Besuch aus Japan

Welten prallen aufeinander

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Aus der japanischen Partnerstadt Kawagoe sind bis heute 22 Schüler zu Besuch. Die Jugendlichen im Alter von 14 und 15 Jahren wohnen bei Familien in Stadt und Kreis, die Kinder etwa im gleichen Alter haben. Stadtkämmerer Felix Schwenke begrüßte die Gruppe offiziell.

Offenbach - Worauf freuen sich Japaner, wenn sie nach Deutschland kommen? „Ganz klar: Würstchen und Schlösser!“ 22 Jugendliche aus Offenbachs Partnerstadt Kawagoe sind vergangenen Mittwoch in die Lederstadt gereist, um herauszufinden, ob es noch andere „typisch deutsche Errungenschaften“ gibt. Von Jannika Kämmerling und Jakob Sänger 

9320 Kilometer von zu Hause entfernt pflegen sie internationale Freundschaft und probieren sich durch die deutsche Küche. Die Partnerschaft der beiden Städte wurde vor 31 Jahren ins Leben gerufen. Seitdem findet immer wieder ein Schüleraustausch statt. „Die deutsche und die japanische Mentalität passen einfach gut zusammen“, meint Schuldirektor Yukimasa Inohana, „die Deutschen sind höflich, diszipliniert und ernst – nicht so locker und überschwänglich wie Italiener.“ Eine Überraschung hat es bei der Ankunft in Offenbach jedoch gegeben, erzählt er lachend: „Der Bahnhof war ganz schön dreckig. Sowas gibt es bei uns nicht. Jeder hebt den Müll auf, egal ob er von einem selbst stammt oder nicht.“ Für die japanischen Schüler ist die Reise nach Deutschland eine Art Belohnung: Sie haben sich durch sehr gute schulische Leistungen ausgezeichnet oder engagieren sich als Schulsprecher. Die Reisekosten von etwa 2000 Euro teilen sich Stadt und Eltern. Untergebracht sind die Jugendlichen bei deutschen Gastfamilien, die über Zeitungen und Schulen auf das Angebot aufmerksam wurden.

Nächstes Jahr bekommen deutsche Schüler die Chance, nach Japan zu reisen. „Eigentlich sollte der Austausch schon im vergangenen Jahr stattfinden“, erzählt Patrick Probst, einer der Organisatoren. „Manche Eltern hatten aber wegen des Atomunglücks in Fukushima Bedenken.“ Für den Auslandsaufenthalt haben sich die Organisatoren einiges ausgedacht: So standen schon ein Trommel- und Breakdance-Kurs, ein Ausflug in den Kletterpark Fun Forest in Offenbach an. Eine große Abschiedsfeier mit Aufführungen der Teilnehmer rundet das Ganze ab. Auch wird an diesem Abend ein Video der gemeinsamen Aktivitäten gezeigt. Die freie Zeit nutzen die Gastfamilien, um Ausflüge auf die Frankfurter Zeil zu unternehmen, oder für eine Burgenschifffahrt im Rheingau – deutsche „Schlösser“ stehen auf der Liste der Sehenswürdigkeiten nämlich ganz oben. „Bei dem Austausch geht es darum, dass Jugendliche über ihre Grenzen hinausgehen und ihren Horizont erweitern“, sagt Patrick Probst. „In dieser Woche prallen Welten und Kulturen aufeinander.“ Das fängt schon beim Essen an: „Die deutschen Portionen sind so groß“, übersetzt Birgit Klemm (19) die fünfzehnjährige Youkino Sawai. Birgit hat selbst ein Jahr in Japan gelebt und spricht deshalb fließend die Landessprache.

Staunen über japanische Zurückhaltung

Auch im Umgang miteinander gebe es große Unterschiede: „Dass die Deutschen sich so viel umarmen und auch in der Öffentlichkeit küssen ist für mich sehr ungewohnt. Am Anfang war mir das so peinlich, da habe ich immer weggeschaut.“ Die Jugendlichen aus Deutschland wiederum staunen über die japanische Zurückhaltung: „Meine Austauschpartnerin fragt immer, ob sie sich hinsetzen oder auf Toilette gehen darf“, wundert sich Celine Höhn (16). „Und sie ist so ordentlich! Wenn ich meine Schuhe ausziehe, dann werf’ ich sie einfach in die Ecke. Sie stellt ihre ganz ordentlich daneben.“ Trotz allem gibt es auch Gemeinsamkeiten: Die große Auswahl an deutschen Süßigkeiten schätzen beide Seiten. „Und auf Nutella und Müsli fahren die Japaner total ab“, sagt Marcel Karpf (15), der seinen Austauschpartner am Wochenende zum Fußballspiel der Eintracht mitgenommen hat.

Die gemeinsame Leidenschaft verbindet, und vielleicht hat sich im Stadion auch ein passendes Souvenir für die Lieben in der fernen Heimat gefunden: „Japaner lieben nämlich Geschenke“, verrät Vanessa Salpietro (15). „Deswegen habe ich meiner Japanerin auch eine Tasche mit Offenbach-Druck gekauft.“

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