vor der Sommersonnenwende besonders lang, 16 Stunden, erst um 21.45 Uhr darf gegessen werden.

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Süleyman hat 26 Jahre als Journalist für die Zeitung Zaman in Offenbach gearbeitet. Seit der Schließung betätigt er sich ehrenamtlich, zum Beispiel als Integrationslotse. Im vergangenen Jahr bekam er Besuch von der Polizei, die ihm eröffnete, dass er ab sofort keine gültigen Ausweispapiere mehr besitzt. Die türkische Regierung hatte tausende Dokumente von Gülen-Anhängern für ungültig erklärt. Er ist quasi staatenlos. Die Fachärztin für innere Medizin Faden Aydin und ihr Mann, der Allgemeinmediziner Yusuf Aydin, wurden mit Berufsverbot belegt. Ihnen drohte die Verhaftung. Auch Sevina Özarslan als Zaman-Journalistin entging ihr knapp. Alle drei haben in Deutschland Asyl beantragt und zunächst eine Duldung erhalten.

Der Marktplatz füllt sich seit 20 Uhr. Rund 40 Helfer hat der Moscheeverein im Einsatz, um die Gäste zu verköstigen, dazu eigenes Sicherheitspersonal. Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber erklärt, dass sich die Einwohnerzahl von 133 000 Offenbachern auf viele Religionen verteilt. Eine der größten Gruppen bildet der Islam. Er sei erfreut über diese Einladung. Während sich die Sonne hinter den Häusern senkt, tanzen auf der Bühne Derwische und Kinder singen ein Dankeslied.

Rahime Kutsi-Sari hat sich für die Gäste viel Mühe gemacht. Sie serviert gefüllte Kartoffeln und Gemüseröllchen, danach Kuchen und Melone. Am Ende des Fastenmonats kommt das Zuckerfest, besonders für Kinder ein großes Ereignis, gibt es doch viele Süßigkeiten. Angesprochen darauf wird die achtjährige Ahsen plötzlich traurig. „Zum Zuckerfest wäre ich lieber zu Hause“, sagt sie und meint die Türkei.

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