Regenforscher im Trockenen

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Der Wetterpark mit seinen Stationen ist quasi meteorologischer Mehrwert für Spaziergänger.

Offenbach - Auf dem Buchhügel steht in diesen Tagen schlicht allem ein üppiger Wachstumsprozess bevor. Der Botanik, weil der Frühling ihre Lebengeister wieder weckt. Von Marcus Reinsch

Der Kinder- und Jugendfarm, weil das Nachwuchs-Paradies gerade - als Ersatz für ihr seit jeher dem neuen Polizeipräsidium versprochenes Territorium - ein größeres und besser ausgestattetes gebaut bekommt. Und vor allem der planerischen Phantasie. Denn die ist gefragt, um ein Projekt voranzutreiben, dem sogar das in Offenbach so knappe touristische Potenzial zugetraut wird: ein echtes Besucherzentrum für den Wetterpark.

Geträumt und gesprochen wird schon seit Jahren davon. Der Wetterpark ist immerhin ein Erfolgsmodell. Jährlich kommen rund 10.000 Besucher in etwa 300 Gruppen. Und auch als Ort für einige Frischluftveranstaltungen wie die „Blaue Stunde“ ist das Gelände etabliert. Die politische Entscheidung für den infrastrukturellen Schub ist bisher allerdings nicht gefallen.

Toilettenanlage wird vermisst

Aus dem ursprünglichen Anlauf, ein Besucherzentrum als Gemeinschaftsprojekt von Wetterpark, Jugendfarm und städtischer Qualifizierungsinstitution GOAB zu stemmen, wurde nach der Kürzung von Bundeszuschüssen für die GOAB nichts. Und nun wollen sich die Volksvertreter erst mit allen Tiefen und vielleicht Untiefen einer seit Februar vorliegenden Machbarkeitsstudie beschäftigen. Es gilt, Gewolltes, Mögliches und Bezahlbares auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Aussehen könnte der am Ende tatsächlich wie jenes keiner bekannten geometrischen Figur mehr ähnelnde Gebilde, das die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) als Ableger der Stadtwerke Offenbach Holding SOH für besagte Studie aus einem einfachen Kubus mit Satteldach hat ableiten lassen. Der Entwurf sieht, vereinfacht, einen mit Brettern verschalten und damit recht naturnah daherkommenden Giebelbau in energieeffizienter Holzbauweise vor. Er kann mit Holzschindeln gedeckt werden und allen bisher nicht vorhandenen Funktionen Raum bieten.

Da ist zunächst die elementar wichtige Toilettenanlage. Die wird von manchem, der im Park von einer das Wetter erklärenden Station zur nächsten wandelt, sehr bis schmerzhaft vermisst. Ihr Fehlen hat schon manchen Besuch trotz noch nicht gestillter Neugier auf die Phänomene des Wetters vorzeitig beendet.

Auf Höhe der Gemaa-Sportanlage

Für die Zielgruppen - Ausflügler, Schüler, Azubis, Rentner, eben jegliche Gruppen - wertvoll: Es soll ein „Grünes Klassenzimmer“ geben und ein Labor für Experimente gleich dazu. Ein weiteres Modul ist Ausstellungen zum Wetter und zum Regionalpark des wie die Stadt und der Deutsche Wetterdienst (DWD) 2005 zu den Gründungsvätern des Wetterparks zählenden Regionalverbands zugedacht.

An einen Präsentationsraum ist im Entwurf ebenso gedacht wie an eine Aufenthaltsmöglichkeit für Busfahrer, eine Terrasse und eine Verkaufsstelle für Essen und Getränke. Und natürlich würde der Bau jenen, die nicht gerade in strömendem Regen erkunden wollen, wie Regen eigentlich entsteht, als Unterschlupf dienen.

Als Standort für das Besucherzentrum ist momentan eine Fläche in zentraler Lage des Parks ausgeguckt, etwa auf Höhe der Gemaa-Sportanlage. Dort wäre es auch für Gruppen, die mit dem Bus anreisen, am einfachsten zu erreichen.

935.000 Euro fürs Besucherzentrum stehen zur Verfügung

In einer armen Stadt wie Offenbach immer schwer zu erreichen: die Kostendeckung. Obwohl die in diesem Fall fast greifbar nahe ist. Zumindest, was die erste Investition betrifft. 935.000 Euro fürs Besucherzentrum stehen aus dem Budget der Stadt für die dem Polizeipräsidium geschuldete „Freimachung des Buchhügels“ zur Verfügung. Weitere 320.000 Euro für Ausstattung und Freiraumgestaltung hält der Regionalverband bereit. Das würde wohl reichen, wenn es keine Folgekosten für den Betrieb gäbe. Die Offenbacher Stadtinformationsgesellschaft (OSG), die das Besucherzentrum von April bis Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr öffnen soll, muss mit jährlich 42.000 Euro Defizit rechnen. Geld, das sich vielleicht mittels Vermietung für Firmenveranstaltungen und Überzeugung von Sponsoren auftreiben ließe.

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