Besuch aus der Unterwelt

Offenbach ‐ Die Eupener Straße unweit des Ringcenters zählt trotz ihre Nähe zur Innenstadt zu den eher ruhigeren Wohnlagen in Offenbach. Etwas in die Jahre gekommene, aber dennoch schmucke Einfamilienhäuser mit gepflegten kleinen Vorgärten säumen den Straßenrand. Und wäre da nicht der Fluglärm, man könnte die Wohnlage fast beschaulich nennen. Von Matthias Dahmer

Das finden wohl auch jene Bewohner, die sich in der Vergangenheit eher selten haben blicken lassen, seit einigen Monaten aber vermehrt gesichtet wurden: In der Eupener Straße sind Ratten zu einem Problem geworden.

Auslöser dafür, da ist sich Anwohner Reinhard Meister sicher, waren die Bauarbeiten des Stadtdienstleisters ESO. Der hat von März bis September in der Eupener die Kanäle erneuert. Und vermutlich die bis dahin in den städtischen Rohren lebenden Nager in die angrenzenden Grundstücke verdrängt. Nun wäre das eigentlich nicht der Rede wert, bleiben die Tiere normalerweise doch in der Unterwelt.

Defektes Kanalrohr zog die Schädlinge ans Licht

Im Vorgarten der Meisters jedoch zog es die Schädlinge ans Tageslicht. Grund: Ein defektes Kanalrohr. Ob es schon vorher brüchig war, durch die Kanalarbeiten des ESO brach oder die Allesfresser ihm den Rest gaben, lässt sich nicht mehr feststellen.

Tatsache ist jedoch: „Wir haben jede Menge Ratten hier“, deutet Ingrid Meister auf den Teil des Gartens, wo sich die Erde trotz mehrfachen Auffüllens auf einigen Quadratmetern gesenkt hat.

Nach der unliebsamen Entdeckung haben die Meisters das volle Programm angeworfen: Ämter informiert, Giftköder ausgelegt und eine Fachfirma mit der Reparatur des Kanalrohrs beauftragt. Alles in allem kommt da locker ein Tausender zusammen, den Ärger nicht eingerechnet.

ESO spricht nicht von einer Rattenplage

Die Eupener Straße ein Einzelfall ? Beim ESO jedenfalls ist man nicht sonderlich beunruhigt. Gar von einer Rattenplage zu reden, hält Pressesprecher Oliver Gaksch für übertrieben. Das sei dort alles im Rahmen des üblichen, sagt er.

Auch für Dr.  Michael Maiwald vom Stadtgesundheitsamt sind die Ratten nichts Ungewöhnliches. „Das kommt immer wieder mal vor. Die Tiere gibt es nunmal überall“, sagt der Mediziner. Wenn Fälle wie in der Eupener Straße bekannt werden, legen die Behörden Giftköder aus, „doch gänzlich ausrotten wird man die Nager nicht können“, so Maiwald. Sein einziger Tipp: Den Ratten so wenig wie möglich Nahrungsangebote machen. Vor allem keine Essensreste in die Toilette kippen, denn das ist wie ein Festmahl für die Tiere. Nur wenn nichts mehr Fressbares zu finden ist, ziehen sie weiter, weiß der Leiter des Gesundheitsamts.

Zahl der Ratten soll sich verdoppelt haben

Wie viele Ratten in Offenbach heimisch sind, ist nicht bekannt. Als Faustregel gilt unter Fachleuten, dass auf jeden Einwohner mindestens eine Ratte kommt. Rund 100 Quadratmeter beträgt der Lebensraum für ein Rudel von etwa 30 Tieren. In Wiesbaden geht man davon aus, dass das Verhältnis 1:3 ist, den rund 275.000 Wiesbadenern stehen damit geschätzte 725.000 Ratten gegenüber. Experten glauben, dass sich die Zahl der Ratten in den vergangenen zehn Jahren bundesweit auf 300 Millionen Tiere verdoppelt hat.

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